Lade Inhalte...

Attentat Taliban ermorden Karsais Bruder

Ahmed Wali Karsai, ein jüngerer Bruder von Afghanistans Staatschef Hamid Karsai, ist getötet worden. Die Taliban haben umgehend die Verantwortung für das Attentat übernommen.

Ahmed Wali Karsai, der Bruder des afghanischen Präsidenten. Foto: dpa

Er hatte ihn seit Jahren gekannt und ihm vertraut. Das wurde Ahmad Wali Karsai nun offenbar zum Verhängnis. Am Dienstag wurde der jüngere Bruder von Afghanistans Präsident Hamid Karsai, der mächtigste Mann im unruhigen Süden, in seinem Haus in Kandahar erschossen – angeblich von dem langjährigen Familienfreund und Bodyguard Sardar Mohammed.

Die Taliban reklamierten den Mord für sich und nannten ihn einen „unserer größten Erfolge“ in zehn Jahren Krieg. Sie hätten Sardar vor sechs Monaten für das Attentat angeworben, erklärte ein Taliban-Sprecher. Allerdings bleiben Sardars Motive rätselhaft.

Die politischen Folgen des Mordes sind kaum absehbar. Der Tod seines Bruders ist nicht nur persönlich ein schwerer Schlag für Karsai, der Verlust könnte ihn auch politisch massiv schwächen. Das Attentat scheint aber auch eine blutige Absage der Taliban an Karsais Bemühungen um Friedensverhandlungen.

Ahmad Wali war der starke Mann im Süden, der als Hochburg der Militanten gilt, und einer der wichtigsten Pfeiler von Karsais Regime. Deshalb hat der Präsident offenbar auch über Jahre seine zwielichtigen Umtriebe geduldet. Vor allem die Amerikaner bezichtigten Ahmad Wali immer wieder, im Drogengeschäft mitzumischen und hochkorrupt zu sein. Zugleich soll er laut Medienberichten jahrelang für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet haben.

Karsai mühte sich, die Fassung zu wahren, als er kurz nach der Nachricht mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der zu Besuch in Kabul weilte, vor die Presse trat: „Das ist das Leben des afghanischen Volkes“, sagte er: „Ich hoffe, dass dieses Leiden, dass jede Familie teilt, eines Tages enden wird.“ Schon mehrfach waren Anschläge auf Ahmad Wali verübt worden. Doch Sardar sah er offenbar nicht als Gefahr an.

Den Angaben zufolge empfing Ahmad Wali gerade etwa 60 Gäste im Haus, als Sardar aus nächster Nähe auf ihn feuerte. Einige Zeugen sagten, er habe zwei Schüsse in den Kopf erhalten. Andere berichteten, er sei in Bauch und Brust getroffen worden. Auch Sardar wurde noch am Tatort getötet.

Einige lokale Führer in Kandahar bezweifeln, dass der Mord tatsächlich auf das Konto der Taliban geht. Es gab auch Gerüchte über einen persönlichen Streit zwischen Ahmad Wali und Sardar. Was auch immer die Hintergründe sind, sein Tod hinterlässt jedenfalls ein gefährliches Vakuum ausgerechnet im Süden, das in einen Machtkampf münden könnte. Das kann weder Karsai noch der Nato gefallen.

Seit Monaten verüben die Taliban eine ganze Serie von gezielten Mordanschlägen auf afghanische Führungsfiguren. Damit wollen sie offenbar die Pläne der Nato torpedieren, die Verantwortung für die Sicherheit bis 2014 schrittweise an die Afghanen zu übergeben. Die ersten sieben Gebiete sollen dieser Tage den Anfang machen. Kandahar gilt dabei als Schlüsselregion. Es wird vermutet, dass die USA und die Nato nun verstärkt auf den neuen Polizeichef General Abdul Razik setzen – doch der ist genauso zwielichtig wie Ahmad Wali.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Afghanistan

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen