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SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, Schulz’ Hoffnungsträger

Der neue SPD-Generalsekretär Hubertus Heil ist geübt im Attackieren. Die Erwartungen an ihn sind hoch. Ein Porträt.

Heil und Barley
Hat einen schweren Job bekommen: Hubertus Heil (l.) mit Vorgängerin Katarina Barley. Foto: dpa

Generalsekretär verlernt man nicht. Das hat Hubertus Heil gleich bei seinem ersten Auftritt bewiesen – kurz, nachdem bekannt geworden war, dass er den Job übernehmen soll. Er freue sich darauf, seiner Partei mit voller Kraft zu dienen, sagte Heil. Und: „Die SPD hat einen hervorragenden Kanzlerkandidaten, wir haben ein ordentliches Programm – und wir müssen jetzt dafür kämpfen, dass aus dem Programm und dem hervorragenden Kandidaten gute Wahlergebnisse werden.“ Das sind klassische Generalsekretärs-Sätze.

Viele in der SPD betonen, der 44-Jährige sei bereits vom ersten Tag an voll einsetzbar und habe Erfahrung in der Organisation eines Bundestagswahlkampfes. Darin lässt sich eine Kritik an seiner Vorgängerin Katarina Barley lesen, einer Bundestagswahlkampf-Novizin, bei der zuletzt manches nicht rund gelaufen ist. Nach drei verlorenen Landtagswahlen und dem Ende des Schulz-Hypes geht es der Partei wie einem Fußballverein, in dem sich viele fragen: Schaffen wir die Trendumkehr? Oder hat der Abstiegskampf begonnen?

Heil soll jetzt also das Trainer-Team ergänzen, weil er mit solchen Situationen Erfahrung hat. Spötter mögen darauf hinweisen, dass es sich in erster Linie um Erfahrung mit der Niederlage handelt. Denn Heil, Generalsekretär von 2005 bis 2009, hat im Wahlkampf des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier mitgearbeitet, an dessen Ende 23 Prozent für die SPD standen. Der absolute Tiefpunkt für die Partei in Bundestagswahlen. Allerdings hat Heil den Wahlkampf damals nicht allein verantwortet. Und: Erfahrung heißt ja auch, dass man daraus lernen kann, dass etwas schiefgegangen ist.

Die SPD ist eine Partei, die sich gern intern streitet und anfällig für Depressionen ist. Sie zusammenzuhalten und zu motivieren, ist oft schwierig. Leicht hatten es Heil und seine Partei schon in seiner ersten Amtszeit als Generalsekretär nicht miteinander. Heil erhielt nur 61,7 Prozent der Stimmen, als er im Alter von 33 Jahren im Jahr 2005 in das Amt gewählt wurde.

Der Parteitag strafte damals ihn und andere ab, die Franz Müntefering seinen Wunsch-Generalsekretär Kajo Wasserhövel nicht zugestehen wollten – und damit dessen Rücktritt als Vorsitzender auslösten. Parteichef wurde damals Matthias Platzeck, der sich überraschend für Heil als Generalsekretär entschied.

Platzeck zog sich nach zwei Hörstürzen schon im April 2006 wieder vom Amt zurück. Es folgten Kurt Beck und – nachdem Beck am Ende zermürbender innerparteilicher Kämpfe gedemütigt hinwarf – Franz Müntefering. Drei sehr unterschiedliche Chefs in vier Jahren: Heil lernte, was es heißt zu dienen. Die Aufgabe eines Generalsekretärs ist, immer die Linie des aktuellen Parteichefs zu verteidigen. Das gilt, was immer auch man vorher gesagt hat (zum Beispiel, weil der vorherige Parteichef es so wollte). Das ist ein hartes Brot. Heil hat bewiesen, dass er die Kost verträgt. Und: Er kann Attacke – ein Stil, der nie Barleys Sache war, auf den es im Wahlkampf jetzt aber ankommt.

Der Kanzlerkandidat Martin Schulz lobt, Heil stehe für die Themen Wirtschaft und Innovation – und sei auch deshalb eine ausgezeichnete Verstärkung im Wahlkampf. Heil ist als Fraktionsvize in die Themen Wirtschaft und Bildung sehr gut eingearbeitet – von tiefem Detailwissen bis zur Jonglage mit Forderungen nach Milliardeninvestitionen. Er hat Schulz bereits bei der Erarbeitung von dessen wirtschaftspolitischer Konzeption unterstützt. Er suchte die Nähe zum Kandidaten – sicher auch in der Hoffnung auf neue Chancen.

Eine solche hat er nun bekommen, auch wenn in Sachen Wahlkampf Schulz und sein enger Berater Markus Engels das letzte Wort behalten dürften. Schulz verspricht sich dennoch offenbar einiges von Heil. Der Posten von Katarina Barley hätte eigentlich mit einer Frau nachbesetzt werden sollen. Und es ist wahrlich nicht Heils niedersächsischer Landesverband, der am Zug gewesen wäre. Nach Angaben von Teilnehmern sagte Schulz vor der Fraktion, er wolle keinen Parteitag gewinnen, sondern eine Bundestagswahl. Übersetzt ist es die Bitte: Fügt euch! Und ein klassischer Kanzlerkandidatensatz.

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