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Spanien Linken-Chef Iglesias mit Doppelmoral

Pablo Iglesias, Gründer der spanischen Partei Podemos, zieht in eine Villa um und widerspricht sich selbst damit gewaltig.

Pablo Iglesias
Pablo Iglesias gibt sich vor den Wählern gerne volksnah. Foto: rtr

Das Privatleben der Politiker geht ja keinen was an. Die spanische Presse ist da ziemlich taktvoll. Selbst König Juan Carlos, als er noch im Amt war, schaute jahrzehntelang niemand unter die Bettdecke, obwohl es da viel zu sehen gegeben hätte. Aber manchmal öffnet der eine oder andere Volksvertreter doch seine Wohnungstür, weil das vielleicht die Wahlchancen erhöht. Pablo Iglesias, Gründer und Generalsekretär der Linkspartei Podemos, tat es im September 2015. Einen Tag lang ließ er sich von der erfolgreichen Fernsehmoderatorin Ana Rosa Quintana begleiten.

Der Auftritt Iglesias machte Furore, weil man ihn da zum ersten und einzigen Mal mit offenem Haar sah, das er ansonsten stets zum Pferdeschwanz zusammenbindet. Einer wie Iglesias weiß, warum er so etwas tut. Er will die Stimme des Volkes sein, also gibt er sich hin und wieder volksnah. Er erklärte auch, warum er in einer kleinen Wohnung im Madrider Arbeiterviertel Vallecas lebte: So gerate er nicht in Gefahr „sich zu isolieren“ und nicht mehr mitzubekommen, „was draußen passiert“. Anders als diese Politiker, „die in Villen leben, die nicht wissen, was es heißt, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen“.

Zweieinhalb Jahre sind seitdem vergangen und Iglesias zieht jetzt in eine Villa vor den Toren Madrids um, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen ist. 268 Quadratmeter Wohnfläche, Gästehaus inklusive, auf einem 2000-Quadratmeter-Grundstück mit Schwimmbad. Kaufpreis etwa 600 000 Euro. Ein Kleinbürgertraum. Ein Madrider Lokalpolitiker der konservativen Volkspartei, Percival Manglano, stichelte auf Twitter: „Iglesias und Montero werden von ihrer neuen Villa aus weiter gegen das ausbeuterische kapitalistische System kämpfen.“

Irene Montero, mit der Iglesias seit ein paar Jahren zusammenlebt, ist die Fraktionschefin von Podemos im Parlament, was bemerkenswert ist, aber in Spanien als Tabu behandelt wird: Dass die beiden Führungspersonen einer sich basisdemokratisch gebenden Partei ein Paar sind, wird als Privatangelegenheit behandelt.

Als Pablo Iglesias noch nicht Politiker war, mokierte er sich über den damaligen Wirtschaftsminister Luis de Guindos, nachdem der sich 2012 für 600 000 Euro eine Luxuswohnung gekauft hatte. Ob man so einem Mann die Wirtschaftspolitik eines Landes übertragen könne, fragte Iglesias. Ja, das geht, wie er jetzt weiß.

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