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Jürgen Trittin zur Pädophilie-Debatte „Wir haben es nicht mal hinterfragt“

Kurz vor der Bundestagswahl kommt es knüppeldicke für die Grünen: Erstmals wird auch ihr Spitzenkandidat Jürgen Trittin mit der Pädophilie-Debatte in Verbindung gebracht. Der wirft sich selbst große Versäumnisse vor.

Jürgen Trittin gesteht Fehler im Zusammenhang mit den Pädophilie-Vorwürfen gegen die Grünen ein. Foto: dpa

Kurz vor der Bundestagswahl kommt es knüppeldicke für die Grünen: Erstmals wird auch ihr Spitzenkandidat Jürgen Trittin mit der Pädophilie-Debatte in Verbindung gebracht. Der wirft sich selbst große Versäumnisse vor.

Eine Woche ist es noch bis zur Bundestagswahl. Es sieht nicht gut aus für die Grünen, in den Umfragen schwächeln sie, bei der Bayernwahl haben sie gerade erst eine Schlappe erlitten. Jetzt gerät auch noch der grüne Spitzenkandidat Jürgen Trittin in der Pädophilie-Debatte persönlich unter Druck: Trittin war vor 32 Jahren in Göttingen presserechtlich für das Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) verantwortlich, die sich ehedem in der Studentenstadt um Sitze im Stadtparlament bewarb. In ihrem Programm forderte die AGIL, dass gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen nicht mehr bestraft werden sollten.

Die Auffassung war damals weit verbreitet im liberal-alternativen Milieu der Bundesrepublik. Nun wird erstmals Trittin selbst damit in Verbindung gebracht. Und zwar nicht vom politischen Gegner, sondern von den beiden Göttinger Politikwissenschaftlern Franz Walter und Stephan Klecha.  Walters Institut für Demokratieforschung untersucht derzeit im Auftrag des Grünen-Bundesvorstands die Pädophilie-Verstrickungen der Partei in den frühen Jahren ihres Bestehens. In einem Beitrag für die Berliner Tageszeitung (Taz)  kritisieren Walter und Klecha am Montag „die Sprachlosigkeit der grünen Führungsriege“ in der Affäre. „Sie legt einen gravierenden Verlust des zuvor so strotzenden Selbstbewusstseins offen – gerade in der moralischen Hybris, die Partei der guten zu sein“.

Trittin gesteht Fehler ein

Trittin selbst bestätigte die Darstellung der Wissenschaftler. „Franz Walter beschreibt die Sachlage zutreffend“, zitiert ihn die Taz. Es sei damals gerade das Selbstverständnis der Göttinger AGIL gewesen, „die Forderungen einzelner Initiativen – in diesem Fall der Homosexuellen Aktion Göttingen ¬ eins zu eins zu übernehmen“, so Trittin. Es sei falsch gewesen, diesen Forderungen nicht energisch genug entgegenzutreten. „Wir haben es nicht mal hinterfragt, als wir unser Programm zur Kommunalwahl 1981 erstellt haben. Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedauere.“ Es habe zu lange gedauert, bis diese Haltung korrigiert wurde. Es könne keine  Straffreiheit für Missbrauch geben.

Politologe Walter hatte sich in den vergangenen Monaten bereits mehrfach in Medien zu Wort gemeldet. Er erbrachte den Beweis, dass neben dem grünen Milieu auch prominente FDP-Vertreter Anfang der 1980er Jahre der Forderung offen gegenüberstanden, gewaltfreien und Sex zwischen Erwachsenen und Kindern zu gestatten. Selbst im Kinderschutzbund gab es ehedem entsprechende Tendenzen. Auch viele Wissenschaftler aus diversen Disziplinen propagierten damals eine teilweise Legalisierung der Pädophilie.

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