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Bundeswehr-Konzept "Partnering" mit schwierigem Partner

Afghanische Soldaten auf Drogen, deutsche Ausbilder vor leeren Klassen: Die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der einheimischen Armee läuft schlecht, sagen Ausbilder und Offiziere, die in Afghanistan stationiert waren.

Bundeswehrsoldaten gehen in der Umgebung von Feisabad gemeinsam mit Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) auf eine Erkundungsmission (Archivfoto vom 05.10.2008). Foto: dpa

Afghanische Soldaten auf Drogen, deutsche Ausbilder vor leeren Klassen: Die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der einheimischen Armee läuft schlecht, sagen Ausbilder und Offiziere, die in Afghanistan stationiert waren.

Fahrzeuge verschwinden. Soldaten verkaufen ihre Ausrüstung. Ganze Polizei-Einheiten werden nicht bezahlt, weil jemand ihr Geld in die eigene Tasche steckt. Tanklastwagen kommen nur mit halber Ladung an, weil Verwandte der Verantwortlichen Tankstellen betreiben.

Auf mehr als 30 Seiten schildert US-Captain Carl Thompson Schwierigkeiten mit der afghanischen Armee, um Offizierskollegen auf den Einsatz vorzubereiten. Das Dokument mit dem optimistischen Titel „Winning in Afghanistan“ (Siegen in Afghanistan) wurde schon 2009 im Internet veröffentlicht. Wer es gelesen hat, wundert sich über die Probleme beim „Partnering“ nicht.

Partnering bedeutet, dass ausländische und afghanische Soldaten gemeinsam arbeiten, während die einheimischen Rekruten ihre Ausbildung erhalten. So sollen sie darauf vorbereitet werden, schon 2012 den größten Teil der Kampfeinsätze gegen die radikalislamischen Taliban-Milizen zu übernehmen. Nato-Truppen sollen entweder abziehen oder sich auf eine „Unterstützerrolle“ beschränken.

Glaubt man den Erzählungen mancher Trainer, funktioniert die Ausbildung kaum. Oberstleutnant i. R. Jürgen Heiducoff, von 2004 bis Anfang 2011 in Afghanistan stationiert, spricht von „erheblichen kulturellen Verständigungsproblemen zwischen den Afghanen und den westlichen Soldaten“. Das beginne damit, „dass Afghanen deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Gründlichkeit nicht folgen“. Ausbilder erzählen, wie sie vor leeren Klassen standen, weil ihre Lehrgangsteilnehmer über Nacht zu Einsätzen abkommandiert werden. Heiducoff sagt, er habe zudem oft „afghanische Soldaten oder Polizisten erlebt, die unter Drogen standen“. Er glaubt, Partnering gehe „an der afghanischen Wirklichkeit vorbei. Man kann nicht gemeinsam mit afghanischen Soldaten gegen afghanische Aufständische kämpfen und meinen, damit die Bevölkerung zu schützen“.

US-Captain Thompson beschreibt einen Fall, in dem ein aus den USA stammender Übersetzer einen lokalen Rekruten vor versammelter Mannschaft ohrfeigte. Der Konflikt musste in viertägigen Verhandlungen bereinigt werden.

Sowohl bei den britischen wie bei den US-Truppen gab es Fälle, in denen empörte afghanische Rekruten zur Waffe griffen, um ihre Ehre zu verteidigen. Taliban infiltrieren die Armee und heizen die feindselige Stimmung an. Der Anschlag eines afghanischen Soldaten, bei dem am 18. Februar drei Bundeswehrsoldaten getötet wurden, ist allerdings eine Einzeltat mit bisher unklaren Motiven.

Heiducoff meint, die Teilung der Afghanen in die Aufständischen und in die, die mit der Administration von Präsident Hamid Karsai kooperieren, sei eine Folge der Stationierung westlicher Truppen. Sie werde durch die Ausbildung afghanischer Soldaten, Polizisten und neuerdings Milizen oder Bürgerwehren nur vertieft. Man könne nicht auf Dauer einen Teil der Klan-Gesellschaft gegen einen anderen in Stellung bringen. Nötig sei, so Heiducoff, eine „politische Lösung: Waffenstillstand und Verhandlungen, Versöhnung unter Einbeziehung der Führer der Aufstandsbewegung“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Afghanistan

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