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G7 Hoffnung auf positive Trendwende

Der Verein Germanwatch sieht in einer aktuellen Studie Chancen zur Erreichung des Klimaziels. Besonders auffällig sei, dass sich der zuletzt rasant gestiegene CO2-Ausstoß seit 2012 abgeflacht hat.

Die Welt kann gerettet werden. Man muss es nur wollen. Foto: dpa

Optimismus gehört zum Job, sonst wird man kein Klima-Verhandler. Auch wenn es noch so schleppend läuft. „Ich bin Optimistin und ich glaube, das sind die meisten auf dem Verhandlungsparkett auch“, sagte Ilze Pruse, die Chefin der lettischen Delegation, jetzt auf der Frühjahrstagung der UN-Klimadiplomaten in Bonn, die den entscheidenden UN-Klimagipfel im Dezember in Paris vorbereitet. Man könne den Klimawandel mittlerweile in jedem Land spüren. Das schaffe gute Voraussetzungen für die Verhandlungen, sagte Pruse, die auch für die Europäische Union spricht. Lettland hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Doch während die Vorbereitung für Paris gewohnt zäh ist, wächst Hoffnung für eine positive Trendwende in der internationalen Energie- und damit auch der Klimapolitik. Das zeigt eine aktuelle Studie der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die der FR vorliegt. Danach gibt es durchaus noch die Chance, das Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten. Es wäre also verfrüht, Paris abzuschreiben. Der Gipfel, auf dem ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll beschlossen werden soll, muss kein Flop werden wie die Kopenhagen-Konferenz 2009, die bei dieser Aufgabe kläglich versagte.

Die Germanwatch-Analyse dokumentiert rasante Veränderungen in drei wichtigen Feldern – bei der Entwicklung der Emissionen, der erneuerbaren Energien und der Kohlenutzung. Sie zusammen könnten dazu führen, dass der globale Treibhausgas-Ausstoß bereits bis 2020 sein Maximum erreicht und danach deutlich sinkt. Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, müssen die globalen Emissionen bis 2050 um mindestens 50 Prozent und in den Industrieländern um 80 bis 95 Prozent (gegenüber 1990) sinken.

Auffällig ist, dass sich der zuletzt rasant gestiegene CO2-Ausstoß seit 2012 abgeflacht hat. Im Jahr 2014 stagnierten die energiebedingten Emissionen zum ersten Mal trotz wachsender Weltwirtschaft. Anno 2009 war der Ausstoß zwar sogar einmal zurückgegangen – allerdings infolge der Lehman-Krise, die die Ökonomien einbrechen ließ. Germanwatch-Experte Jan Burck warnt jedoch, dass die derzeit sehr niedrigen Ölpreise die Emissionen wieder hochtreiben könnten. „Von den Regierungen brauchen wir ein klares Signal, dass vier Fünftel der Reserven an Kohle, Öl und Gas unter der Erde bleiben müssen. Die positiven Entwicklungen machen das möglich – wenn der politische Wille dazu da ist.“

Weiter verweist Germanwatch darauf, dass die Kosten der Öko-Energien in den letzten Jahren stärker gefallen sind als erwartet, insbesondere die von Solarstrom. „In einigen Regionen sind sie gegenüber fossilen Energien bereits wettbewerbsfähig oder auf dem besten Weg dazu.“ Die gesunkenen Kosten – vor allem dank Förderprogrammen in Deutschland und zeitweise Spanien sowie billiger Massenproduktion in China – beschleunigen den Zubau von Öko-Kraftwerken. Letztere machten 2013 mehr als die Hälfte der neu gebauten Kapazitäten aus, nämlich 56 Prozent. Dieser Boom betrifft auch die Schwellen- und Entwicklungsländer; bereits die Hälfte der Investitionen wird inzwischen hier getätigt.

Dritter Trend: Germanwatch sieht Anzeichen dafür, dass der Boom der Kohlenutzung vorbei ist. Seit 2010 sei „weltweit nur jedes dritte geplante Kohlekraftwerk gebaut und der Rest auf Eis gelegt oder komplett gestoppt worden“. Im Kohleland Nummer eins, China, sowie in den USA sinke die Kohleverstromung. Viele große Investoren bremsen derzeit die Finanzierung von Kohleprojekten. Jüngstes Beispiel: Norwegens Parlament wird den staatlichen Pensionsfonds anweisen, nicht mehr in die Kohleindustrie investieren.

Burck warnt allerdings: „Die positiven Tendenzen bedeuten nicht, dass die notwendige Politikwende schon da ist.“ Es sei die Aufgabe der Regierungen dieser Welt – national, jetzt beim G7-Gipfel in Elmau und Paris – aus den positiven Signalen einen stabilen, sich selbst beschleunigenden Trend zu machen.

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