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Spenden Vorwürfe gegen „Innocence in Danger“

Guttenbergs Verein gegen Kindesmissbrauch weigert sich weiter, die Verwendung ihrer Spenden offen zulegen. Spendenexperten verstehen nicht, warum.

29.11.2010 20:04
Matthias Thieme und Katja Tichomirowa
Kinder-Teddy: Symbol der Unschuld, die der Guttenberg-Verein im Namen führt. Foto: Andreas Arnold

Stephanie zu Guttenbergs Verein gegen Kindesmissbrauch, „Innocence in Danger“, weigert sich weiter, seine Finanzen zu veröffentlichen und Spendern anhand von Zahlen zu erklären, was mit ihrem Geld gemacht wurde. Stattdessen verweist der Verein auf seinen „Jahresbericht“, „in dem angeblich „genaue Auskunft“ darüber gegeben werde. Doch dort ist in blumiger Sprache lediglich viel von „Vernetzung“ die Rede, von „Expertentreffen“ und „Kunstwochen für traumatisierte Kinder“ und einer Info-Hotline für besorgte Eltern, die allerdings kostenpflichtig ist.

Eine echte Jahresbilanz, oder konkrete Nachweise über die Verwendung des Spendengelds sucht man vergebens. „Hier fehlen jegliche Angaben zu den Verwaltungskosten, zum Spendenvolumen und zur Mittelverwendung“, sagt Lothar Schruff, Professor für Rechnungslegung an der Universität Göttingen.

„In diesem Jahresbericht erfährt man dazu gar nichts.“ Schruff, der auch in der Jury des angesehenen Tranzparenzpreises von Price Waterhouse Coopers für Spendenorganisationen sitzt, wundert sich: „Jede Organisation, die etwas auf sich hält, sollte hier freiwillig die Zahlen offenlegen“, sagt Schruff, „das ist guter Standard in der Spendenbranche.“ Warum sich zu Guttenbergs Verein weigert, versteht der Experte nicht: „Wenn man nichts zu verbergen hat, kann man seine Zahlen der Öffentlichkeit auch zeigen.“

Die Organisation hat mittlerweile bekanntgegeben, dass sie nur 2,5 feste Stellen habe. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau benötigen diese wenigen Mitarbeiter aber offenbar zwei Büros in zwei Großstädten: Neben dem auf der Internetseite genannten Hauptsitz in Köln unterhält Innocence in Danger ein weiteres Büro in Berlin. Der Berliner Sitz in einem repräsentativen Gebäude in der Mommsenstraße gilt laut Vereinsregister als Hauptsitz. Zur Frage, warum Innocence in Danger zwei Residenzen hat und wie viel Spendengeld diese Büros kosten, hat sich der Verein am Montag nicht geäußert.

Kein Spendensiegel

Geschäftsführerin Julia von Weiler verteidigte aber die Tatsache, dass Innocence in Danger derzeit kein Spendensiegel des DZI hat. Das Siegel gilt als Garant für Seriosität. „Für kleine Vereine ist das kommerzielle DZI-Siegel eine sehr aufwendige und kostspielige Sache“, sagte von Weiler.

Der Verein gilt jedoch als hoch erfolgreicher Spendensammler. So kamen bei diversen Benefizgalas mit Stephanie zu Guttenberg, etwa bei der Frauenunion in der Grafenrheinfelder Kulturhalle, bei der Mannheimer Spendennacht, im Hotel Adlon und durch Guttenbergs Teilnahme bei „Wer wird Millionär“ bereits Hunderttausende Euro zusammen – Summen, von denen viele Organisationen im Bereich des Kinderschutzes nur träumen können.

In Fachkreisen schlage man die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der Konzepte des Vereins, berichten Experten. So sei etwa ein Projekt zur Prävention, bei dem Jugendliche andere Jugendliche schützen sollen (peer-to-peer) bei einem Expertentreffen 2009 auf einhellige Ablehnung gestoßen. Das Bundesfamilienministerium hat Innocence in Danger dafür mit 63.807 Euro gefördert, ergab eine FR-Anfrage. Geschäftsführerin Julia von Weiler hatte kürzlich behauptet, man finanziere sich nur von Spenden.

Erstmals gehen nun auch Internet-Präventionsexperten öffentlich auf Abstand zu den Methoden von Innocence in Danger. Im Zusammenhang mit der aktiven Präventionsarbeit zu „Sexueller Gewalt gegen Kinder im Internet“ sei Innocence in Danger den seit Jahren aktiven Initiativen bis zum Serienstart von „Tatort Internet“ bei RTL2 kein Begriff gewesen, schreibt etwa die Initiative „Netkids“, die an der Sendung mitwirkte. „Es hat zwischen Netkids und Innocence in Danger zu keiner Zeit eine Zusammenarbeit gegeben und es ist auch keine Zusammenarbeit geplant.“

Pfiffige Formulierung

Innocence in Danger ficht das nicht an. Im Vorstand sitzen fast ausschließlich Adlige, gute Namen sind Geld wert. Der Verein, so ist auf der Innocence-Internetseite zu lesen, sei 1999 anlässlich einer Konferenz „unter dem Segel der Unesco“ in Paris gegründet worden. Eine pfiffige Formulierung, bei der man denken könnte, die Unesco sei die Dachorganisation von Innocence in Danger, oder arbeite eng mit dem Verein zusammen. „Die Unesco ist nicht die Dachorganisation von Innocence in Danger“, sagte der Sprecher der Deutschen Unesco Kommission, Farid Gardizi, am Montag der FR. Der Verein sei lediglich anlässlich einer Expertenanhörung in Paris 1999 entstanden. Missverständnis oder Anmaßung? Innocence in Danger sieht darin keine Widersprüche.

Nachtrag Januar 2011: In einer Stellungnahme erklärte die Deutsche Unesco-Kommission später, sie unterstützte „mit Nachdruck die Ziele des Vereins Innocence in Danger". Dennoch ist die Formulierung, man sei „unter dem Segel der Unesco“ gegründet w o rden, auf der Website von Innocence in Danger nicht mehr zu finden. Nun heißt es an gleicher Stelle nur noch: „ 1999 in Paris gegründet hat Innocence in Danger Büros in Frankreich, der Schweiz, den U.S.A., Kolumbien, Marokko, Großbritannien und seit 2003 in Deutschland.“ Auch eine Jahresbilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 2009 befindet sich nun auf der Internetseite des Vereins. Die öffentliche Kritik scheint bei Innocence in Danger zu etwas mehr Transparenz geführt zu haben.

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