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Somalia Hungernde in Mogadischu warten vergeblich

Die Al-Schabaab-Miliz hat sich aus Mogadischu zurückgezogen, doch die Nothilfe kommt noch nicht in den Flüchtlingslagern an. Außerdem kommen immer mehr Menschen aus dem Umland in die somalischen Hauptstadt. Hält der Exodus an, ist ein Desaster unvermeidlich.

Helfer entladen die erste Maschine des UNHCR. Foto: afp/SCOTT GODDARD

Deutlich mehr hungernde Somalis suchen Zuflucht in Mogadischu, seit ein Großteil der islamistischen Al-Schabaab-Miliz aus der somalischen Hauptstadt abgezogen ist. Seit dem Wochenende seien Tausende aus dem Umland gekommen, melden Nachrichtenagenturen. Ebenfalls tausende Flüchtlinge aus den Regionen Bay und Bakool befänden sich noch auf dem Weg in die Stadt. Hält der Exodus aus den ländlichen Gebieten an, ist ein Desaster unvermeidlich, sagte der Repräsentant der Welternährungsorganisation FAO in Kenia, Luca Alinovi.

In den vergangenen Wochen hatten bereits weit über 100.000 Menschen Mogadischu erreicht. Dort mussten sie sich zu den 350.000 Kriegsvertriebenen gesellen, die dort bereits seit längerer Zeit in dürftigsten Unterkünften vegetieren. Die Menschen in der zerstörten Stadt hoffen, dass nach dem Abzug der Miliz mehr Hilfsmittel ankommen werden.

Die Hoffnung ist trügerisch. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Risiko vor allem von Terroranschlägen sehr hoch bleibt“, sagt Augustine Mahiga, der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Somalia. Die jüngsten Ereignisse bestätigten ihn. Am Montag explodierte wenige Kilometer außerhalb Mogadischus ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug. Auch in Mogadischu kam es wieder zu Kämpfen. Dem Kommandanten der Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom), Fred Mugisha, zufolge, operieren in einigen Stadtteilen noch immer Al-Schabaab-Kämpfer. Der ugandische General forderte die Afrikanische Union auf, die Schutztruppe von 9000 auf 12.000 Mann zu verstärken, da sie nach dem Abzug eines Großteils der islamistischen Milizionäre das gesamte Stadtgebiet kontrollieren müsse. Übergangspräsident Achmed Scheich Scharif bot Al-Schabaab-Kämpfern eine Amnestie an, sollten sie sich ergeben. Gleichzeitig kündigte er die völlige Zerschlagung der Miliz an.

Erster Hilfstransport sorgt für Lichtblick

Ein erster Lichtblick für die hungernde Bevölkerung ist ein erster Hilfstransports des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Die mit Zelten, Decken und Plastikkanistern beladene Maschine war das erste UNHCR-Flugzeug seit fünf Jahren, das die somalische Hauptstadt anflog. Zwei weitere Flüge sollen diese Woche folgen. Aber auch die Verteilung dieser Güter ist schwierig. Die Helfer haben nicht nur die Al-Schabaab-Kämpfer, sondern auch Milizionäre der Kriegsfürsten und plündernde Soldaten der Übergangsregierung zu fürchten. Am Freitag wurden bereits Teile von Hilfslieferungen gestohlen – bei den dabei entstehenden Schießereien starben mindestens fünf Menschen.

Die Hilfswerke, die vergangenes Jahr von Al-Schabaab zum Verlassen der von ihnen kontrollierten Regionen gezwungen worden waren, bleiben deshalb vorsichtig. Um die Verteilung von Lebensmitteln, die Gesundheitsversorgung und Schulbildung wieder aufnehmen zu können, sei eine deutliche Verbesserung der Sicherheitslage nötig, sagte Amanda Koech von World Vision in Nairobi. In den vergangenen Jahren waren 15 somalische World-Vision-Mitarbeiter ums Leben gekommen. Verhandlungen mit Al-Schabaab gestalteten sich derzeit immer schwieriger, sagt Rashid Abdi von der International Crisis Group, weil die Organisation inzwischen tief gespalten sei.

Auch für das Welternährungsprogramm (WFP) hat sich die Lage kaum verändert. Dem Hilfswerk bleibt der Zugang zu den von Al-Schabaab kontrollierten Hungergebieten weiter verwehrt. Dort sind lediglich muslimische Organisationen sowie das Internationale Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen oder Kinderhilfswerke wie Unicef aktiv. Um in diesen Gebieten arbeiten zu können, müsse man gegenüber Al-Schabaab völlig offen auftreten und dürfe seine Arbeit auf keinen Fall politisieren, meinte Abdulkadir Ibrahim vom Roten Halbmond. Allerdings wird auch berichtet, dass die Hilfswerke den Gotteskriegern Abgaben für die Erlaubnis, helfen zu dürfen, entrichten müssen.

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