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Afghanistan Bundeswehr meldet Erfolg im Kampf gegen Taliban

Bei ihrer Offensive gegen die Taliban hat die Bundeswehr nach eigenen Angaben die Aufständischen aus einem Teil des afghanischen Distrikts Char Darah verdrängt. Es ist der gefährlichste Distrikt Nordafghanistans.

16.11.2010 11:39
Bundeswehrsoldaten im nordafghanischen Distrikt Char Darah.

Es gebe nun auch in Char Darah "Räume, aus denen die Taliban weitestgehend raus sind", sagte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für den Norden, Generalmajor Hans-Werner Fritz, am Dienstag in Masar-i-Scharif. "Hier tragen auch unsere Operationen Früchte, die wir sehr konsequent geführt haben, zusammen mit unseren afghanischen Partnern." Char Darah liegt westlich des deutschen Feldlagers in der Provinz Kundus.

Der Distrikt war lange Zeit von den Taliban dominiert und heftig umkämpft. Im September 2009 ließ die Bundeswehr in dem nun eroberten Gebiet zwei von Aufständischen entführte Tanklaster bombardieren. Dabei wurden mehr als 100 Menschen getötet oder verletzt. Am Karfreitag starben in der Gegend drei deutsche Soldaten bei heftigen Gefechten mit den Taliban. Ein Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte, die Taliban seien bei der jüngsten Operation aus dem südlichen Teil des Distrikts verdrängt worden. Im Norden Char Darahs seien weiterhin Aufständische.

Ende Oktober ging die Bundeswehr gemeinsam mit der afghanischen Armee im Süden Char Darahs in die Offensive und startete die Operation Halmasag (Blitz). Auch belgische und US-amerikanische Truppen waren unter den insgesamt rund 480 Soldaten. Die schweren Kämpfe dauerten vier Tage. Mehrere Taliban wurden getötet, andere Aufständische wechselten die Seiten. In den Reihen der Bundeswehr gab es zwei Leichtverletzte. Die Bundeswehr setzte schwere Artillerie ein und forderte mehrfach Luftunterstützung an.

Ein Beleg für die Erfolge in Char Darah ist, dass eine lange existierende Stellung der Bundeswehr, die so genannte Höhe 431, aufgegeben werden konnte, weil "der Sicherheitskreis weiter gezogen werden konnte", wie es im Isaf-Hauptquartier heißt. Der Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte, alles verwertbare Material sei von der Anhöhe entfernt worden, die Stellung werde nun «geschleift». In dem Ort Quatliam sei ein neuer Außenposten errichtet worden. Der militärische Teil der Operation Halmasag sei beendet.

Sicherheitslage unverändert angespannt

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Bürgermeister der Stadt Kundus wurden am Dienstag dessen Bruder und ein Kandidat für die Parlamentswahl getötet. Bürgermeister Mullah Mohammad Farhad und vier weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Vize-Polizeichef der Provinz Kundus, Abdul Rahman Aktaasch.

In den vergangenen Wochen hatten Politiker und Militärs immer wieder von Fortschritten in Afghanistan berichtet und sich vorsichtig optimistisch zur weiteren Entwicklung geäußert. Fritz teilt diese Einschätzung auch für den gesamten Norden des Landes. "Ich glaube, dass wir da gute Fortschritte gemacht haben", sagte er. Zwar sei die Sicherheitslage unverändert angespannt. Die steigende Zahl von Gefechten und Anschlägen in diesem Jahr sei aber auch darin begründet, dass die Stärke der internationalen Truppen seit dem Frühjahr verdoppelt wurde. "Wir können jetzt auch in Bereiche reingehen, wo wir vorher nicht reingehen konnten", sagte Fritz.

Die Isaf will unterdessen keine weiteren Truppen für den Einsatz am Hindukusch verlangen. Man sei mit den 140.000 Soldaten - darunter 5000 Deutsche - zufrieden, sagte Isaf-Sprecher Josef Blotz in Kabul. "Es wird keine Nachforderungen geben." Den bevorstehenden Nato-Gipfel in Lissabon bezeichnete der deutsche Brigadegeneral als entscheidende Weichenstellung für die Übergabe der Verantwortung an die afghanische Armee und Polizei. "Wenn wir im ersten Halbjahr 2011 nicht beginnen, dann schaffen wir es nicht bis 2014."

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat 2014 als Zieldatum für die Übergabe der Verantwortung genannt. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Nato-Mitglieder kommen am Freitag in Lissabon zusammen. Auf ihrem zweitägigen Gipfeltreffen wollen sie den Übergabeprozess symbolisch einleiten. Die ersten Provinzen sollen aber erst im nächsten Jahr von den Afghanen übernommen werden. (dpa)

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