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Joachim Gauck und Daniela Schadt Die First Lady aus Hanau

Die Partnerin von Joachim Gauck wuchs in Hanau auf, später studierte sie in Frankfurt. Unsere Autoren haben mit Menschen gesprochen, die Daniela Schadt geprägt haben.

17.03.2012 22:59
Pamela Dörhöfer und Peter Hanack
Journalistin und Einserschülerin: Daniela Schadt. Foto: dapd

Reinhart Schneikart, 69, hält große Stücke auf Daniela Schadt. „Die passte in jede Mannschaft, war immer optimistisch, eine richtige Motivatorin, bloß keine überragende Angreiferin“, berichtet er.

Sechs Jahre, von 1975 bis ’81, hat er sie im Volleyball trainiert, bei der TG Hanau. Wiedergesehen hat er sie vor drei Jahren, beim Jahresempfang der Stadt Hanau 2009.

Da erschien Daniela Schadt mit ihrem Lebensgefährten Joachim Gauck, der damals noch kein designierter Bundespräsident war und die Festrede hielt. „Ich hab’ sie gleich erkannt, sie hat sich ja überhaupt nicht verändert“, sagt Schneikart.

Daniela Schadt ist in Hanau geboren; ihrer Familie gehörte die Lackfabrik „Schadt & Co.KG“, die ihre Großeltern 1927 gegründet hatten. 1951 übernahm Schadts Vater Reinhold die Geschäftsführung.

Die Tochter ging andere Wege. An der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt studierte sie Germanistik, Politik und Französische Literatur auf Magister. Aus dieser Zeit sind an der Uni keine Informationen mehr zu bekommen. Die geisteswissenschaftlichen Studiengänge waren damals total überlaufen, ein Massenbetrieb, in dem nur auffiel, wer sich grob danebenbenahm.

"Wissbegierig und Neugierig"

Mitte der 80er Jahre begann Schadt ein Praktikum beim Hanauer Anzeiger. „Sie war immer mit dem Fahrrad unterwegs, bei Wind und Wetter“, erinnert sich Reinhard Breyer, der schon damals als Redakteur bei der Lokalzeitung arbeitete. Als „sehr wissbegierig und neugierig“ hat Breyer (57) die Praktikantin im Gedächtnis behalten.

Es war die Zeit, als Texte noch mit der Schreibmaschine auf Papier getippt und nachher von einem Setzer in Blei gegossen wurden. Über was Daniela Schadt schrieb, weiß Breyer nicht. „Vereinsfeste, Theateraufführungen, was Praktikanten eben machen“, vermutet er.

Nicht viel später ging Schadt zur Nürnberger Zeitung, wo sie zuletzt das Ressort Innenpolitik leitete. Mit der journalistischen Karriere ist es beim Einzug ins Schloss Bellevue erst einmal vorbei.

„Schade eigentlich, sie brachte alles mit, was man für den Journalismus braucht“, findet Heinrich Jaskola (69). Der pensionierte Deutschlehrer erinnert sich an seine ehemalige Schülerin als jemanden, der „warten kann, sich an der entscheidenden Stelle einzubringen. Ihre Bemerkungen haben es auf den Punkt gebracht.“ Eine Einserschülerin, wie er nicht allzu viele gehabt habe.

„Daniela wirkte fast immer im Hintergrund“, sagt ihr ehemaliger Klassenlehrer, Josef Möller (74). „Sie wusste viel, war präsent, wenn man sie brauchte, aber sie ist nie aufgefallen“, sagt er. Möller unterrichtete Schadt an der Karl-Rehbein-Schule bis zum Abitur 1978. „Das Zeugnis darf ich Ihnen natürlich nicht zeigen“, sagt Schulleiter Jürgen Scheuermann. Nur so viel dürfe er sagen: „Es war ein sehr gutes Abitur.“

Die Spuren in Hanau verschwinden. Vor 30 Jahren zog die Lackfabrik um, das Firmengelände am Rande der Innenstadt wurde verkauft, liegt heute brach. Die Firma „Schadt & Co. KG“ wurde 2003 aufgelöst. Daniela Schadts Eltern Reinhold und Doris aber wohnen bis heute in Hanau. Dort besucht sie die Tochter regelmäßig. Gelegentlich hat man Daniela Schadt und Joachim Gauck im idyllischen Staatspark Wilhelmsbad spazieren gehen sehen. Dem Interesse um die berühmt gewordene Tochter entziehen sich die Eltern; sie leben zurückgezogen und meiden jede Öffentlichkeit.

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