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Sonntagsfrage AfD liegt im Deutschlandtrend vor der SPD

Würde am Sonntag gewählt, käme die AfD einer Meinungsumfrage zufolge auf 18 Prozent der Stimmen. Damit wäre sie zweitstärkste Partei hinter der Union.

Demonstration
Diese Demonstrantin in Köln würde die rechte Partei offensichtlich nicht wählen. Foto: rtr

Die große Koalition rutscht in den Umfragewerten immer tiefer. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen Union und Sozialdemokraten zusammen nur noch auf 45 Prozent der Stimmen, wie aus dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend hervorgeht. Zwar wäre die Union mit ziemlichen Verlusten immer noch stärkste Kraft, doch käme die AfD mit 18 Prozent bereits auf den zweiten Platz – womit sie bundesweit zum ersten Mal die SPD überholt hat.

Doch auch die Union muss sich Sorgen machen: Nach der aktuellen Sonntagsfrage würden CDU/CSU mit 28 Prozent das schlechteste Ergebnis seit Einführung des Deutschlandtrends 1997 einfahren, Koalitionspartner SPD wäre mit 17 Prozent nur drittstärkste Kraft. Die Grünen verbessern sich um ein Prozent auf 15, die Linke bleibt gleich auf 10 und die Liberalen verbessern sich um einen Punkt auf neun Prozent.

„Diese neuen Ergebnisse sind eine Folge von Chemnitz und der Causa Maaßen“, sagt Parteienforscher Oskar Niedermayer der FR. Die Umfrage spiegele zwar nur einen Trend wieder – vor allem, weil die Umfrage von Montag bis Mittwoch vergangener Woche durchgeführt worden sei. Da die Maaßen-Entscheidung erst Dienstagabend fiel, habe sich die Aufregung darüber zum Zeitpunkt der Umfrage nicht ganz entfalten können. „Ich vermute, dass die Ergebnisse eher noch schmeichelhaft ausgefallen sind für die großen Parteien“, so Niedermayer. „Der Negativtrend hätte sich möglicherweise noch verstärkt, wenn man noch zwei Tage länger befragt hätte.“

Für „sehr bemerkenswert“ hält Niedermayer allerdings das historisch schlechte Ergebnis der Union. Es sei der bisherige Tiefpunkt eines Abwärtstrends, der schon früher begonnen habe: Mit dem Scheitern des Jamaica-Bündnisses, dem Hickhack um die Bildung der großen Koalition, dem Streit zwischen CDU und CSU. „Aber natürlich reagieren die Leute damit vor allem auf die Berichterstattung in den Medien.“

SPD hinter der AfD

Niedermayer glaubt, die Koalitionsparteien hätten sich viel früher abstimmen müssen, um zu verhindern, dass ein Kampf um die Deutungshoheit über Chemnitz und seine Folgen entsteht. Nun seien alle drei angeschlagen.

Vor allem die SPD ist in einer schweren Krise. Der Parteienforscher warnt zwar davor, den statistisch marginalen Vorsprung der AfD zu hoch zu hängen. „Aber es ist symbolisch sehr aufgeladen, wenn die SPD – die sich immer noch als Volkspartei versteht, auch wenn die Ergebnisse das nicht mehr hergeben – unterhalb der AfD landet“, sagt er. Das, glaubt er, werde auch politische Konsequenzen haben.

An einen Koalitionsbruch glaubt Niedermayer zwar nicht – Neuwahlen wären angesichts der Umfragewerte der „Todesstoß“ für die Partei, genau wie eine Absetzung der beschädigten Parteivorsitzenden Andrea Nahles. Doch die Basis sei in Aufruhr, die Stimmen für einen Ausstieg aus der großen Koalition würden lauter: „Nahles‘ Problem ist, dass der Unmut durch die Causa Maaßen jetzt über den linken Flügel hinausgeht.“

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stürzt in den Zustimmungswerten immer weiter ab. Nur 28 Prozent halten ihn für eine gute Besetzung, nach 39 Prozent noch im April. Auch innerhalb der Union sinkt Seehofers Popularität – hatten ihn im April noch 45 Prozent der CDU/CSU-Parteianhänger für den richtigen Mann an der Spitze des Innenressorts gehalten, waren es aktuell nur noch 31 Prozent. Dass seine Beliebtheitswerte bald wieder steigen, ist nicht abzusehen.

Seehofer fühlt sich momentan als Sieger, weil er es geschafft hat, dem noch amtierenden Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen einen lukrativen Posten als Staatssekretär zu sichern, und in einem Streich auch noch die SPD zu demütigen durch die Absetzung eines sozialdemokratischen Amtsinhabers. „Aber die Leute finden es nicht gut, dass einer für seine Fehler auch noch mit einem besser bezahlten Posten belohnt wird“, so Niedermayer.

Den Zugewinn für AfD und Grüne hält der Parteienforscher hingegen für schlüssig. Die Frage, die die Gesellschaft derzeit am meisten spalte und die auch durch Chemnitz wiederaufgeflammt ist, sei die Flüchtlingsfrage. Und diese beiden Parteien seien die Protagonisten der beiden Pole: „Grüne und AfD sind die Parteien, die die beiden konträren Positionen am deutlichsten vertreten“, sagt Niedermayer. (mit dpa)

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