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Ägypten Tod und Terror zum Feiertag

Der Jahrestag der Revolution in Ägypten wird von Gewalt überschattet. Bei Anschlägen und in Folge von brutalen Einsätzen der ägyptischen Sicherheitskräfte gibt es Dutzende Opfer.

Erst die Familienfeier, dann die Gewalt: Tahrir-Platz, 25. Januar 2014 Foto: dpa

Der Jahrestag der Revolution in Ägypten wird von Gewalt überschattet. Bei Anschlägen und in Folge von brutalen Einsätzen der ägyptischen Sicherheitskräfte gibt es Dutzende Opfer.

Mehrere Anschläge und gewalttätige Auseinandersetzungen haben am Wochenende den Jahrestag der Revolution in Ägypten überschattet. Allein am Samstag, dem eigentlichen Jahrestag des Aufstands gegen Präsident Hosni Mubarak von 2011, wurden mindestens 29 Menschen getötet und hunderte verletzt. Bereits am morgen gab es einen Bombenanschlag auf eine Polizeischule in Kairo, weitere Angriffe folgten.

Damit wurde die Anschlagsserie auf Polizeieinrichtungen fortgesetzt, die bereits am Freitag das Hauptquartier der Polizeiin Kairo und das nahegelegene Islamische Museum weitgehend zerstört hatte. Zu den Taten bekannte sich die radikalislamische Gruppe „Ansar Beit al-Makdis“.

„Man muss sie alle töten“

„Das sind feige Terroristen und sie wollen uns davon abhalten, unsere Revolution zu feiern“, sagte ein Familienvater, der mit seinen drei Kindern zum Tahrir-Platz gekommen war. Zehntausende feierten hier den Jahrestag des Aufstands, der 2011 Präsident Mubarak stürzte. Die Übergangsregierung sowie zahlreiche Initiativen, die Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi auffordern, sich zum Präsidenten wählen zu lassen, hatten zu einer großen Party auf dem Platz in Kairos Innenstadt eingeladen.

„Wir brauchen dringend einen Führer und hoffen, dass al-Sisi in den nächsten Tagen seine Kandidatur bekannt gibt“, sagt eine Frau mit einem Kopftuch in den Farben der ägyptischen Flagge. Der Wunsch wird zunächst nicht erfüllt, aber immerhin gibt der amtierende Staatschef Adli Mansur am Sonntag bekannt, dass zuerst die Präsidentschaftswahl und erst dann die Parlamentswahl abgehalten werden soll.

Zahlreiche Festnahmen

Als das Gespräch auf die Anhänger des im Sommer gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi kommt, ruft die Frau: „Man muss sie alle umbringen. Sie wollen mit ihrem Terror das Land vernichten“, sagt sie.
Die „Allianz gegen den Putsch“, die zum großen Teil aus Mursi-Anhängern besteht, organisierte ihrerseits Demonstrationen im ganzen Land. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas, Schrot-Geschossen und auch mit scharfen Schüssen vor.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag vom Vortag meldete die Polizei zahlreiche Festnahmen von Sympathisanten der Muslimbruderschaft. Insgesamt sollen seit Juli mehr als 21 000 Menschen verhaftet worden sein, die meisten von ihnen Mursi-Anhänger.

Straßenkämpfe in der Innenstadt

Für viele der Aktivisten der Revolution von 2011 war der dritte Jahrestag des Aufstands kein Anlass zum Feiern. „Viele von uns wurden verhaftet und die Regierung setzt alles daran, unsere Bewegung zu zerschlagen“, sagt eine junge Frau, die mit einigen Dutzend anderen Demonstranten vor dem Gebäude der Journalistengewerkschaft steht. Transparente werden ausgerollt, die daran erinnern sollen, dass die Forderungen des Aufstands von 2011 nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit noch längst nicht erfüllt wurden.

Sofort löst die Polizei die Demonstration auf. Es kommt zu Straßenkämpfen in der Innenstadt. Dabei wird ein Mitglied der Jugendbewegung des „6. April“, die maßgeblich den Aufstand 2011 organisierte, erschossen. Insgesamt sollen während der Demonstrationen 49 Menschen getötet worden sein, meldete das Gesundheitsministerium.

Übergriffe auf Journalisten

Am Rande der Proteste und Feiern gab es zahlreiche Übergriffe auf ausländische Journalisten: Mehrere Reporter wurden verhaftet, andere von Bürgern angegriffen. Auch ein Kamerateam der ARD wurde dabei verletzt. Die regierungsnahen Medien machen eine ausländische Verschwörung für die Krise des Landes und den Terror verantwortlich. Mehrere Journalisten wurden von der Polizei verhaftet und weiterhin sitzen mehrere Reporter des Fernsehsenders Al-Dschasira in Haft. Ihnen wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. (mit dpa)

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