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Jörg Asmussen Ein Banker will nach oben

Jörg Asmussen (SPD) wird erneut Staatssekretär. Diesmal unter der künftigen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Für ihn ist das zunächst ein Rückschritt. Doch ist er jung genug, um über den vermeintlichen Umweg zu Höherem zu gelangen.

Jörg Asmussen (SPD) ist die vielleicht größte Sensation des neuen Kabinetts. Foto: dpa

Für viele Ämter in Berlin war Jörg Asmussen (SPD), Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt worden, vor allem als Finanzminister wurde er immer wieder genannt. Dass er nun als Staatssekretär in das von Andrea Nahles (SPD) geleitete Arbeitsministerium wechselt, darf als vielleicht größte Sensation bei der Personalauswahl der neuen großen Koalition gelten.

Nicht nur wegen der Gehaltseinbuße, sondern auch dem Status nach lässt sich Asmussen damit auf einen Rückschritt in der Karriere ein. Bei der EZB saß er in der ersten Reihe. Deren Geldpolitik vertrat er bei den Verhandlungen über den Euro-Rettungsschirm und die EZB-Anleihekäufe vorm Bundesverfassungsgericht ebenso wie in politischen Debatten mit Ministern und Staats- und Regierungschefs überall in Europa oder bei G 20-Treffen in der ganzen Welt.

Doch schon als Notenbanker verbrachte Asmussen viel Zeit in Berlin, nicht nur weil seine Familie da lebt. Auffällig häufig ließ er sich bei SPD-Veranstaltungen blicken. Mit 47 Jahren ist der Volkswirt jung genug, um aus dem vermeintlichen Rückschritt einen Umweg zu Höherem zu gehen. Keine Frage, dass sich Asmussen in der neuen Funktion in der SPD die Rückendeckung holen kann.

Für Merkel ist der Rückzug Asmussens ein Schlag

Ein Schnellschuss ist die Entscheidung ganz sicher nicht. Schon vor wenigen Wochen ließ Asmussen aufhorchen, als er sich in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters für einen Mindestlohn in Deutschland aussprach. Das darf im Nachhinein als Bewerbung bei Andrea Nahles gewertet werden. Normalerweise äußert sich ein Notenbanker überhaupt nicht zu dem Thema. Auch Asmussen wies darauf hin, dass er als Vertreter der EZB eine solche Frage eigentlich nicht beantworten könne. Doch dann fügte er einen höchst ungewöhnlichen Satz hinzu: „Meine private Meinung ist…“. Welcher Notenbanker gibt öffentlich seine private Meinung preis? Einer mit politischem Ehrgeiz.

Für Deutschlands Stellung in der EZB ist der Rückzug Asmussens ein Schlag. Seit Jahren drängt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) da auf mehr Einfluss. Doch mit ihrem Personal hat die Bundesrepublik kein Glück. Bundesbankpräsident Axel Weber, von Merkel als künftiger EZB-Chef auserkoren, brüskierte die Kanzlerin und wechselte zur privaten Schweizer Großbank UBS. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der EZB, trat zurück, weil er den Kurs der Notenbank, vor allem deren Unterstützung für Krisenländer durch Anleihekäufe, nicht mittragen wollte. Und nun Asmussen.

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