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Schweres Attentat Anschlag in Afghanistan

Bei einem Selbstmordattentat in der nordafghanischen Provinzhauptstadt Talokan sind insgesamt sieben Menschen ums Leben gekommen, darunter auch zwei Bundeswehrsoldaten aus Rheinland-Pfalz und Hannover.

Soldaten des Ausbildungsschutzbataillon Kundus verabschieden bei der Trauerfeier in Kundus einen am vergangenen Mittwoch bei einem Anschlag getöteten deutschen Soldaten. Wenige Stunden später wurde Generalmajor Markus Kneip bei einem Selbstmordattentat verletzt. Foto: dpa

Als die Bundeswehr Ende 2003 das „Provincial Reconstruction Team“ (PRT) in der nordafghanischen Stadt Kundus übernahm, lautete eine strikte Anweisung: Bei Drogenhandel wird weggesehen. Der wichtigsten Mafia-Figur entledigte man sich schnellstens. Milizenchef Daud Daud wurde von Berlin mit einem gepanzerten Fahrzeug ausgestattet und unter Mithilfe von Präsident Hamid Karsai ins Innenministerium nach Kabul versetzt – mit dem Zuständigkeitsbereich Drogenbekämpfung.

Am Samstag fiel nun Daud, der längst als Polizeichef für ganz Nordafghanistan zurückgekehrt war und laut Beobachtern inzwischen zu den „wichtigsten Partnern“ der Bundeswehr am Hindukusch zählte, einem Selbstmordanschlag zum Opfer.

Bei dem Attentat in der nordafghanischen Provinzhauptstadt Talokan wurden am Samstag auch zwei deutsche Soldaten aus Rheinland-Pfalz und Hannover getötet. Insgesamt kamen sieben Menschen ums Leben, neben Daud auch der Polizeichef der Provinz Tachar. Der deutsche Kommandeur des Isaf-Regionalkommandos Nord, General Markus Kneip, und vier weitere Bundeswehrsoldaten wurden verletzt.

Merkel reagiert bestürzt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit Bestürzung auf die Nachrichten aus Afghanistan. An der deutschen Politik änderten diese aber nichts. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Sonntag, es gebe Hinweise, dass Kneip nicht das Ziel des Anschlags gewesen sei. Noch kenne man die Zahl der Attentäter nicht. Auch sei noch nicht klar, ob es sich um Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte gehandelt habe oder um Täter, die sich als solche getarnt hätten.

Die Partnerschaftsstrategie der Bundeswehr in Afghanistan stehe nach dem tödlichen Anschlag nicht zur Disposition. „Wenn wir die Sicherheit allmählich in afghanische Hände übergeben wollen, dann geht es nur so, dass wir es mit den Afghanen zusammen tun“, sagte de Maizière.

Nach den zunächst vorliegenden Informationen hatte sich der Selbstmordattentäter in Polizeiuniform als einer der „Leibwächter“ in das Gebäude geschmuggelt, die zum Begleitschutz der ranghohen Nato-Delegation und afghanischen Behördenvertreter im Gouverneurspalast von Talokan gehörten. Geduldig wartete der Täter im Kreis der deutschen und afghanischen Sicherheitsleute, bis die Konferenz im ersten Stock des Gebäudes beendet war und Daud zusammen mit Kneip den Saal verließ.

Talokan ist die Hauptstadt der Provinz Tachar, die bis vor einigen Jahren als relativ ruhig galt. Doch seit 2008 spitzt sich die Lage zu. 2009 schloss die Deutsche Welthungerhilfe (DWHH) ihr Büro in der Region und übergab ihre Projekte an andere Organisationen.

Der Tod der zwei Bundeswehrsoldaten wiegt schwer, weil die meisten am Hindukusch stationierten ausländischen Nato-Truppen angesichts des bevorstehenden Abzugs im Jahr 2014 inzwischen alles unternehmen, um eigene Verluste zu vermeiden. Im Norden Afghanistans sorgte lediglich der massive Einsatz von US-Special Forces für erhebliche Verluste bei den Taliban.

Sommeroffensive angekündigt

Doch die Milizen, die eine Sommeroffensive angekündigt haben und zahlreiche neue Kämpfer aus Flüchtlingslagern in der Umgebung der pakistanischen Hafenstadt Karachi und der Grenzregion über die Grenze nach Afghanistan geschickt haben, können eine beachtliche „Erfolgsliste“ vorweisen. Unter anderem ermordeten sie vor einigen Monaten den Gouverneur und den Polizeichef von Kundus.

Die bisher vorliegenden Informationen über das Attentat wecken neue Zweifel an der Zuverlässigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte, die gegenwärtig im Schnellverfahren auf den Tag das Abzugs ausländischer Truppen vorbereitet werden. Im vergangenen Monat versuchte ein im Verteidigungsministerium eingeschleuster Taliban-Kämpfer vergeblich, den Minister der Behörde zu ermorden.

Afghanische Soldaten und Polizisten töten immer wieder ausländische Kollegen, die sie ausbilden sollen. Und beim Sturm auf ein UN-Gebäude in Masar-i-Sharif waren nicht nur die lokalen Sicherheitskräfte überfordert. Als drei Rädelsführer wurden ehemalige Talibankämpfer identifiziert, die sich dem von Deutschland und anderen Nationen finanzierten Reintegrationsprogramm angeschlossen hatten. (mit afp/dpa/dapd)

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