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Wahl-O-Mat Klick durchs Parteiprogramm

Der neue Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl steht online und die Parteienvertreter haben ihn direkt ausprobiert. Wirklich blamiert hat sich dabei keiner von ihnen, aber nicht jeder Politiker zeigt sich voll auf Parteilinie.

Nicht hundertprozentig auf Parteilinie: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Wahl-O-Mat. Foto: dpa

Am Ende waren alle Vertreter der Bundestagsparteien erleichtert, keiner von ihnen hatte sich beim öffentlichen Ausprobieren des neuen Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl blamiert. Seit Mittwoch ist das interaktive Frage-und-Antwort-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zur Bundestagswahl online.

Interessierte können sich durch 38 Thesen aus Parteiprogrammen klicken und bei jeder entscheiden, ob sie ihnen zustimmen oder nicht. Am Schluss zeigt der Wahl-O-Mat an, mit welcher Partei es die höchste Übereinstimmung gibt.

Bei CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe waren es immerhin 94,9 Prozent Übereinstimmung mit seiner Partei. „Oh, da sollte ich heute Abend wohl in mich gehen“, frotzelte er und mutmaßte, dass seine Ablehnung der PKW-Maut den Wert wohl etwas gesenkt habe.

FR-Wahlhelfer

Hier helfen die Experten aus unserer Politikredaktion. Sie haben die Verlautbarungen der Parteien ausgewertet – und daraus 29 Thesen und Fragen abgeleitet. Sie klicken an, wie sehr sie den Aussagen zustimmen – und FR-Online sagt Ihnen, welche Partei Sie dann eigentlich wählen müssten. Der FR-Wahlhelfer.

„Bei manchen Fragen war das gar nicht so einfach“, räumte der Christdemokrat ein. Denn nicht jede These ist so einfach einer Partei zuzuordnen wie die Forderung „Generelles Tempolimit auf Autobahnen“ zu den Grünen. Weiß zum Beispiel jeder, dass SPD und Linke es befürworten, wenn der Staat den Strompreis stärker reguliert – hier zögerte Hermann Gröhe kurz, die Grünen dagegen eine neutrale Haltung dazu einnehmen? Oder dass die Union neutral bei der Frage ist, ob die Abgeordneten ihre Nebeneinkünfte auf den Euro genau offenlegen müssen? Das Tool, das es seit 2002 gibt, hat sich inzwischen zur beliebten Entscheidungshilfe entwickelt, bei der letzten Bundestagswahl wurde es 6,7 Millionen Mal genutzt.

Etwas mehr auf Parteilinie als der politische Konkurrent lagen SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles (97,7 Prozent) und Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke (96,7 Prozent). „Das ist super, 100 Prozent wären mir peinlich gewesen“, sagte die Grünen-Politikerin nach dem Test.

Auch Dorothee Bär von der CSU war mit ihrem Resultat zufrieden. „Ich hatte vorher ein bisschen Bammel. Man kann sich nicht sicher sein, zu welchem Ergebnis man kommt“, kommentierte sie ihre 98,7 Prozent.

Beißender Spott fürs Traumergebnis

Der einzige der fünf Politiker, der eine hundertprozentige Übereinstimmung mit den Positionen seiner Partei erzielte, war der stellvertretende Linkenvorsitzende Jan van Aken. „Das wundert mich auch, ich dachte, ich wäre ein bisschen grüner“, sagte van Aken.

Die anderen Parteien hatten nur beißenden Spott für das Traumergebnis übrig. „Na, das ist ja typisch, dass es ein Politiker der Linken ist, der bei 100 Prozent landet“, stichelte die christsoziale Dorothee Bär.

Für den FDP-Bundesgeschäftsführer Jürgen Paschedag brachte der Wahl-O-Mat die erstaunliche Erkenntnis, dass er zwar auf 96 Prozent Überstimmung mit der FDP kam, die Alternative für Deutschland (AfD) aber die Partei ist, die ihm gleich danach am nächsten ist (71,1 Prozent). „Das hat mich persönlich ziemlich überrascht“, sagte der Liberale.

Steffi Lemke von den Grünen hatte nach der eigenen Partei die größte Schnittmenge mit der Linkspartei, gefolgt von den Piraten und dann erst der SPD. Bei Dorothee Bär zeigte sich eine große Nähe zu den in Bayern starken Freien Wählern, die bei ihr gleich nach der CSU kamen.

Nur bei Gröhe und Nahles war die Parteiarithmetik noch in Ordnung: Für den CDU-Generalsekretär war die FDP die zweite Partei mit der höchsten Übereinstimmung, bei der SPD-Frau die Grünen.

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