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Bahrain Tod auf dem „Perlenplatz“

Hatte sich Bahrains König Hamad bin Isa al-Khalifa noch vor zwei Tagen für den Tod zweier Männer entschuldigt, die bei ersten Kundgebungen von Sicherheitskräften erschossen worden waren, so setzt der Monarch nun auf gnadenlose Härte.

18.02.2011 08:33
Birgit Cerha
Panzer in den Vororten von Manama, Bahrain. Foto: dpa

Hatte sich Bahrains König Hamad bin Isa al-Khalifa noch vor zwei Tagen für den Tod zweier Männer entschuldigt, die bei ersten Kundgebungen von Sicherheitskräften erschossen worden waren, so setzt der Monarch nun auf gnadenlose Härte.

Das Zentrum Manamas glich am Donnerstag einem Schlachtfeld. Kolonnen von Panzern und Polizeiwagen blockierten die Straßen, nachdem die Sicherheitskräfte Bahrains in der Nacht zuvor Tausende Demonstranten mit ungeheurer Brutalität vom Hauptplatz der Stadt vertrieben hatten. Politische Aktivisten hatten Mittwochabend nach dem Vorbild der Ägypter auf dem zentralen „Perlenplatz“ Zelte aufgeschlagen und wollten dort ausharren, bis ihre Forderungen nach demokratischen Reformen, der Freilassung festgehaltener Oppositioneller und dem Rücktritt des Premierministers erfüllt seien.

Hatte sich König Hamad bin Isa al-Khalifa noch vor zwei Tagen für den Tod zweier Männer entschuldigt, die bei ersten Kundgebungen von Sicherheitskräften erschossen worden waren, so setzt der Monarch nun auf gnadenlose Härte. Doch die vier Toten und rund 300 Verletzten der Nacht auf Donnerstag, darunter viele Kinder, haben den Volkszorn aufgeheizt. Selbst im zentralen Hospital der Stadt begannen Ärzte Slogans gegen das Königshaus zu rufen, nachdem Polizisten Verletzte aus Ambulanzen gezerrt und deren Fahrer attackiert hatten. Sprecher von Oppositionsgruppen kündigten an, mit den Protesten fortzufahren, „selbst wenn manche von uns ihr Leben verlieren“, sagte Ibrahim Sharif von der säkularen Waad-Partei.

Die Bundesregierung reagierte „mit großer Sorge“ auf die Gewalt. Demonstranten dürften mit ihren „berechtigten Anliegen“ nicht einfach niedergeknüppelt werden, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Donnerstag in Berlin. Deutschland stehe auf der Seite der Demokratiebewegung und habe die Regierung des Golfstaats zum Gewaltverzicht aufgerufen, sagte er.

Bahrain ist der einzige der regionalen Ölstaaten, in dem eine sunnitische Minderheit über eine schiitische Mehrheit herrscht. Diese haben enge familiäre Bindungen zu Glaubensbrüdern im Iran, und Revolutionsführer Khomeini hatte einst auf sie gesetzt, um seine Revolution mit Hilfe der im ölreichen Osten Saudi-Arabiens lebenden schiitischen Minderheit auf die gesamte Arabische Halbinsel auszubreiten.

Bahrains Herrscher versuchen seit langem, den Iran für Konflikte mit der unterdrückten Bevölkerungsmehrheit verantwortlich zu machen und haben sich durch enge Bindungen vor allem an die USA abgesichert. Tatsächlich aber agiert die schiitische Opposition keineswegs im Auftrag Teherans. Sie setzt sich für eine „echte, und nicht für eine klerikale Demokratie“ ein. Zudem hat das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte die Schiiten mit den Sunniten Bahrains geeint. Besonders empört sie, dass das Königshaus seine Sicherheitskräfte mit ausländischen Sunniten – aus Pakistan, Jordanien und dem Jemen – bemannt, die ungehemmte Brutalität zeigen.

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