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Kommentar Merkels Staunen über die Leiharbeit

Vielleicht war Angela Merkel wirklich erstaunt, als sie in der ARD-"Wahlarena" von jahrelanger Leiharbeit hörte. Allerdings fällt es schwer, das zu glauben - schließlich hat sich auch die CDU in den letzten Monaten ausführlich mit dem Missbrauch der Zeitarbeit befasst.

Zehn Jahre lang in Zeitarbeit bei ein- und derselben Firma? Das will Kanzlerin Angela Merkel jetzt prüfen. Foto: afp

Vielleicht war Angela Merkel wirklich erstaunt, als sie in der ARD-"Wahlarena" von jahrelanger Leiharbeit hörte. Allerdings fällt es schwer, das zu glauben - schließlich hat sich auch die CDU in den letzten Monaten ausführlich mit dem Missbrauch der Zeitarbeit befasst.

Es gibt einen Satz, den Angela Merkel häufig verwendet hat: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ Die Kanzlerin hat ihn inzwischen zur Seite gelegt. Merkel hat entdeckt, dass es Einschränkungen gibt, dass es zwar für die Statistik gut ist, wenn Menschen nicht mehr arbeitslos sind. Dass deswegen aber noch lange nicht die Arbeit gut ist, geschweige denn sozial. Vielleicht hat sie auch nur festgestellt, dass das inzwischen die Mehrheitsmeinung ist.

Deswegen hat sich die CDU mit dem Mindestlohn angefreundet, deswegen hat sie „Equal Pay“ – gleiche Bezahlung – in ihren Wortschatz aufgenommen. Es ist eine langsame Bewegung, ein vorsichtiges Hervorkramen der Unionsseite, die eine Weile verschüttet schien. Der Glaube an die Selbstregulierung des Marktes war inzwischen tief eingesickert ins CDU-Bewusstsein.

Vielleicht war Merkel also wirklich erstaunt, als sie nun in einer Wahlsendung hörte, dass manche Zeitarbeiter über zehn Jahre hinweg beim selben Unternehmen beschäftigt sind – und nicht nur „vorübergehend“, wie es im Gesetz steht. Allerdings fällt es schwer, das zu glauben, schließlich hat sich auch die CDU in den letzten Monaten ausführlich mit dem Missbrauch der Zeitarbeit befasst. Merkel will die Sache nun prüfen. Vorübergehend wird erst einmal nichts passieren. Dieses „vorübergehend“ sollte nicht zehn Jahre dauern.

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