Lade Inhalte...

Skripal-Fall Russland weist 23 britische Diplomaten aus

2. UpdateAls Reaktion auf die Ausweisung 23 russischer Diplomaten aus Großbritannien weist Russland seinerseits 23 britische Diplomaten aus.

17.03.2018 09:24
Britische Botschaft in Moskau
Das Gebäude der britischen Botschaft (Mitte) und das Gebäude des russischen Außenministeriums (2.v.r) in Moskau. Foto: dpa

Heftiger Schlagabtausch zwischen Moskau und London: Russland weist im Streit mit Großbritannien um den Gift-Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal insgesamt 23 britische Diplomaten aus. Zudem verbietet Moskau den Betrieb des britischen Generalkonsulats in St. Petersburg und des Kulturinstituts British Council im Land. London kündigte umgehend an, kommende Woche im Nationalen Sicherheitsrat weitere Schritte zu erörtern.

Der Kreml reagierte damit am Samstag auf Sanktionen, die die britische Premierministerin Theresa May drei Tage zuvor in London verkündet hatte. Dazu zählt die Ausweisung 23 russischer Diplomaten und das Kappen bilateraler Beziehungen „auf hoher Ebene“.

Die russischen Strafmaßnahmen sind kurz vor der Präsidentenwahl am Sonntag auch als Signal der Stärke an die Wähler zu werten, dass sich Russland vom Westen nicht in die Ecke drängen lässt. Es wird ein eindeutiger Sieg von Amtsinhaber Wladimir Putin erwartet.

Eine Woche Zeit, Russland zu verlassen

Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren vor zwei Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Am Freitagabend befanden sie sich noch in einem kritischen, aber stabilen Zustand. London zufolge wurde der Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok verübt, das in der früheren Sowjetunion produziert wurde. Großbritannien beschuldigt Putin als Drahtzieher.

London habe Moskau mit seinen Vorwürfen provoziert, schrieb das russische Außenministerium am Samstag. Die 23 britischen Diplomaten hätten nun eine Woche Zeit, das Land zu verlassen - dieselbe Frist hatte London auch den betroffenen russischen Diplomaten gestellt.

Großbritannien wird nach den Worten von May niemals Bedrohungen britischer Bürger durch Russland dulden. Bei einem Treffen ihrer Konservativen Partei in London wies die Premierministerin auf die breite Unterstützung durch westliche Verbündete hin. Unter anderem hatten sich Deutschland, Frankreich und die USA in seltener Geschlossenheit hinter Großbritannien gestellt.

Ein Sprecher des Außenministeriums in London machte in einer Mitteilung deutlich, dass man mit den Moskauer Sanktionen gerechnet habe. „Wir glauben weiter daran, dass es nicht im nationalen Interesse ist, alle Gespräche zwischen beiden Ländern abzubrechen.“

Moskau pocht auf eine eigene Untersuchung

Der Moskauer Außenpolitikexperte Alexander Kramarenko nannte die Gegenmaßnahmen „ziemlich hart“. Er gehe davon aus, dass die Spannungen mindestens für die Amtszeit der jetzigen britischen Regierung bestehen bleiben dürften, sagte er.

Moskau pocht bei der Aufklärung des Skripal-Falls auf eine eigene Untersuchung durch russische Ermittler und verlangt Zugang zu Proben und den Opfern. Aus russischer Sicht gibt es nicht genügend Beweise, um eine Beteiligung Moskaus festzustellen. „Die westliche Propaganda wird leider immer primitiver und unverschämter“, sagte Außenminister Sergej Lawrow einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge.

Der russische Diplomat Alexander Schulgin behauptete, dass auch der Westen Zugriff auf das Gift gehabt haben könnte. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ könne angenommen werden, dass der in Salisbury verwendete Stoff aus einem westlichen Labor stamme, sagte der russische Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Er nannte ausdrücklich Großbritannien und die USA. Westliche Geheimdienste hätten in den 1990er Jahren russische Chemiker, die Wissen über Arbeiten aus der Sowjetunion hatten, angeworben und mit diesen Informationen aktiv gearbeitet.

13 Jahre Lagerhaft

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zählte im Nachrichtensender Rossija 24 Großbritannien, Tschechien, die Slowakei, Schweden und eventuell die USA als mögliche Herkunftsländer des Nervengiftes auf. Die Regierungen in Prag und Bratislava wiesen dies vehement zurück.

Nach Angaben von Scotland Yard könnten die Untersuchungen im Fall Skripal noch Monate dauern. Die Polizei erstellt ein komplettes Bewegungsprofil von Vater und Tochter in den Stunden vor dem Anschlag. Rund 400 Zeugen hätten bereits ausgesagt, Hunderte weitere sollen in den nächsten Tagen dazukommen. Etwa 250 Spezialisten der Anti-Terror-Polizei seien mit dem Fall beschäftigt. Mehr als 700 Beweisstücke wurden bis Samstag sichergestellt und umfangreiches Videomaterial überprüft, wie Scotland Yard weiter mitteilte.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen