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Spanien Starke Frauen für Spanien

Spaniens neuer Regierungschef Sánchez traut sich etwas, das ihm kaum einer zugetraut hätte.

Spanien
Bei der Zusammensetzung der neuen Regierung hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez (Mitte hinten) freie Hand. Foto: dpa

Laufstegregierung – so nennt Rafael Hernando, Fraktionssprecher der konservativen Volkspartei (PP), das spanische Kabinett, das sich der frisch gewählte Ministerpräsident Pedro Sánchez zusammengestellt hat. Hernando meint das ätzend. Aber an dem Begriff ist was dran. „Ahs“ und „Ohs“ gingen durch Spanien, als in dieser Woche Name für Name durchsickerte. Sánchez, der Sozialist, traut sich etwas, das ihm kaum einer zugetraut hätte. 

Nadia Calviño zum Beispiel wird neue Wirtschaftsministerin. Die wenigsten hatten vorher von ihr gehört. Jetzt wissen die Spanier, dass die Volkswirtin und Juristin bis gerade eben eine der einflussreichsten Spanierinnen in der EU-Kommission war, die rechte Hand von Günther Oettinger, geschätzt für ihr Wissen, ihr Verhandlungsgeschick und ihre Durchsetzungskraft.

Ana Botín, Chefin der Banco Santander und damit eine der wenigen Spanierinnen, die wissen, was Macht ist, lobte Calviños Ernennung: Mit ihr werde Spaniens Gewicht in der EU wachsen. Ein Ritterschlag. Gewöhnlich vermeidet es die Großbankerin, die Niederungen der Politik zu kommentieren. Alles spricht dafür, dass Sánchez Calviño ausgesucht hat, weil er sie für die Beste hält. Er hat engere Vertraute, die ihn wirtschaftspolitisch beraten. Er belohnt sie nicht. So etwas leisten sich Spitzenpolitiker selten.

Vor einer Woche kam der 46-jährige Sánchez ganz unverhofft nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen seinen konservativen Vorgänger Mariano Rajoy ins Amt. Alles ging so schnell, dass niemand Zeit fand, Begehrlichkeiten anzumelden. Sánchez hatte kein Schattenkabinett, auf das er zurückgreifen konnte. Er ist in seiner eigenen Partei, bei den Sozialisten (PSOE), so schlecht vernetzt wie wohl kaum sonst ein Parteichef. Ein Mitgliederentscheid hatte ihn im vergangenen Jahr, gegen den Willen der meisten Parteigranden ins Amt des Generalsekretärs gebracht. Er blieb ein Außenseiter an der Spitze eines Apparates, der ihn mit Argwohn betrachtete. Ein gewaltiger Nachteil, der ihm in dieser Woche zum Vorteil wurde.

Denn Sánchez musste (fast) keine Rücksichten nehmen. Der Innenminister, den er berief, Fernando Grande-Marlaska, war bisher Untersuchungsrichter am Nationalen Gerichtshof, er ist schwul und konservativ. Justizministerin Dolores Delgado ist eine bekannte Vorkämpferin der internationalen Justiz, eine Linke. Sie ist eine enge Vertraute von Baltasar Garzón, Spaniens bekanntestem Juristen. Verteidigungsministerin Margarita Robles ebenfalls Juristin, verträgt sich mit eben diesem Garzón eher schlecht. Sánchez bringt sie alle zusammen, weil er jedem einzelnen gute Arbeit zutraut.

Kulturminister Màxim Huerta ist ein Schriftsteller, den die Spanier vor allem als regelmäßigen Gast von Talkshows kennen. 

Der neue Wissenschaftsminister Pedro Duque ist ein Astronaut, der seit Jahren für Forschung und höhere Bildung wirbt. Sie sind leicht für bunte Paradiesvögel zu halten – und sind auch welche, aber mit starken Ideen.

Administrative Erfahrungen bringen Carmen Montón (Gesundheit) und María Jesús Montero (Finanzen) mit – wie auch Josep Borrell, einer von nur sechs Männern im 17-köpfigen Kabinett: Der 71-Jährige war schon Bauminister unter Felipe González, später Präsident des Europaparlaments, jetzt wird er das Außenamt leiten. Der antiseparatistische Katalane ist einer der klügsten Politiker Spaniens. Er soll der Welt vermitteln: Auf Spanien ist Verlass.

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