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Schwerreicher Ex-Diktator Der Schatz der Mubaraks

Die Familie des ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak hat einen enormen Reichtum angehäuft. Wenn die internationalen Behörden durchgreifen, wird den Mubaraks davon aber nicht mehr viel bleiben.

Husni und Suzanne Mubarak (Archivbild von 2003). Foto: rtr

Die Familie des ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak hat einen enormen Reichtum angehäuft. Wenn die internationalen Behörden durchgreifen, wird den Mubaraks davon aber nicht mehr viel bleiben.

Husni Mubarak ist weg, doch er geht mit vollen Händen. Der langjährige Herrscher über Ägypten hat in seiner Amtszeit ein enormes Vermögen aufgehäuft – von dem die Bevölkerung nichts wissen sollte. Bis zuletzt war es in Ägypten ein tabu, darüber zu reden. Heimische Journalisten, die in der Sache recherchierten, wurden umgehend eingesperrt.

Trotzdem lässt sich mit Sicherheit sagen, dass der Ex-Diktator und seine Familie schwerreich sind. Die algerische Zeitung Al Khabar meldete im April 2010, Mubarak besäße zehn und seine Gattin Susan fünf Milliarden Dollar. Auch die Söhne Gamal (17 Milliarden) und Alaa (8 Milliarden) sollen schwerreich sein. US-Experten gehen davon aus, dass sich der Reichtum der Familie auf bis zu 70 Milliarden US-Dollar belaufen könnte. Belege dafür gibt es nicht.

„Ich halte das für unrealistisch. Das ist alles reine Spekulation“, sagt Ägyptenexperte Stephan Roll von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Er schätzt, dass die Mubaraks über einen „unteren einstelligen Milliardenbetrag“ verfügen. Schon den Beweis für die Existenz eines Teils dieser Summe zu erbringen, ist schwierig. Dokumente, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, zeigen aber eine millionenschwere Verbindung des Präsidentensohns Alaa mit der größten ägyptischen Investmentbank Egyptian Financial Group-Hermes. Eine Strohfirma auf Zypern, die Bullion Co Ltd., hält an der Anlagetochter EFG-Hermes Private Equity (BVI) seit 2002 eine 35 prozentige Beteiligung, deren Wert 100 bis 150 Millionen Dollar betragen dürfte. Die Geschäfte der Bullion Co Ltd. werden seit 1996 von Alaa Mubarak geführt, wie aus Dokumenten der Zentralbank von Zypern vom Februar 2011 hervorgeht.

Das zeigt, wie die Familie ihr Vermögen zu verschleiern versuchte. Denn natürlich stellt sich die Frage, woher das Geld kommt. Ägyptische Informanten, die nicht genannt werden möchten, nennen Beispiele. Zum einen sind da die Landverkäufe sowie Privatisierungen von Staatsfirmen, bei denen sich Mubarak-Verbündete zu Spottpreisen bedienten. Die Vermutung liegt nahe, dass im Gegenzug Geld an die Familie floss. Zudem soll Gamal Mubarak in den 1990er Jahren, als Ägypten vor dem Bankrott stand, massenhaft scheinbar wertlose ägyptische Staatsanleihen gekauft haben – weil der Vater garantierte, dass Gamal den vollen Nennwert der Papiere ausgezahlt bekommt.

Lukrativer Deal mit Erdgas

Die Oppositionsgruppe Kefaya hat auf 185 Seiten die Selbstbereicherung der ägyptischen Eliten dokumentiert. Darin heißt es, die Mubarak-Söhne hätten ihre Macht ausgenutzt, um zu Anteilseignern der größten Industrie- und Handelskonzerne Ägyptens zu werden. Bis zu 50 Prozent der Firmenanteile seien ihnen kostenlos übertragen worden. Mubaraks Frau Susan werfen sie vor, dass sie über ihr Netz von Wohltätigkeitsstiftungen nichts anderes gemacht habe, als Bestechungsgelder für politische Dienstleistungen entgegenzunehmen. Die Behauptungen, die zahlreichen Experten als Fakten verbreiten, sind allerdings durch nichts belegt.

Und Husni Mubarak? Er gilt im Vergleich zu den Söhnen als bescheiden. Doch auch er ist in dubiose Geschäfte verwickelt. Seine Privatvilla liegt in einem Luxusressort in Scharm el Scheich, das seinem Vertrauten Hussein Salem gehört. Dieser erhielt 2005 vom Staat die Erlaubnis, exklusiv mit ägyptischem Gas zu handeln. In Folge fädelte er einen milliardenschweren Gasdeal zwischen Israel und Ägypten ein. Den Wert des dafür gegründeten Unternehmens East Mediterranean Gas schätzen Experten aktuell auf zwei Milliarden US-Dollar. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Mubaraks an dem Erdgasdeal zwischen Ägypten und Israel mit verdient haben“, so Roll.

Die USA schickten zudem jährlich mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar Militärhilfen an den Nil. Die Informanten sind überzeugt, dass davon ein guter Teil in der Privatschatulle der Mubaraks gelandet ist. Auch bei Großprojekten – in den vergangenen Jahren gab es viele in den Bereichen Tourismus, Verkehr und Energie- und Wasserversorgung – sollen bis zu zehn Prozent der Investitionssumme abgezweigt worden sein.

Und wo ist das Vermögen der Mubaraks hin? Ein Teil ist in der Schweiz. Die dortigen Finanzbehörden haben am Freitag angeordnet, dass Geld der Mubaraks bei Schweizer Banken einzufrieren. Auch auf US-amerikanischen und britischen Konten soll Geld des Ex-Diktators liegen. Darüber hinaus mochte es der Clan offenbar solide: “Die Familie Mubarak besitzt Immobilien in London, Paris, Madrid, Dubai, Washington, New York und Frankfurt“, schreibt die Analysefirma IHS Global Insight. Wenn die internationalen Behörden durchgreifen, wird den Mubaraks davon aber nicht mehr viel bleiben.

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