Lade Inhalte...

SPD Gegenwind für Lars Klingbeil

Lars Klingbeil soll der nächste SPD-Generalsekretär werden, doch dagegen regt sich Widerstand. Nicht jeder findet, ein Konservativer könne die Partei erneuern.

Schröder7Klingbeil
Lars Klingbeil (rechts) hat seine politische Karriere unter dem ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder begonnen. Foto: rtr

Er ist 39 Jahre alt, er ist sehr kommunikativ, und er hat gezeigt, dass er unter schwierigen Bedingungen einen konservativen Wahlkreis gewinnen kann: Lars Klingbeil. Nun soll er neuer SPD-Generalsekretär werden, das erfuhr die FR aus internen SPD-Kreisen. Demnach will Parteichef Martin Schulz Klingbeil als Nachfolger von Hubertus Heil vorschlagen. 

Klingbeil, geboren im Jahr 1978 im niedersächsischen Soltau, war schon einmal ganz nah an der großen Macht dran: Von 2001 bis 2003 arbeitete er im Wahlkreisbüro des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder. Der Bundestagsabgeordnete ist der Kopf seiner Partei für ein wichtiges Zukunftsthema: die Digitalisierung. Darüber hinaus ist er seit acht Jahren Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Der Politiker gehört zu denen, die im Erneuerungsprozess der SPD ein jüngeres Gesicht geben können. Gleichzeitig bringt er aber auch viel Erfahrung mit. Erstmals war er im Jahr 2005 für einige Monate als Nachrücker im Bundestag.

Richtig dabei als Abgeordneter ist er seit dem Jahr 2009. Klingbeil gehört in der SPD zum rechten Parteiflügel, dem Seeheimer Kreis. Er gilt allerdings auch darüber hinaus als bestens vernetzt. Als Chef der niedersächsischen Landesgruppe in der Bundestagsfraktion spielt er auch bislang schon eine wichtige Rolle.

Klingbeil halten viele für geeignet

Bei der Bundestagswahl in diesem Jahr, bei der die Sozialdemokraten mit 20,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielten, gewann der 39-Jährige erstmals seinen konservativen Wahlkreis „Rotenburg I – Heidekreis“. Klingbeil bekam 41,2 Prozent der Erststimmen – und das, obwohl die SPD nur 27,1 Prozent der Zweitstimmen erzielte. 

Da Hubertus Heil nach der Bundestagswahl angekündigt hatte, nach dem Parteitag im Dezember nicht mehr als Generalsekretär zur Verfügung zu stehen, war schon seit einigen Wochen über mögliche Nachfolger spekuliert worden. Als Kandidatinnen wurden dabei Nancy Faeser aus Hessen, Eva Högl aus Berlin und Katarina Barley genannt, die den Job bereits bis zum Sommer machte. 

Klingbeil halten viele für geeignet. Der Wahlsieg der niedersächsischen SPD bei der Landtagswahl am Sonntag dürfte der Idee, ihn zum Generalsekretär zu machen, weiteren Schub verliehen haben. Klingbeil hat einen guten Draht zu Ministerpräsident Stephan Weil, dessen Gewicht in der SPD gerade zunimmt.

Auf wenig Begeisterung stößt Klingbeils erwarteter Aufstieg jedoch bei Frauen in der SPD, die auf gleichmäßige Aufteilung der Ämter pochen. „Eine Generalsekretärin wäre das richtige Signal“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner. Die Frauen seien davon ausgegangen, dass die Ämter in Partei- und Fraktionsspitze beim Neuanfang nach der Bundestagswahl paritätisch besetzt würden. „Wieder ein Mann, das ist definitiv zu viel“, sagte Ferner.

Insofern könnte die Personalie Klingbeil noch zum Problem für Thomas Oppermann werden. Er ist der Kandidat von Fraktionschefin Andrea Nahles für den Posten des Bundestagsvizepräsidenten. Nun dürfte sich der Widerstand von Frauen in der Fraktion gegen die Personalie verstärken. Erheblicher Widerstand gegen Klingbeil könnte wiederum die Autorität von Parteichef Martin Schulz weiter beschädigen. (mit dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum