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Tapferkeits-Orden für Bundeswehrsoldaten Kreuz, brav

Der Tapferkeits-Orden soll die Leistungen der Soldaten im militärischen Alltag würdigen - doch genau über den verliert die Kanzlerin kein Wort. Von Bernhard Honnigfort

Feldgrau in feldgrau: Bundeskanzlerin Angela Merkel verleiht Hauptfeldwebel Henry Lukacz das Ehrenzeichen für Tapferkeit. Foto: Getty

Berlin. Angela Merkel kam in feldgrau. Vielleicht war es ein Zufall, aber der Hosenanzug der Kanzlerin ähnelte sehr den Uniformen der Heeresoffiziere, die in den ersten Reihen im ersten Stock des Kanzleramts Platz genommen hatten, neben ihren Kameraden von Luftwaffe und Marine. Der Anlass war außergewöhnlich: Erstmals in der mehr als 50-jährigen Geschichte der Bundeswehr verlieh ein Verteidigungsminister Orden für besondere Tapferkeit. "Erstaushändigung von Ehrenzeichen der Bundeswehr für Tapferkeit", hieß das etwas ungelenk.

Mit dem Orden des Verteidigungsministers, übergeben durch die Kanzlerin, wurden vier Soldaten geehrt: Die Hauptfeldwebel Henry Lukacz aus Thüringen, Alexander Dietzen aus Rheinland-Pfalz und Jan Berges aus Nordrhein-Westfalen, der bayerische Oberfeldwebel Markus Geist. Die vier Fallschirmjäger hatten sich im Oktober 2008 nach einem Selbstmordattentat in Nordafghanistan um verletzte Kameraden und um afghanische Kinder gekümmert und dabei ihr Leben riskiert. Bei dem Anschlag auf ihren gepanzerten Lastwagen kamen zwei Soldaten ums Leben.

Gerade eine halbe Stunde dauerte die Ehrung. Sie war unmilitärisch und militärisch zugleich: So unpräzise und verklemmt in den Worten über ein doch so klares Geschehen. Sie war so verdruckst, wie es die politischen Zeiten gerade sind: Immer mehr Bundeswehrsoldaten geraten in Kämpfe, während der Zuspruch der Bevölkerung dahinschmilzt und die Politik ängstlich die Wahl abwartet.

Das Wort Krieg fiel nicht

Das Wort Krieg nahmen natürlich weder Kanzlerin noch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) in den Mund. Noch nicht einmal das Wort Kampf. "Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung", sagte die Kanzlerin. Sie sprach zwar von "schwierigen Aufträgen mit hohen Risiken", zählte jeden Ort zwischen Afghanistan, Sudan, Libanon und Georgien auf, wo Bundeswehrsoldaten zu Fuß oder per Schiff unterwegs sind. Doch den Vorfall im Oktober, das Selbstmordattentat bei Kundus, den Anlass der Ordensverleihung - den streifte sie nur am Rand.

Zivile Verpackung

Die Verleihung lief ähnlich zivil ab wie Auszeichnungen für junge Forscher oder Sportler, wie sie sonst auch gern im Kanzleramt vorgenommen werden. "Wir alle können uns das gar nicht so richtig vorstellen", sagte die Kanzlerin über das, was Bundeswehrsoldaten derzeit in Afghanistan tun und erleben. Was sie nicht sagte: Wahrscheinlich ist es auch besser so.

Dass die erstmalige Verleihung dieses Ordens, den die "Armee im Einsatz" angeblich braucht, so unspektakulär daherkam, als alltäglicher Pressetermin im Kanzleramt, ist kein Zufall. Es ist der Versuch der sanften Eingewöhnung in eine harte Wirklichkeit. "Das ist die Form in diesen Zeiten", so drückte ein hoher Militär es aus. Fototermin im Kanzleramt also statt Auszeichnung vorm aufmarschierten Bataillon mit Militärkapelle - wäre ja auch denkbar gewesen.

"Bewaffneter Einsatz ist Alltag", sagte die Kanzlerin. Lebensgefährlicher Militäralltag, der nach Anerkennung schreit. "Wir müssen mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, was Soldaten und ihre Familien tragen." Aber auch Jung verlor kein Wort über den Bombenanschlag. Er dankte der Kanzlerin, die mit der Ordensverleihung ein wichtiges Zeichen gesetzt habe für "unsere Soldaten in den Auslandseinsätzen". Ganz so, als hätte seine Chefin in der ungemütlichen Debatte über deutsche Soldaten am Hindukusch an diesem Montag selbst Tapferkeit bewiesen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Afghanistan

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