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Einigung mit Iran "Endlich Verhandlungen statt Krieg"

Es waren nicht die Sanktionen, die den Iran in die Knie gezwungen haben, sagt der Autor Jürgen Todenhöfer. Den aktuellen Kompromiss hält er für stabil, die Rolle des israelischen Premiers findet er "historisch unglücklich".

25.11.2013 11:59
Jürgen Todenhöfer, 73, war bis 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Rüstungskontrolle. Foto: imago stock&people

Es waren nicht die Sanktionen, die den Iran in die Knie gezwungen haben, sagt der Autor Jürgen Todenhöfer. Den aktuellen Kompromiss hält er für stabil, die Rolle des israelischen Premiers findet er "historisch unglücklich".

Herr Todenhöfer, im Atomstreit mit dem Iran scheint ein Durchbruch gelungen zu sein. Zufrieden?

Ja. Die Weichen für eine vernünftige Lösung sind gestellt. Außerdem ist die Welt vorerst vor einem gefährlichen Krieg Israels und der USA mit dem Iran bewahrt. Die USA versuchen es – anders als in Afghanistan, dem Irak und Libyen – erfreulicherweise zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder mit Verhandlungen statt mit Krieg.

Haben die Sanktionen gewirkt?

Es waren nicht die Sanktionen, die den Iran in die Knie gezwungen haben. Teheran hat den USA vielmehr schon vor dreieinhalb Jahren einen umfassenden, konstruktiven Verhandlungsvorschlag gemacht. Ich habe ihn damals selbst überbracht. Er ist im Kern Grundlage der heutigen Lösung. Damals hatte Barack Obama jedoch Sorge, eine Übereinkunft mit dem seinerzeitigen Präsidenten Ahmadinedschad nicht durch den Kongress zu bekommen und seine Wiederwahl zu gefährden.

"Sollten auf Triumphgeheul verzichten"

Es handelt sich um eine Übergangslösung. Hält sie?

Ja, denn die USA und der Iran wollen das Problem lösen. Es gibt allerdings Widerstände – in konservativen Kreisen des Iran und im US-Kongress. Die deutsche Politik sollte mithelfen, sie zu überwinden. So sollten wir auf jedes Triumphgeheul verzichten. Für die Iraner ist ganz wichtig, dass ihre nationale Würde respektiert wird. Das ist nach über 30 Jahren Isolation verständlich. Obama müssen wir unterstützen, in dem wir klar machen, dass diese Lösung auch im Interesse Amerikas liegt.

Es gibt auch noch Widerstand in Israel. Dort spricht man von einem historischen Fehler.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahuspielt in dieser Frage eine historisch unglückliche Rolle. Er handelt überhaupt nicht im Interesse seines Landes. Er will sich offenbar aus innenpolitischen Gründen das Feindbild Iran erhalten. Dabei wird es Israel schwer haben, in einer Welt von Feinden zu überleben. Durch eine Aussöhnung der USA mit dem Iran könnte sich am Ende auch das Verhältnis Israels zum Iran normalisieren. Dafür gibt es jetzt viel größere Chancen.

Der Westen zieht sich aus Afghanistan zurück, einigt sich mit Syrien über die Vernichtung von Chemiewaffen und mit dem Iran über die Atomwaffen. Doch in Afghanistan kehren womöglich die Taliban zurück, in Syrien geht der Bürgerkrieg weiter, und auch Iran ist von Demokratie und Menschenrechten weit entfernt. Ist das der Preis, den der Westen zahlen muss?

Der Westen hat sich in der Region nie wirklich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt. Sonst müsste er ja auch in Saudia-Arabien für einen Regimewechsel kämpfen. Und das tut er nicht.

Ist die Lösung des Iran-Konflikts eine Zeitenwende in der westlichen Nahost-Politik?

Ja, wenn der Westen auch bei den anderen Krisen in der Region Verhandlungen den Vorrang vor Kriegen gibt.

Interview: Markus Decker

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