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Terroranschläge in Ägypten Ägypten im Kriegsmodus

Bei mehreren Angriffen sterben im Norden des Sinai Dutzende Soldaten. Präsident Al-Sisi verhängt den Ausnahmezustand und schwört das Volk auf Kampf ein.

Der ägyptische Präsident al-Sisi schwört das Volk auf Kampf ein. Foto: AFP

Noch ist die genaue Opferzahl unbekannt, doch schon jetzt ist klar: Es war der schwerste Anschlag seit Jahren. Bei mehreren aufeinanderfolgenden Angriffen auf militärische Ziele im Norden des Sinai starben am Wochenende mindestens 40 Rekruten. Die meisten von ihnen fielen einem offensichtlich genau geplanten Anschlag auf einen Bus zum Opfer. Kurz darauf starben drei weitere Soldaten, als Unbekannte das Feuer auf einen Armee-Stützpunkt bei al-Arish eröffneten.

Die ägyptische Regierung verhängte einen dreimonatigen Ausnahmezustand und verlegte weitere Truppen auf den Sinai. „Ägypten muss sich auf einen opferreichen Kampf gegen diese Feinde vorbereiten“, sagte Präsident Abdelfattah al-Sisi.

Er nutzte die Trauerfeier für die gefallenen Soldaten zu einer Rede an die Nation. In dieser Situation müssten Volk und Armee zusammenhalten. „Es ist klar, dass diese heimtückischen Angriffe durch Kräfte aus dem Ausland gesteuert werden“, sagte er. Es gebe Bemühungen, einen Keil zwischen Armee und Volk zu treiben. Deswegen sei die Wachsamkeit des Volkes gefragt. „Uns war klar, dass es hart werden würde“, sagte er und bezog sich auf die Absetzung seines Vorgängers im Amt Mohammed Mursi, der im Juli vergangenen Jahres abgesetzt worden war.

Seit dem Sturz Mursis haben die gewaltsamen Auseinandersetzungen auf dem Sinai drastisch zugenommen, es kommt zu Anschlägen im ganzen Land. Am Sonntag meldete die Armeeführung, dass sie erfolgreich mehrere Stellungen von Terroristen auf dem Sinai aus der Luft bombardiert habe. Auch wurde der Grenzübergang zum Gazastreifen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Im Namen des Krieges gegen den Terrorismus setzt sich Ägypten so ganz nebenbei über wichtige Vereinbarungen mit seinen Nachbarn hinweg. So sieht der Friedensvertrag mit Israel eine Entmilitarisierung des Sinai vor. Allerdings hat Tel Aviv in den vergangenen Jahren die Aufstockung der Truppen toleriert, da die Bekämpfung der militanten Gruppen im Interesse Israels ist.

Anders steht es mit der Regierung in Gaza: Die Öffnung des Grenzübergangs war Teil der Waffenstillstandsvereinbarung, die letzte Runde der blutigen Auseinandersetzungen im Gazastreifen zu beenden. Allerdings sieht Kairo die in Gaza regierende Hamas als verantwortlich für die Anschläge auf dem Sinai und nutzt die Gelegenheit, die Grenze abzuriegeln.

Darüber hinaus überlegt das Kabinett in Kairo, die Zuständigkeit für Terrorprozesse an Militärgerichte zu überweisen. Betroffen wären davon wohl nicht nur Verfahren gegen Militante, sondern auch die zahlreichen Verfahren, die gegen Mursi und seine Anhänger geführt werden.

Die ägyptischen Medien haben sich bereits auf den Kriegszustand umgestellt. Talkshows mit Appellen ans Volk, gemeinsam der Bedrohung zu trotzen, werden unterbrochen von patriotischen Liedern, die Kampfesszenen der Armee im Sinai unterlegt sind.

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