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Wulff Medienkritik Ziemlich beste Feinde

„Bild“-Chefredakteur Diekmann macht sich über die Medienschelte von Ex-Bundespräsident Wulff lustig und veröffentlicht einen privaten Brief. Er ist ein Beleg für die alte Weisheit des Springer-Vorstandschefs Döpfner: Wer mit der „Bild“-Zeitung im Aufzug nach oben fahre, der fahre mit ihr auch wieder nach unten.

Alt-Bundespräsident Christian Wulff. Foto: REUTERS

Das Tischtuch zwischen Christian Wulff und dem Springer-Verlag ist zerschnitten, so viel ist klar. Dieses Bild sei erlaubt, denn es gab doch manche Gelegenheit, bei der man gemeinsam ganz friedlich zu Tisch saß, wie unter anderem Bettina Wulff in ihrem Buch ausführlich berichtet hat. Aber auch der „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann erinnert sich an bessere Zeiten und macht sich nun lustig über die bösen Vorwürfe, die der einstige Bundespräsident in seinem jüngst herausgekommenen Buch und in einem ausführlichen Spiegel-Interview gegen die Medien im Allgemeinen und gegen Springer im Besonderen richtet.

Da auf beiden Seiten Vertraulichkeit schon geraume Zeit nichts mehr zählt, veröffentlichte Diekmann am Montag per Twitter einen Brief Wulffs vom 20. August 2010, wenige Wochen nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten. „Oje, sein Blick zurück im Zorn scheint mir getrübt“, schreibt er spöttisch dazu.

Auf dem offiziellen Briefbogen des Bundespräsidenten dankte Wulff dem „sehr geehrten, lieben Herrn Diekmann“ für die fantastischen Bilder, die ein von „Bild“ engagierter Fotograf vom Tag der Präsidentenwahl angefertigt und ihm nun überlassen habe. Und weiter: „Dank möchte ich Ihnen auch sagen für die Unterstützung, die ich in den vergangenen Jahren, gerade aber auch zuletzt im Umfeld der Wahl zum Bundespräsidenten, von Ihnen persönlich erfahren habe. Das ist für mich Ermutigung, Ansporn und Verpflichtung zugleich. Meine Frau und ich würden uns freuen, Sie und Ihre Frau alsbald im Schloss Bellevue begrüßen zu können.“

Dank des Mitteilungsbedürfnisses von Christian und Bettina Wulff lässt sich dieser Brief heute gut einordnen. Er ist ein beziehungsreicher Ausdruck dieses ganz besonderen Verhältnisses zwischen den Wulffs und der „Bild“-Zeitung und ein weiterer Beleg für die alte Weisheit des Springer-Vorstandschefs Mathias Döpfner, wer mit der „Bild“-Zeitung im Aufzug nach oben fahre, der fahre mit ihr auch wieder nach unten. Die Fotos, von denen in dem Brief die Rede ist, sind das Ergebnis eines exklusiven Zugangs, den Wulff am Tag seiner Wahl dem „Bild“-Fotografen gewährt hatte.

Dieser durfte ihn als einziger Journalist von früh bis spät auch hinter sonst verschlossene Türen begleiten. Dazu schreibt Wulff in seinem Buch („Ganz oben, ganz unten“): „Was von meiner Seite als eine Art Dankeschön gemeint war, wurde von Bild als Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Bellevue verstanden. (…) Mit diesem Missverständnis begann eine fatale Abfolge gegenseitiger Irritationen.“

Dazu kann man womöglich auch schon das Zusammentreffen zählen, das der Einladung ins Schloss Bellevue alsbald folgte, und über das Bettina Wulff in ihrem Buch („Jenseits des Protokolls“)berichtet: „Wir wussten, dass es wichtig wäre, den Kontakt zum Axel-Springer-Verlag zu pflegen.“

Die Frau des Ex-Präsidenten beschreibt ein nettes Beisammensein beim Frühstück, „bis zu dem Moment, als er (Diekmann) mich ohne Vorwarnung fragte, was denn an den Gerüchten zu meiner vermeintlichen Vergangenheit im Rotlichtmilieu dran sei. Einige seiner Redakteure hätten derartiges in einer Redaktionskonferenz erwähnt und recherchierten in dieser Richtung. Ich war völlig entgeistert, mir blieb fast das Brötchen im Halse stecken.“ Als wäre ihr erst da bewusst geworden, auf wen sie und ihr Mann sich eingelassen hatten auf der Fahrt nach oben.

Heute spricht Christian Wulff von einem Medienkartell, das sich gegen ihn verschworen habe, und er fordert den Deutschen Presserat auf, den Pressekodex zu verschärfen. Ihm und dem Land wäre viel erspart geblieben, hätte er sich an eine einfache Grundregel gehalten, die immer schon – auch für seriöse Journalisten – galt: Distanz zu wahren.

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