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SPD Das Ideal der Urwahl

Wer wird Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten? Die Idee, dass die Mitglieder die Person bestimmen sollen, erhält viel Unterstützung.

SPD-Fahne
Die Sozialdemokraten prüfen, wie sie ihren nächsten Kanzlerkandidaten wählen wollen. Zwei potentielle Kandidaten: Olaf Scholz und Andrea Nahles. Foto: dpa

Martin Schulz hat den Stein ins Wasser geworfen, und jetzt schlägt er Wellen. Der frühere SPD-Chef hatte gefordert, der nächste Kanzlerkandidat der Partei solle per Urwahl bestimmt werden. Mittlerweile haben sich auch die beiden größten SPD-Landesgruppen im Bundestag, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/Bremen, dafür ausgesprochen. Parteichefin Andrea Nahles hat angekündigt, eine Kommission einzusetzen, um diese Option prüfen zu lassen.

Eine Urwahl durch die Parteimitglieder ergibt selbstverständlich nur dann Sinn, wenn es mehrere Kandidaten gäbe. Aber wer käme überhaupt infrage? Eine Übersicht über potenzielle Kandidaten – und die Schwierigkeiten, die jeder einzelne für die Partei mit sich brächte:

Olaf Scholz: Er ist auf jeden Fall überzeugt, dass er es könnte: Vize-Kanzler und Finanzminister Olaf Scholz. Ihm sollte allerdings eines zu denken geben: Just in dem Moment, als er sich selbst per Interview als Kanzlerkandidat ins Spiel brachte, nahm die Debatte über eine Urwahl in der SPD noch einmal richtig Fahrt auf. Der Grund: Viele Funktionsträger halten Scholz für zu dröge, um die SPD aus dem Tief zu holen. In der Gesamtbevölkerung hat er zwar gute Umfragewerte – aber eben als Finanzminister und nicht als Kanzlerkandidat.

Andrea Nahles: Die Parteichefin hat das Erstzugriffsrecht auf die Kandidatur – es sei denn, man würde sich generell auf eine Urwahl verständigen. Gerade in ihrer Anfangszeit als Parteichefin waren durchaus positive Dinge über Nahles in der Partei zu hören: Sie pflege einen guten Kommunikationsstil und räume Konflikte aus, hieß es. Für Entsetzen sorgte aber, dass sie im Spitzengespräch mit Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer zunächst der Beförderung von Hans-Georg Maaßen zum Verfassungsschutzchef zugestimmt hat. Hinzu kommt: Nahles ist zwar im persönlichen Gespräch eine fröhliche, sympathische Vulkaneifelerin – kommt aber öffentlich nicht gut rüber. Auch deshalb steckt die Partei im Umfragetief.

Stephan Weil: Es gibt in der SPD nicht mehr viele, die in jüngerer Zeit bewiesen haben, dass sie Wahlen gewinnen können. Dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil ist dies kurz nach dem Absturz bei der Bundestagswahl gelungen. Das hat ihn in die Rolle eines der mächtigsten Männer in der Partei katapultiert. Kein Wunder also, dass er immer wieder als potenzieller Parteichef und auch Kanzlerkandidat genannt wird. Doch möchte der bedächtige Niedersachse das überhaupt? Es deutet viel darauf hin, dass er sich die schwierige Mission gern ersparen würde. Und: Seit Stephan Weil in Hannover mit der CDU regiert, gilt er vielen als Großkoalitionär durch und durch – woran sich außerhalb Niedersachsens manch ein Genosse stößt.

Heiko Maas: Der aktuelle Außenminister hat ordentliche Umfragewerte. Als Kanzlerkandidaten gehen sie deshalb immer irgendwie. Dass Maas sich bislang aufdrängt, kann man aber nicht sagen.

Manuela Schwesig: Wenn man sich in der SPD umhört, wer die Chuzpe hätte, im Fall eines Sturzes von Andrea Nahles als Parteichefin nach der Macht zu greifen, dann hört man oft den Namen Manuela Schwesig. Sie hat den Job als Bundesfamilienministerin nach allgemeiner Einschätzung gut gemacht. Sie kann sich durchsetzen. Auf manch einen wirkt sie aber zu kühl.

Sigmar Gabriel: Für manchen schwer zu glauben, aber wahr: Einige in der SPD sehnen sich wieder nach Sigmar Gabriel. Und das, nachdem so gut wie alle damals erleichtert waren, als Gabriel Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur an Martin Schulz abgegeben hatte. Gabriel profitiert bis heute davon, dass er in seinem Jahr als Außenminister zum beliebtesten Politiker des Landes avancierte. Daran erinnern sich jetzt viele. Andererseits gilt aber: Gabriel hat in seinen Jahren als Parteivorsitzender unendlich viel Porzellan zerschlagen. Seine Wiederkehr könnte die Partei zerreißen.

Katarina Barley: Sie war schon SPD-Generalsekretärin, sie hatte verschiedene Ministerämter inne. Und jetzt ist sie Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl. Diese Wahl wird angesichts der aktuellen Umfragen sehr schwierig für die SPD. Sollte Barley dennoch zu einem guten Ergebnis kommen, wird man ihren Namen in künftigen Diskussionen noch oft hören. Zumal sie in der Öffentlichkeit in aller Regel sympathisch wirkt.

Gar kein Kanzlerkandidat: Torsten Albig, damals noch SPD-Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, hat vor der vergangenen Bundestagswahl die Notwendigkeit infrage gestellt, dass die SPD einen Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt. Angesichts der Umfragewerte der SPD scheint dieser Gedanke alles andere als albern. Andererseits ist aber klar: Die SPD will und muss sich jetzt an ihren Anspruch klammern, eine Volkspartei zu sein. Eine solche Partei braucht einen Kanzlerkandidaten. Ob mit oder ohne Urwahl.

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