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Ex-Bundespräsident Horst Köhler kritisiert Medien

Ex-Präsident Horst Köhler beklagt, dass einige Medien „vom leichtfertigen Verdacht und von der entehrenden Unterstellung“ lebten. Auf die Affäre um seinen zurückgetretenen Nachfolger Christian Wulff geht er nicht direkt ein Er hebt aber die Verantwortung der Eliten hervor.

Horst Köhler (69) hadert weiterhin mit der Presse. Foto: dpa

Auch fast zwei Jahre nach seinem Rücktritt als Bundespräsident hat Horst Köhler noch keinen Frieden mit den Medien gemacht. In einer Rede beim „Wittenberger Gespräch“ verschärfte er am Mittwoch vielmehr seine Kritik. „Wir haben heute in den Medien eine Sparte, die vom leichtfertigen Verdacht und von der entehrenden Unterstellung lebt“, sagte er in einem Vortrag zum Thema Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft.

„Früher hatten die Medien vor allem Spezialisten für das genaue Verständnis, für das Lesen und Verstehen auch zwischen den Zeilen. Heute haben sie immer mehr Spezialisten für das bewusste Missverstehen und die ehrenrührige Schnödigkeit.“ Der frühere Bundespräsident forderte die Öffentlichkeit auf, so etwas nicht mehr nachzufragen – „nur dann wird es uns nicht immer mehr angeboten“.

Köhler war im Mai 2010 nach einem missverständlichen Interview im Deutschlandfunk zum deutschen Einsatz in Afghanistan zurückgetreten. Er hatte unter anderem Journalisten vorgeworfen, ihn bewusst falsch verstanden und interpretiert zu haben.

„All die Sensatiönchen und Skandälchen“

Jede gesellschaftliche Kommunikation sei auf Medien angewiesen, und die Qualität der Kommunikation habe viel mit der Qualität dieser Medien zu tun, sagte Köhler. Es gebe Länder, in denen man aus den Medien wenig oder nichts über den Zustand der Gesellschaft erfahre, weil sie nur Unterhaltung, Propaganda oder Werbung böten. „In unserer Gesellschaft ist das so nicht der Fall, aber die Medien hierzulande kennen durchaus die Versuchung und auch den Druck, sich auf Unterhaltung, Werbung und Propaganda zu beschränken.“

Wenn die Aufmerksamkeit nicht mehr so leicht „von all den Sensatiönchen und Skandälchen in den Medien“ abgelenkt würde, bliebe den Führungskräften mehr Zeit, sich auf ihren eigentlichen Job und wirkliche Führung zu besinnen, befand der Ex-Präsident. „Dann geraten sie auch weniger in Versuchung, nach dem selben Rezept wie die Medien und in Symbiose mit ihnen um unsere Aufmerksamkeit zu buhlen.“

Auf die Affäre um seinen zurückgetretenen Nachfolger Christian Wulff ging Köhler nicht direkt ein. Er hob aber die Verantwortung der Eliten hervor. Ihr Handeln sei besonders wichtig für das allgemeine Klima des Vertrauens in der Gesellschaft, „Wenn Führungseliten Vertrauen verspielen, dann denken viele Bürger: Da sieht man’ s mal wieder, überall wird man betrogen. Und sie ziehen sich zurück und sind weniger bereit zu vertrauen.“

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