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Gedicht von Günter Grass In Print veröffentlicht, Shitstorm geerntet

Veröffentlichung in Italien, Spanien und Deutschland: Das Gedicht von Günter Grass erreicht mehrere Millionen Leser. Um die New York Times herrscht Verwirrung: Angeblich sei ihr das Gedicht "Was gesagt werden muss" gar nicht angeboten worden.

05.04.2012 04:59
Die SZ mit der Titelseite zum umstrittenen Gedicht von Günter Grass. Foto: dpa

In drei Zeitungen, in drei Ländern, in drei Sprachen hat Günter Grass sein nun so heftig kritisiertes Gedicht „Was gesagt werden muss“ veröffentlicht, in dem er seine Sorge über einen möglichen Krieg zwischen Israel und Iran formuliert. Der große Aufruhr, den er damit erzeugte, beweist immerhin, dass es nicht stets des Internets oder eines Eintrags in einem Online-Netzwerk bedarf, um nahezu weltweite und unmittelbare Empörung hervorzurufen. Im Online-Vokabular dürfte man das, was sich nun über dem Literaturnobelpreisträger zusammenbraut wohl getrost als Shitstorm bezeichnen.

Die Zeitungen sind gut ausgewählt. El Pais, la Repubblica und die Süddeutsche Zeitung (SZ) zählen in ihren jeweiligen Erscheinungsländern zu den auflagenstärksten und meinungsprägenden Blättern. Mit Auflagen von rund 420.000 Exemplaren (SZ), einer knappen halben Million (El Pais) bis etwa 600.000 Exemplaren (la Repubblica) erreichen sie Millionen von Lesern.

Alle drei Zeitungen gelten als im politischen Spektrum eher links angesiedelt. El Pais erschien 1976 erstmals in Madrid. Diktator Franco war wenige Monate zuvor gestorben. Die Zeitung wurde danach so etwas wie die Stimme der Demokratisierung des Landes. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger nannte El Pais einmal „eines der besten Blätter der Welt“.

"Eine unglaubwürdige Verdrängung"

La Repubblica ist die wohl angesehenste Zeitung Italiens. Die Süddeutsche Zeitung ist unter den deutschen überregionalen Blättern dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen. In diese Reihe hätte auch die New York Times gepasst, von der es zunächst hieß, das Grass-Gedicht solle auch bei ihr erscheinen. Doch sie veröffentlichte das Werk nicht. Es sei ihr gar nicht angeboten worden, teilte das Blatt am Donnerstagnachmittag auf Anfrage mit.

Die italienische Zeitung la Repubblica, die dem Grass-Werk zwei Seiten widmet, kritisiert dagegen das Gedicht in einer längeren Analyse. Sie kommt zu dem Schluss: „Das Ergebnis seines Gedichts besteht allein darin, ein konfuses Rauschen zu erzeugen, eine unmögliche Gleichstellung Israels mit dem Iran, eine unglaubwürdige Verdrängung jener Bedrohung, die das Regime in Teheran für Jerusalem darstellt.“ (dpa/mi., seb.)

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