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OECD Kleine Klassen allein helfen nicht

Deutsche Lehrer arbeiten zu viel, rügen die Autoren eines aktuellen OECD-Berichts. Vielen bleibe zu wenig Zeit, um sich fortzubilden.

In Deutschland haben Lehrer wenig Zeit für Fortbildungen. Foto: dpa

Es müssen nicht unbedingt kleinere Schulklassen sein, die Qualität des Unterrichts und die Arbeitsbedingungen der Lehrer scheinen schwerer zu wiegen, wenn es um gute Bildung geht.

Das ist eine der Erkenntnisse, welche der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2016“ liefert. „Viele der im Pisa-Vergleich erfolgreichsten Bildungssysteme räumen der Unterrichtsqualität und den Arbeitsbedingungen höhere Priorität ein“, sagte der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung der jährlichen Studie in Berlin. In Deutschland hingegen habe der Wunsch nach kleineren Klassen dazu beigetragen, dass einzelne Lehrer mehr unterrichten müssten.

Im Sekundarbereich II beispielsweise leistet ein deutscher Pädagoge durchschnittlich 714 Stunden pro Jahr, ein japanischer hingegen weniger als 500. In Deutschland hätten Lehrer weniger Zeit für Fortbildungen und professionellen Austausch mit den Kollegen. „Singapur investiert in jeden Lehrer etwa 100 Stunden im Jahr für die berufliche Weiterbildung“, sagt Schleicher. Dort und in anderen erfolgreichen Ländern bereiteten Lehrer ihren Unterricht gemeinsam vor und nach.

Duales Bildungssystem gelobt

Bei aller Kritik gibt es in diesem Jahr aber auch Lob von der OECD für Deutschland. In kaum einem anderen OECD-Land sei der Anteil junger Menschen, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig sind, so niedrig wie in Deutschland, hieß es. Nur Island und die Niederlande seien hier besser.

Teils gehe dieser Erfolg sicher auf das Konto der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Er sei aber auch das Ergebnis der dualen Berufsausbildung, die international hohes Ansehen genieße. Das Problem sei aber weiter die fehlende Chancengleichheit. Nur einer von zehn 25- bis 44-Jährigen aus bildungsfernem Milieu erreiche einen Studien- oder einen Meisterabschluss – da sind andere Länder deutlich besser.

Zählt man öffentliche und private Ausgaben zusammen, investiert Deutschland 4,2 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in Bildung – weniger als der OECD-Durchschnitt von 4,8 Prozent. Zuletzt ist die Wirtschaft stärker gewachsen als die Bildungsausgaben. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verwies darauf, die Ausgaben für Bildung seien spürbar gesteigert worden. Sie sagte, anders als in vielen anderen Ländern orientierten sich die staatlichen Ausgaben hierzulande an einer umgekehrten Pyramide: Das heißt, der Staat gibt vergleichsweise wenig für frühkindliche Bildung aus, dafür kann gebührenfrei studiert werden.

OECD-Experte Schleicher wies darauf hin, dass es entscheidend auf die Zeit vor dem Schulalter ankomme. Wer die Kindertagesstätte besuche, habe ein um 50 Prozent geringeres Risiko, später durch den Rost des Bildungssystems zu fallen.

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