Lade Inhalte...

SPD Juso Johanna Uekermann "Da muss die Große Koalition nacharbeiten"

Die Jungsozialisten dringen auf eine stärkere Abgrenzung der SPD von der Union. Juso-Chefin Johanna Uekermann äußert sich im FR-Interview über die große Koalition, Rot-Rot-Grün und den Kampf der Generationen.

Die frisch gekürte Juso-Chefin Johanna Uekermann klatscht garantiert nicht dem dritten Kabinett Merkel – auch bekannt als „GroKo“ – Beifall Foto: imago stock&people

Die Jungsozialisten dringen auf eine stärkere Abgrenzung der SPD von der Union. Juso-Chefin Johanna Uekermann äußert sich im FR-Interview über die große Koalition, Rot-Rot-Grün und den Kampf der Generationen.

Einen so furiosen Start hatte Johanna Uekermann wohl nicht erwartet. Kaum war die 26-jährige Politikwissenschaftlerin aus Straubing Anfang Dezember zur Juso-Chefin gewählt worden, stand sie im Scheinwerferlicht: Der SPD-Nachwuchs sprach sich nämlich mit großer Mehrheit gegen eine große Koalition aus. Die Basis entschied anders. Im Interview fordert Uekermann, dass die SPD trotz des Bündnisses mit der Union nun ihr linkes Profil schärfen müsse.

Frau Uekermann, Sie kommen aus Bayern: Was denken Sie, wenn Sie Ihren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer im Bundestag zusammen scherzen sehen?

Das ist erstmal noch ungewohnt, wenn man sieht: Es wächst zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört.

Fühlt sich das wie ein Politikwechsel an?

Nein. Deswegen haben wir uns als Jusos ja auch dagegen positioniert. Aber die SPD-Mitglieder haben anders entschieden. Jetzt geht es nicht mehr darum, ob es eine große Koalition gibt, sondern welche Politik diese Koalition macht. Die Jusos werden das als kritische Stimme begleiten.

Die SPD-Mitglieder haben trotz erst großer Ablehnung am Ende Schwarz-Rot zu 75 Prozent unterstützt. Wie erklären Sie sich den Stimmungsumschwung?

Ich glaube, dass für viele entscheidend war, was die SPD in den Koalitionsvertrag hineinverhandelt hat. Da wurde mit dem Mindestlohn oder der Rente ab 63 ja einiges erreicht, wenn auch aus unserer Sicht nicht genug.

Nicht nur die Jusos, sondern auch die Vertreter der Jungen Union sind unzufrieden. Bahnen sich da ungewohnte Allianzen an?

Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich vom „Aufstand der Jungen“ oder einer gemeinsamen Allianz lese. Wir stehen für ganz unterschiedliche Dinge. Uns geht es bei unserer Kritik nicht um den Kampf der Generationen. Viele Probleme lassen sich auf Verteilungsfragen zurückführen. Es muss viel mehr gegen Altersarmut getan werden. Gleichzeitig berücksichtigt der Koalitionsvertrag aber die prekäre Situation von jungen Menschen zu wenig. Da fehlt uns zum Beispiel ein Verbot der sachgrundlosen Befristung von Beschäftigung, das Recht auf Ausbildung und die Bafög-Reform.

Warum kämpfen die Jusos für die Rente ab 63, obwohl sie nur den über 50-Jährigen zugute kommt und von denen bezahlt werden muss, die später bis 67 arbeiten sollen?

Nur weil wir ein Jugendverband sind heißt das nicht, dass wir die Probleme älterer Menschen nicht auch im Blick haben. 45 harte Arbeitsjahre sind genug, viele Menschen können auch gar nicht länger arbeiten. Ich finde diese Regelung deshalb richtig.

Aber davon profitieren fast nur Männer.

Ja, im Augenblick. Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn die SPD sich mit ihrem gesamten Rentenkonzept durchgesetzt hätte. Altersarmut bei Frauen ist nach wie vor ein großes Thema, da muss die Große Koalition nacharbeiten.

Ein Viertel der SPD-Mitglieder hat gegen den Koalitionsvertrag gestimmt. Erwarten Sie jetzt eine größere Austrittswelle?

Nein, das glaube ich nicht. Wahrscheinlich überlegen einige. Aber wir versuchen, alle bei der Stange zu halten und weiter Druck zu machen, dass unsere Forderungen umgesetzt werden.

Wie muss sich die SPD denn in der großen Koalition als Partei positionieren?

Wir müssen unsere Eigenständigkeit betonen und dafür kämpfen, dass die Politik möglichst sozialdemokratisch wird. Im übrigen dürfen wir die Zukunftsperspektive nicht aus dem Auge verlieren – und die heißt Rot-Rot-Grün. Daran muss gearbeitet werden.

Was für ein Profil muss die neue Generalsekretärin der SPD mit sich bringen?

Zunächst einmal finde ich gut, dass es eine Frau werden soll. Sie sollte eine linke Profilbildung der SPD betreiben.

Sie haben eben von der rot-rot-grünen Perspektive gesprochen. Aber die Grünen bewegen sich in Hessen gerade in Richtung Schwarz-Grün…

Umso wichtiger ist es, dass sich die drei Parteien auf Bundesebene zusammensetzen und ausloten, wo die Differenzen sind und wo wir gemeinsam hinwollen. Ich hoffe sehr, dass das von allen drei Parteien angegangen wird.

Jedenfalls wird Sigmar Gabriel 2017 Kanzlerkandidat, oder?

Das kann man heute noch nicht sagen.

Interview: Karl Doemens

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen