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HINTERGRUND Die Ausbildung der Imame

Er betet in der Moschee vor, predigt dort auch, traut muslimische Paare und unterrichtet die Kinder in den Koranschulen in islamischer Religion. Der Imam. Er

30.11.2004 00:11
HARTMUT MEESMANN

Er betet in der Moschee vor, predigt dort auch, traut muslimische Paare und unterrichtet die Kinder in den Koranschulen in islamischer Religion. Der Imam. Er ist religiöser Leiter einer größeren muslimischen Gemeinde, hat aber neben sich in der Regel einen Vorstand, da die muslimischen Gemeinden nach dem deutschen Vereinsrecht organisiert sind.

Der Imam geht seiner Arbeit hauptberuflich nach oder auch nebenamtlich. Zumindest ist dies in jenen mehr als 300 Gemeinden der Fall, die im Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) zusammengeschlossen sind. Dort kann jeder Mann Imam werden, auch der Metallarbeiter oder Ingenieur. Drei Jahre dauert die Ausbildung beim VIKZ, hier in der Bundesrepublik. Der künftige "Religionsgelehrte" muss Arabisch lernen, sich gut in islamischer Theologie auskennen und die religiösen Riten ausführen können.

Die Idee der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), die Imam-Ausbildung an deutsche Universitäten zu übertragen, findet Erol Pürlü, VIKZ-Generalsekretär, nicht so gut. "Mit einer universitären Ausbildung würde die Latte für künftige Imame zu hoch gelegt", kritisiert er. Ein Imam sei - jedenfalls in den Kulturzentren - am ehesten mit einem Katecheten zu vergleichen, wie ihn die christlichen Kirchen kennen. Ein Universitätsdiplom benötige er nicht. Deutsch aber sollte ein Imam können, findet Pürlü. Schon weil Muslime der zweiten und dritten Generation Predigten in türkischer Sprache nicht mehr so gut verstünden. "Es gibt auch Freitagsgebete, die in zwei Sprachen abgehalten werden."

Etwa 1250 hauptamtliche und rund tausend ehrenamtliche Imame gibt es in Deutschland. Davon sind über 90 Prozent "eingeflogen", schätzt Munir Azzaouri, Pressesprecher des Zentralrats der Muslime. Die muslimischen "Geistlichen" kommen hauptsächlich aus der Türkei, vereinzelt auch aus Marokko oder Iran. Sie sind Staatsbeamte. In den Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union (Ditip), dem Dachverband der türkischen Muslime in Deutschland, wirken ausnahmslos türkisch sprechende Imame. Ausgewählt werden sie in ihrem Heimatland von der "Gemeinsamen Kulturkommission", in der Vertreter verschiedener Ministerien sitzen. Die Imame werden in der Türkei an staatlich anerkannten islamisch-theologischen Instituten ausgebildet und schließen dort mit einem Diplom ab. Danach unterstehen sie - als Quasi-Diplomaten - den Attachés für religiöse Dienste der türkischen Generalkonsulate. Über die Kultur und das Grundwerteverständnis in ihrem Einsatzgebiet wissen sie wenig, sollen sie doch in Deutschland den "türkischen Staatsislam" absichern helfen.

Anders ist die Lage in Österreich: Dort bildet die "Islamische Religionspädagogische Akademie" in Wien seit 1998 in einem dreijährigen Diplom-Lehrgang Imame aus, mit finanzieller Unterstützung des Staates. In Österreich ist - anders als in Deutschland - der Islam als öffentliche Körperschaft anerkannt. Ziel ist, dass ausschließlich im Land ausgebildete Imame in den Moscheen predigen und so auch eine bessere Kontrolle über die Inhalte möglich wird. Auch in Deutschland gibt es Bewegung: Der Zentralrat jedenfalls würde eine verstärkte Imam-Ausbildung hier zu Lande begrüßen.

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