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Christian Wulff in Heidelberg Christian Wulff erzählt vom Aufstieg

Christian Wulff ist zurück. Bei seinem ersten Auftritt nach dem Rücktritt hält der Alt-Bundespräsident eine Rede an der Heidelberger Universität über den Wandel der Gesellschaft.

21.11.2012 21:24
Felix Helbig
Christian Wulff am Mittwochabend in Heidelberg. Foto: dpa

Vor der Aula der Alten Universität zu Heidelberg sind am Mittwochabend die Menschen zusammengelaufen, sie haben sich die Nasen an den Scheiben plattgedrückt, ganz so, als gäbe es drinnen einen leibhaftigen Präsidenten zu bestaunen. Die Stadt hatte draußen festliche Stände aufgebaut für einen Weihnachtsmarkt, die Polizei riegelte alles ab, es galt höchste Sicherheitsstufe. Und es kam dann ja auch tatsächlich ein Präsident, ein Alt-Bundespräsident. Es war der erste Auftritt nach dem Rücktritt von Christian Wulff.

In der Aula der Alten Universität zu Heidelberg stand ein Mann am Rednerpult, der schmal geworden ist, dem sich einige Furchen in die Wangen gegraben haben und dem das gedämpfte Licht des holzvertäfelten Saals bei der Bestimmung seiner Gesichtsfarbe geschmeichelt haben mag. Ansonsten aber gab sich Wulff neun Monate nach dem durchaus beschämenden letzten Auftritt beim Großen Zapfenstreich nach seinem Rücktritt, als der Lärm von Demonstranten die Zeremonie übertönt hatte, bemerkenswert präsidial. Das mag auch am wohlwollenden Heidelberger Publikum gelegen haben.

Es ging deutlich friedlicher zu bei seiner Rede über die „Gesellschaft im Wandel“, mit der die Hochschule offenbar ihren Beitrag leisten wollte zur Resozialisierung des so atemberaubend schnell abgestürzten Alt-Bundespräsidenten. Wie ein Aussätziger war der zuletzt in der politischen Gesellschaft behandelt worden, womöglich blieb er deshalb lange abgetaucht; noch laufen ja auch die behördlichen Ermittlungen wegen Bestechungsvorwürfen.

Präsident der Herzen

In der Heidelberger Aula spielte all das keine Rolle. Christian Wulff sprach dort von Integration, von Chancengleichheit für Migranten, von der „besorgniserregenden Segregation in den Ballungszentren“ und davon, dass „der Glaube an die Möglichkeit des Aufstiegs wichtig ist für dieses Land“, wenngleich er „geringer geworden“ sei. Wulff nannte Beispiele von Kindern, die er getroffen habe, vom neuen türkischen Botschafter in Berlin, dem er „vor einiger Zeit einen Rat gegeben“ habe, wie mehr Migranten zur Feuerwehr gebracht werden könnten. Und dann folgte das wahrhaftig Bemerkenswerte: Der so tief Gefallene erzählte Geschichten vom Aufstieg. Und er hörte sich dabei an wie immer.

Er wolle mit seiner Rede „nicht nur den Verstand“ der Menschen im Saal erreichen „sondern auch die Herzen“, sagte Wulff dann noch – was ihm offenbar gelang: Die Menschen in Heidelberg strömten nicht nur zusammen, sie stellten auch nicht eine kritische Frage, als sie – sogar von Wulff selbst – dazu aufgefordert waren. Sie stellten sogar erst einmal überhaupt keine Fragen. Als sich schließlich doch drei Zuhörer erweichten, sprach ihn einer mit „Herr Wulff“ an und einer mit „Herr Bundespräsident“. Nach Pflicht oder Verantwortung, den Wandel der Gesellschaft im Amt vorzuleben, fragte niemand. Und nach etwas mehr als einer Stunde war Christian Wulff wieder weg.

Die Universität betonte auf Nachfrage noch, man habe Wulff schon vor einem Jahr eingeladen, als Person, nicht als Präsident, wegen seiner Verdienste um die Integration. Ein Honorar sei nicht gezahlt worden für den Auftritt.

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