Lade Inhalte...

Mohammed Mursi Ägypten stärkt Beziehung zum Iran

Der neu gewählte ägyptische Präsident Mohammed Mursi will "Präsident aller Ägypter" sein und kündigt an, alle internationalen Abkommen zu achten. Mit dem Iran will er die Beziehungen ausbauen.

Muslimbrüder auf dem Tahrir-Platz freuen sich über Mursis Wahlsieg. Foto: dpa

Der neu gewählte ägyptische Präsident Mohammed Mursi will "Präsident aller Ägypter" sein und kündigt an, alle internationalen Abkommen zu achten. Mit dem Iran will er die Beziehungen ausbauen.

Der neu gewählte ägyptische Präsident Mohammed Mursi strebt engere Beziehungen zum Iran an. Der Politiker der Muslimbrüder sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars, er wolle die Beziehungen zur Islamischen Republik ausweiten, um ein strategisches Gleichgewicht in der Region zu schaffen. „Dies ist Teil meines Programmes“, zitierte Fars den Politiker. Nach Angaben der Agentur fand das Interview am Sonntag wenige Stunden vor Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentenwahl statt.

In einer „Botschaft des Friedens“ hat er am Sonntagabend die Achtung aller internationaler Abkommen angekündigt. In der im Fernsehen übertragenen Rede sagte er, er sei „ein Präsident für alle Ägypter“. In einer Geste an Aktivisten würdigte der 60-Jährige die fast 900 Demonstranten, die bei dem Volksaufstand gegen Ex-Machthaber Husni Mubarak im vergangenen Jahr getötet wurden. Ohne „das Blut, die Tränen und Opfer der Märtyrer“ hätte er es nicht bis zur Präsidentschaft gebracht, sagte Mursi.

Wie die Wahlkommission bekanntgab, hat sich der Kandidat der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, in der Stichwahl durchgesetzt. Das Ergebnis war seit Tagen mit Spannung erwartet worden. Noch in der Wahlnacht, als die Stimmen ausgezählt wurden hatte sich Mursi zum Wahlsieger erklärt. Kurz danach gab auch sein Konkurrent Ahmed Schafik, ein Vertrauter des gestürzten Präsidenten Husni Mubarak, seinen Sieg bekannt. Die Wahlkommission hielt sich zurück und verschob mehrfach die Verkündung des Ergebnisses. Als Begründung gab der Vorsitzende, Faruk Sultan an, dass mehr als 400 Beschwerden geprüft werden mussten. Die Entscheidung fiel knapp aus: Auf Mursi entfielen nach Angaben der Wahlkommission 51,7 Prozent der Stimmen, Schafik kam auf 48,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 51 Prozent. Der neue Präsident soll am 1. Juli sein Amt antreten.

Mursi gilt als gemäßigter Islamist. Der Ingenieur, der in den 80er-Jahren in den USA promovierte, gehört den Muslimbrüdern seit 33 Jahren an. Im Jahr 2006 war er sieben Monate lang inhaftiert, weil er eine Gruppe von Richtern unterstützt hatte, die gegen die Manipulation der Wahlen ein Jahr zuvor protestierten.

Ägypten geteilt in zwei Lager

Vor seinem Wahlsieg kündigte Mursi einschneidende Reformen an. Er will Armut und Korruption bekämpfen, das Bildungssystem verbessern und den Staat auf ein „islamisches Fundament“ stellen. Allerdings beschwichtigte er seine Kritiker, die bei einer Präsidentschaft Mursis ein Abdriften Ägyptens in den Islamismus befürchten. Er werde friedliche Proteste zulassen, die Rechte von Christen und Frauen schützen und keine islamischen Kleidungsvorschriften erlassen, sagte er.

Dennoch herrschte am Sonntag Angst vor gewaltsamen Zusammenstößen. In den Stunden vor der Ergebnisverkündung wurden Polizei und Armee bereits in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Soldaten und Panzerfahrzeuge wurden vor staatlichen Gebäuden und an wichtigen Auffahrten zur Autobahn postiert. Büros schlossen frühzeitig, Schulen schickten ihre Schüler nach Hause, damit sich ja alle in Sicherheit bringen können, wenn das Ergebnis verkündet und die Reaktionen darauf eintreten würden. Die Präsidentschaftswahl und vor allem die Ereignisse der vergangenen Woche, in der das Land auf das Ergebnis wartete, haben das Land gespalten.

Während auf dem Tahrir-Platz seit Tagen die Anhänger der Muslimbruderschaft und einige Gruppen der Revolutionsjugend campieren, demonstrierten die Anhänger von Ahmed Schafik am Denkmal des Unbekannten Soldaten, dort wurde Präsident Anwar al Sadat 1981 von Islamisten erschossen. „Das, was die beiden Gruppen trennt ist, vor allem Hass: Die Schafikisten demonstrieren nicht für ihren Kandidaten, sondern weil sie um jeden Preis einen Muslimbruder als Präsidenten verhindern wollen, und die anderen hassen das alte Regime so sehr, dass sie bereit sind, alles zu opfern, um Schafik zu verhindern“, so der Blogger Sandmonkey, der mit bürgerlichem Namen Mahmoud Salem heißt.

Ende des Machtkampfes in Ägypten

Die Bürger des bevölkerungsreichsten arabischen Landes hatten vor einer Woche die Wahl zwischen dem früheren Luftwaffenchef Schafik und dem Muslimbruder Mursi. Ein Ende der Machtkämpfe zwischen dem herrschenden Militärrat, Islamisten und den Kräften des arabischen Frühlings ist auch weiterhin nicht in Sicht.

Mit der ersten freien Wahl eines Präsidenten sollte das Ende der seit sechs Jahrzehnten bestehenden Dominanz der Streitkräfte eingeläutet werden. Doch kurz vor Toresschluss beschnitt der Militärrat die Befugnisse des Amtes und ließ das von islamistischen Parteien dominierte Parlament auflösen. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak ist damit das künftige Machtgefüge unklar.

Weitere Proteste angekündigt

Die Muslimbruderschaft hat weitere Proteste gegen den Militärrat angekündigt. Die Generalität machte indes deutlich, dass sie vorerst nicht die Absicht habe, Machtbefugnisse abzutreten. Das Militär hatte nach dem Sturz Mubaraks aber wiederholt versichert, die Macht an Zivilisten abzutreten.

Am Sonntag versammelten sich erneut zahlreiche Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, auf dem vor einem Jahr der Volksaufstand gegen Mubarak begonnen hatte. Die Menschen riefen in Sprechchören „Nieder mit dem Militär“ und ließen Mursi hoch leben. Polizei und Militär waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereitet. Die Mitarbeiter der um den Tahrir-Platz gelegenen Ministerien erhielten dienstfrei für den Rest des Tages. (mit dapd/reuters)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen