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Afrikanische Union zu Tunesien, Ägypten, Libyen Ohrenbetäubendes Schweigen

Die Afrikanische Union hält sich zum Thema Libyen auffallend zurück. Besonders Furore machen die afrikanischen Söldner, die derzeit den bedrängten Diktator zu schützen suchen.

Als die Afrikanische Union (AU) die Revolutionen in ihren Mitgliedsstaaten Tunesien und Ägypten fast kommentarlos an sich vorbeiziehen ließ, war das Schweigen des Staatenbundes noch halbwegs entschuldbar: Weder Tunesien noch Ägypten haben mit dem Rest des Kontinentes viel zu tun, Tunis ist auf Paris, Kairo auf Nahost ausgerichtet. Als bei der Diktatorendämmerung jedoch Muammar al-Gaddafi an die Reihe kam, wurde das Schweigen der AU „ohrenbetäubend“, wie ein Kommentator in Südafrika klagt: Weder hat der Staatenbund den mordenden Exzentriker an den Pranger gestellt, noch hat sie ihn – wie die Arabische Liga – aus seinen Reihen ausgeschlossen.

Appelle statt Druck

Stattdessen appellierte der AU-Sicherheitsrat ebenso kleinlaut wie Südafrika an „beide Seiten“, eine „friedliche Lösung des Konfliktes“ herbeizuführen, und drückte sein Bedauern über „den tragischen Verlust von Leben“ aus. Zu diesem Zeitpunkt waren weit mehr als tausend Libyer dem trotzigen Beharren Gaddafis und seinen Mördern zum Opfer gefallen.

Jetzt platzte ausgerechnet dem gambischen Präsidenten Yahya Jammeh der Kragen. Der bisherige Freund Gaddafis ließ wissen, die Untätigkeit der AU sei „schockierend“. Wenn der Staatenbund in derart brenzligen Angelegenheiten seiner Mitglieder keine Stimme finde, brauche er sich nicht zu wundern, wenn wieder einmal andere, etwa die ehemaligen Kolonialmächte und die USA, die Initiative ergriffen.

Anders als Ägypten oder Tunesien ist Libyen nicht nur ein Zaungast der AU, im Gegenteil: Nachdem Gaddafi in seinem transnationalen Machtwahn bei den arabischen Amtskollegen abgeblitzt war, wandte er sich Afrika als Spielwiese zu und bauschte sich zum Mentor und künftigen Präsidenten der angestrebten „Vereinigten Staaten von Afrika“ auf.

Wurde der libysche Megalomane im Kreise seiner afrikanischen Kollegen auch nicht immer ernst genommen: Seine großzügigen Geschenke nahmen alle an. Libysche Investitionsfirmen finanzierten Hotels und Moscheen in ganz Afrika, im Gegenzug zu wohlwollendem Stimmverhalten im Staatenbund übernahmen Gaddafis Zahlmeister die AU-Mitgliedsbeiträge von zeitweise bis zu 20 afrikanischen Nationen, aus seiner Schatulle wurden sowohl Rebellentruppen (in Liberia, Sierra Leone und Tschad) als auch Regierungsparteien finanziert, darunter Nelson Mandelas Afrikanischer Nationalkongress. Kein Wunder, dass Pretoria den Sponsoren nicht an den Pranger stellt.

Waffen für den Freund

Vielmehr stattete Südafrika den großzügigen Freund sogar mit Waffen aus. Nach Informationen der Opposition am Kap sollen 2010 neben gepanzerten Mannschaftswagen und Munition auch hundert großkalibrige Gewehre für Scharfschützen nach Tripolis geliefert worden sein.

Besonders Furore machen jedoch die afrikanischen Söldner, die derzeit den bedrängten Diktator zu schützen suchen. Bei gefangen genommenen Mietkämpfern gefundene Ausweispapiere belegen, dass es sich dabei vor allem um gedungene Soldaten aus Mali, Niger, Tschad und Sudan handelt.

Die Präsenz der afrikanischen Söldner gekoppelt mit dem Schweigen der AU drohen, nun einen latenten Rassismus unter den arabischen Aufständischen in Libyen zu stärken. Mobs sollen bereits afrikanische Lohnarbeiter getötet haben.

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