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TV-Duell Stefan Raab, die Quoten-Hoffnung

Stefan Raab ist weniger für seine politische Expertise bekannt als dafür, in einer chinesischen Bratpfanne Eiskanäle hinabzuschlittern. Dass der Pro-Sieben-Entertainer überhaupt ins Frager-Quartett des TV-Duells zwischen Steinbrück und Merkel kam, verdankt er Edmund Stoiber.

Unter Polit-Profis: Stefan Raab mit Anne Will, Maybrit Illner und Peter Klöppel (v.l.). Foto: dpa

Das Fernsehen begegnet dem Ritual der Wahlen mit gleichfalls ritualisierten Sendeformen und Programmabläufen: Talkrunden, Interviews, Porträts und Umfrage-Ergebnisse wie vom „Deutschland-Trend“ häufen sich vor der Wahl, bis am Wahltag um 18 Uhr die Prognose veröffentlicht wird, der die ersten Hochrechnungen folgen, und sobald das Ergebnis halbwegs feststeht, dürfen sich in der „Elefantenrunde“ alle zu Siegern erklären. So geht das seit Jahr und Tag, und die größte Neuerung der jüngeren Vergangenheit war: das Duell. In den USA ist dieses an atavistische Gebräuche erinnernde Format ein alter Hut seit Kennedy und Nixon in den sechziger Jahren, hier stehen sich erst seit elf Jahren Amtsinhaber und Herausforderer im Fernsehen gegenüber. Das Interesse an der so schematisierten wie steifen Angelegenheit hat nachgelassen, rund 14 Millionen sahen 2009 beim Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zu, bei Merkel gegen Schröder vier Jahre zuvor waren es noch rund 20 Millionen.

Der Quoten-Absturz mag den 2002 noch unterlegenen Edmund Stoiber, bei Pro Sieben im Beirat, dazu gebracht haben, eine Idee auf den Markt zu werfen, an deren Verwirklichung er vielleicht selbst nicht so recht geglaubt hatte: Um mehr „Jugend“ zum Schaukampf zu locken, schlug er vor, Stefan Raab ins Quartett der Fragesteller zu holen. Was insofern eine Überraschung war, als der Mann gemeinhin dafür bekannt war, in einer chinesischen Bratpfanne Eiskanäle hinabzuschlittern – mithin auch als Erneuerer von Unterhaltungsshows. Und als solchen kannte ihn wohl nur das Team von Peer Steinbrück, denn der reagierte auf Stoibers Vorschlag recht ungeschickt: Politik sei „keine Unterhaltungssendung, sondern ein ernstes Geschäft, ohne dass es dabei humorlos zugehen muss“.

„Keine Bühne für Mätzchen“

Gestützt wurde der Sozialdemokrat auch noch von Altvorderen des Mediums: ARD-Mann Ulrich Deppendorf glaubte, „selbst in den USA, dem Land des Unterhaltungsfernsehens, wäre niemand auf eine solche Idee gekommen“, und sein ZDF-Kollege Peter Frey verstieg sich zum Urteil, das Duell sei „keine Showbühne für die Mätzchen von Moderatoren“. Die Folge war fast logisch: Raab wird den Sat.1.- Nachrichtenchef Peter Limbourg ersetzen und einer der Fernsehleute sein, die am Sonntagabend Angela Merkel und Peer Steinbrück befragen.

Inzwischen dürften der Genosse und die Sender-Häuptlinge von ARD und ZDF gemerkt haben, dass Raab im Fach Politik seine Reifeprüfung längst absolviert hat – veranstaltet er doch regelmäßig selbst Sendungen, bei denen er Politiker nicht nur befragt, sondern auch noch über sie abstimmen lässt: in der seit November 2012 auf Pro Sieben gezeigten Polit-Show „Absolute Mehrheit“. Und die „TV total Bundestagswahl“ auf Pro Sieben wird am Abend vor der Wahl (21. September, 20.15 Uhr) bereits zum dritten Mal ausgestrahlt.

Raabs Kollegin Maybrit Illner, erneut für das ZDF als Fragestellerin vertreten, bescheinigte ihm jüngst ohnehin „Professionalität“, und dazu dürfte auch gehören, dass der Mann eines nicht tun wird: aus dem Rahmen fallen. So erwartet die Zuschauer am Sonntagabend bei ARD, ZDF, Pro Sieben, RTL und Phoenix letztlich das, was sie schon kennen: Vier seriöse Journalistinnen und Journalisten (außer Raab und Illner noch Anne Will, ARD, und Peter Kloeppel, RTL) befragen in streng ausgewogener und vorher minuziös (zwei Minuten Zeit für ein Statement) festgelegter Weise zwei Politiker. Auf dass es am 22. September wieder zur Vortäuschung von Demokratie durch einen Wahlgang komme.

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