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Syrien Anschlag auf das Zentrum der Macht

Syrische Rebellen greifen das Hauptquartier der Armee in Damaskus an. Das zeigt, wie weit der Kampf der syrischen Opposition in das Zentrum der Macht vorgedrungen ist.

Ort des Anschlags: die Kommandozentrale der syrischen Armee. Foto: AFP

Syrische Rebellen greifen das Hauptquartier der Armee in Damaskus an. Das zeigt, wie weit der Kampf der syrischen Opposition in das Zentrum der Macht vorgedrungen ist.

Zwei gewaltige Explosionen erschütterten am Mittwochmorgen das Regierungsviertel von Damaskus. Getroffen wurde das Hauptquartier der syrischen Streitkräfte. Es habe sich um einen terroristischen Anschlag gehandelt, so der syrische Informationsminister Omran al Zouby im Staatsfernsehen. Die beiden selbstgebauten Bomben seien im Gebäude explodiert und hätten die ersten zwei Stockwerke zerstört. „Die Terroristen haben ihr Ziel jedoch nicht erreicht“, sagte er. Es habe keine Toten, sondern nur Sachschaden gegeben.

Dem widersprach ein Sprecher der Freien Syrischen Armee, die sich zu dem Anschlag bekannte. Mindestens acht Tote sollen die Explosionen gefordert haben. Das Viertel wurde weiträumig abgesperrt, doch noch Stunden später war eine schwarze Rauchsäule zu sehen, die in den Himmel über Damaskus stieg, und Anwohner berichteten von heftigen Gefechten rund um den Anschlagsort.

Assad wohnt in der Nähe

Auch am zentralen Ommayaden-Platz wurde bis gestern Mittag noch geschossen. Dies berichtet Aly Hassan, ein syrischer Aktivist im Satellitenkanal al Arabija. „Wir haben noch keine genauen Zahlen und auch noch nicht die Namen der Toten, aber es ist auf jeden Fall klar, dass es zahlreiche Opfer gab. Das staatliche Fernsehen lügt einmal wieder“, sagte er.

Der Anschlag auf das Hauptquartier der Streitkräfte zeigt, wie weit der Kampf der syrischen Opposition nun schon in das Zentrum der Macht vorgedrungen ist. Es liegt direkt am Ommayaden-Platz, in einem Viertel mit vielen wichtigen Einrichtungen. Auch Präsident Baschar al Assad wohnt in der Nähe. In der Präsidentenvilla müssen die Explosionen deutlich zu hören gewesen sein.

Seit dem Sommer haben die Rebellen mehrfach Anschläge auf Regierungsgebäude und Sicherheitskräfte verübt. Viele Stadtteile sollen bereits weitgehend unter Kontrolle der Rebellen sein, zumindest nachts. Tagsüber patrouillieren Sicherheitskräfte, und es gibt zahlreiche Straßensperren.

Oppositionskämpfer sollen es auch gewesen sein, die am Mittwoch den Korrespondenten des iranischen Senders Press-TV erschossen und seinen Kollegen verletzten. Der 33-jährige Maya Nasser war live auf Sendung, berichtete über den Bombenanschlag in Damaskus, als ihn ein gezielter Schuss traf. Press TV ist für seine Assad-freundliche Berichterstattung bekannt.

Arabische Intervention

Der Anschlag auf das Hauptquartier der Armee war die erste große Militäraktion der Rebellen, seit die Freie Syrische Armee Anfang der Woche die Verlegung ihrer Kommandozentrale aus der Türkei nach Syrien bekannt gab. Wo genau die Rebellenkommandeure nun sitzen, ist unbekannt. Es gibt jedoch inzwischen große Gebiete, die unter Kontrolle der Rebellen stehen.

Auch die Verlegung ist ein Zeichen, dass die Rebellen an Boden gewinnen. Ob sie allerdings tatsächlich in der Lage sind, die Regierung militärisch zu besiegen, ist weiter fraglich.

Syrien war auch bei der UN-Generalversammlung in New York das zentrale Thema. Der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Khalifa al Thani, forderte in seiner Rede, dass die arabischen Staaten zur Not alleine in Syrien eingreifen sollten. „Es ist unsere menschliche und humanitäre Pflicht, politisch und militärisch einzugreifen.“ Es sei unverantwortlich zu warten, bis der Sicherheitsrat zu einer Lösung gefunden habe. Derzeit werden alle Schritte hin zu schärferen Sanktionen oder gar einer Intervention durch das Veto Russlands und Chinas blockiert.

Die UN befürchten in den kommenden Wochen eine neue Massenfluchtaus Syrien in die Nachbarländer. Sie rechnet mit bis zu 700?000 Flüchtlingen bis Ende des Jahres, wie der Europa-Chef des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Daniel Endres, der Berliner Zeitung sagte. Bislang haben die Türkei, Jordanien, der Libanon und der Irak zusammen 250?000 Syrer aufgenommen. mit vest.

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