Lade Inhalte...

Spanien Spanische Linke zerlegt sich

Viele bürgerliche Politiker in Europa sorgen sich, dass nach Griechenland das wirtschaftlich weit mächtigere Spanien von einer Linkspartei regiert werden könnte. Doch die Alleingänge von Podemos-Chef Pablo Iglesias stoßen dort auf innerparteilichen Widerstand.

-
Die Alleingänge von Podemos-Chef Pablo Iglesias stoßen auf innerparteilichen Widerstand. Foto: afp

Pablo Iglesias malt sich ein Spanien unter seiner Führung aus. „Wenn ein kleines, schwaches Land wie Griechenland in der Lage ist, solch ein gewaltiger Instabilitätsfaktor innerhalb der Eurozone zu sein, wäre unsere Fähigkeit, innere Widersprüche – vor allem bei den Sozialdemokraten – offenzulegen, weit größer“, sagte der Podemos-Generalsekretär vor kurzem in einem Interview mit der britischen Zeitschrift „New Left Review“.

Genau das ist die Sorge vieler bürgerlicher Politiker in Europa: dass nach Griechenland das wirtschaftlich weit mächtigere Spanien von einer Linkspartei regiert werden könnte, die alle bisherige Austeritätspolitik radikal infrage stellt. Die Sorge ist zurzeit noch unbegründet. Podemos („Wir können“) ist in diesen Wochen vor allem mit seinen inneren Widersprüchen beschäftigt.

Neues Bündnis geplant

Seit der Gründung von Podemos im Januar vergangenen Jahres versucht Pablo Iglesias, seine Partei im Griff zu behalten und deren Anhängern gleichzeitig das Gefühl zu geben, immer und überall mitreden zu können. Bis jetzt hat er es verstanden, die basisdemokratische Fiktion aufrechtzuerhalten, während er und sein engster Vertrautenkreis alle Fäden in der Hand behielten.

Doch gegen seinen jüngsten Streich regt sich so viel innerparteilicher Widerstand wie nie: Die Podemos-Kandidaten für die kommenden Parlamentswahlen im Herbst sollen nicht Kopf für Kopf in den Wahlkreisen (in Spanien sind das die 50 Provinzen des Landes) bestimmt werden, sondern stattdessen in einer einzigen, nationalen Abstimmung.

Damit auch nichts schiefgeht, hat Iglesias schon eine Kandidatenliste vorgestellt, die seine Sympathisanten in toto absegnen können. Sie müssen das nicht, es wird Gegenkandidaten geben, aber die Strahlkraft des großen Vorsitzenden wird, so das Kalkül, schon dafür sorgen, dass seine Leute bei den Vorwahlen zwischen dem 17. und 22. Juli genügend Stimmen bekommen.

7000 Anhänger – Podemos hat keine Mitglieder – und 700 Abgeordnete oder andere Funktionsträger haben in einer gemeinsamen Petition eine Revision des Wahlverfahrens gefordert. Iglesias lässt sich davon nicht beirren. Aber das Bild von Podemos als besonders demokratische Partei ist schwer beschädigt.

Am Donnerstag hat sich eine Plattform unter dem Namen Ahora en Común („Jetzt gemeinsam“) gegründet; sie will für die Parlamentswahlen im Herbst ein breites linkes Bündnis auf die Beine stellen, dem Podemos, die Vereinte Linke, die grüne Partei Equo und andere Gruppen angehören könnten.

Die Plattform wird auch von Podemos-Leuten getragen, die sich damit gegen ihren Chef stellen: Der will im Herbst unter eigenem Namen antreten. Die Umfragen erlauben ihm aber nicht, von einer Podemos-Regierung unter seiner Führung zu träumen. Er hat noch ein paar Monate Zeit, um bescheiden zu werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen