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Bundestagswahl Umfrage Zweifel zerstreuen an Rot-Grün

Spitzenpolitiker von SPD und Grünen demonstrieren bei einem gemeinsamen Auftritt Einigkeit – und ein bisschen gar beim Thema „Veggie-Day“. Dennoch fallen die Grünen laut ZDF-Politbarometer auf zehn Prozent der Wählerstimmen, der schlechteste Wert seit Ende 2009.

Shakehands für den rot-grünen Wechsel. Foto: dpa

Der Auftritt ist perfekt durchgestylt. Die sattgrüne Krawatte von Jürgen Trittin kontrastiert aufs Schönste mit dem kaminroten Binder von Peer Steinbrück, der wiederum von einem rosaroten Tuch um Hannelore Krafts Hals moduliert wird, bevor der mintgrüne Schlips von Winfried Kretschmann einen farblichen Schlussakkord setzt. „Signal für den Wechsel“ steht hinter den Politikern, und die Farbgebung des Schriftzugs verstärkt den Eindruck, dass im Berliner Humboldt-Carré für Rot-Grün mobilisiert werden soll.

Genauso ist es. Auf sechs Seiten haben SPD und Grüne aufgeschrieben, was sie von Mindestlöhnen über die Stärkung der Kommunen bis zum Kita-Ausbau gemeinsam umsetzen wollen, falls sie bei der Bundestagswahl in zwei Wochen eine Mehrheit bekommen. Neben den Spitzenkandidaten werben auch die beiden prominentesten Ministerpräsidenten für den Politikwechsel: „Eine bessere Politik zum Nutzen der Bürger wäre möglich, wenn die CDU-FDP-Regierung die Konzepte der Länder nicht blockieren würde“, argumentiert die Nordrhein-Westfälin Kraft. Und ihr baden-württembergischer Kollege Kretschmann macht den Anhängern kräftig Mut: „Wenn man an die eigene Sache glaubt, kann man vieles drehen und wenden.“

Schwarz-Gelb mit Mehrheit

Das wird nötig sein, denn derzeit sieht es nicht gut aus für die Wunschkoalition. Nicht nur die Sticheleien von SPD-Chef Sigmar Gabriel gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz belasten das angestrebte Bündnis. Vor allem lassen die Umfragen die Konstellation wenig wahrscheinlich erscheinen.

Auch nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück zeichnet sich laut einer aktuellen Umfrage kein Stimmungswechsel in der Wählergunst ab. Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl kann Schwarz-Gelb weiter auf eine knappe Mehrheit hoffen, wie das am Donnerstag in Mainz veröffentlichte ZDF-"Politbarometer" ergab. Verluste mussten in der Umfrage nur die Grünen hinnehmen. In der Liste der zehn beliebtesten Politiker konnte sich Steinbrück deutlich verbessern.

Die Union kam bei der Sonntagsfrage unverändert auf 41 Prozent. Die SPD verharrte bei 26 Prozent, die FDP bei sechs Prozent. Die Linke legte um einen Prozentpunkt auf acht Prozent zu. Die Grünen gaben dagegen um zwei Punkte nach und verzeichneten mit zehn Prozent ihren schlechtesten Wert in der Umfrage seit November 2009. Die Euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) erreichte unverändert drei Prozent.

Damit hätte weiterhin eine Koalition aus CDU/CSU und FDP eine knappe rechnerische Mehrheit, die jedoch allein schon wegen der Fehlerbereiche in Umfragen auf wackligen Füßen steht. Rot-Grün wäre hingegen deutlich von einer eigenen Mehrheit im Parlament entfernt. Bei der Frage, wen die Deutschen nach der Wahl lieber im Kanzleramt sähen, nannten 59 Prozent Merkel und 30 Prozent Steinbrück (jeweils minus eins).

Frage nach Rot-Rot-Grün

Also bemüht sich die versammelte Parteiprominenz, Zweifel an Rot-Grün zu zerstreuen. Das gelingt zunächst recht gut. Immerhin können Kraft und Kretschmann auf eigene Überraschungserfolge verweisen. Und ausgerechnet beim umstrittenen „Veggie-Day“ gibt es ziemlich viel Harmonie auf dem Podium. Er verstehe die Aufregung nicht, sagt SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Schließlich gebe es in vielen Kantinen schon heute ein fleischloses Gericht. Allerdings sei er nicht sicher, ob man das vorschreiben müsse. „Da würden wir nicht mitmachen“, kontert blitzschnell Grünen-Spitzenfrau Katrin Göring-Eckardt und provoziert Heiterkeit im Saal.

Doch dann kommt die unvermeidbare Frage nach Rot-Rot-Grün. Steinbrück selbst hat gewarnt, die Union werde dieses Gespenst an die Wand werfen. Nun gibt er selbst durch eine unklare Antwort Anlass zu Spekulationen. Ob er ein solches Bündnis nicht nur für den Wahltag, sondern für die gesamte Legislaturperiode ausschließe, möchte eine Journalistin wissen. „Das ist davon abhängig, ob die Linkspartei irgendwann koalitionsfähig wird“, sagt Steinbrück. Derzeit sei das nicht der Fall. Das lässt Raum für Interpretation. Das spürt auch Hannelore Kraft: „Wir haben das ausgeschlossen und sagen klipp und klar: Es kommt so nicht zustande“, beteuert die SPD-Vize-Chefin energisch. (mit afp)

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