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Kommentar zur Aufhebung der Immunität Wulff ist im freien Fall

So etwas gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie: Die Justiz will die Immunität des Präsidenten aufheben lassen. Das Amt ist mittlerweile moralisch völlig verschmutzt.

Wie will Christian Wulff nun noch sein Ansehen wahren? Foto: dapd

Die Staatsanwaltschaft in Hannover will die Immunität von Bundespräsident Wulff aufheben lassen. Ein ungeheurer, nie dagewesener Vorgang in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Deutschland hat keinen Bundespräsidenten mehr. Er selbst trägt die Verantwortung dafür, dass er als Person jedes Vertrauen verloren hat. Und dass das Amt schwer beschädigt ist.

Wer glaubt, Affären aussitzen zu können, wer glaubt, dass verschweigen belohnt wird, dass es keinen etwas angeht, wenn man Freunde hat, die keine Freunde sind, sondern Nutznießer, und dafür gerne Bakschisch geben, wer so denkt, der kann kein Bundespräsident sein.

Moralische Verschmutzung von Hirn und Herz

Das alles wurde oft gesagt, oft geschrieben. Bislang ohne Resonanz. Wir haben einen Bundespräsidenten, an dem rechtschaffene Bürger verzweifeln müssen, weil ihre Werte nicht seine sind. Verkäuferinnen, Zollbeamte, Krankenschwestern, Lehrer, Angestellte, Arbeiter - sie alle dürfen nicht, was Wulff für sich in Anspruch nahm. Sie alle wurden in den vergangenen Monaten allein gelassen von der Politik, von der Kanzlerin.

Niemand hat ernsthaft versucht, uns von diesem Bundespräsidenten zu erlösen. Alle haben irgendwie mitgemacht, und damit dazu beigetragen, dass nicht mehr klar ist, was Recht ist und was nicht - nur aus Gründen der politischen Bequemlichkeit. Die Folgen dieser moralischen Verschmutzung von Hirn und Herz werden wir alle noch lange spüren.

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