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Simon-Wiesenthal-Zentrum Keine Nachsicht mit Augstein

Für Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Zentrum ist der Journalist eindeutig ein Antisemit.

Rabbi Abraham Cooper (r.) vom Wiesenthal-Zentrum kritisiert den Publizisten Jakob Augstein erneut auf das Schärfste. Foto: dpa

Wie neurotisch die Debatte geworden ist, das konnte man exemplarisch am Ende der Veranstaltung sehen. Da deutete eine Fragestellerin an, dass es Menschen gebe, die eine Verbindung herstellten zwischen der Antisemitismus-Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles und den Opfer-Listen der Nationalsozialisten. Allerdings konnte die junge Frau nicht ausreden. Denn plötzlich drehte sich eine ältere Frau um und rief aus, dass diese Äußerung ja unglaublich sei. Schließlich forderte die ältere Frau noch den Namen der jüngeren Frau und schoss danach ein Foto von ihr. Es wirkte, als wolle sie dieses Foto alsbald der Polizei übergeben.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der für die Liste zuständige Rabbiner Abraham Cooper von eben jenem Wiesenthal-Zentrum, begleitet von dem Hamburger Politologen Matthias Küntzel. Es ging vor allem um eine Frage: War es gerechtfertigt, den Publizisten Jakob Augstein auf eine Rangliste der weltweit schlimmsten antisemitischen Ausfälle zu setzen? Die Antwort fiel recht deutlich aus. Sie lautete: Ja.

Israel-Kritik hat eine Funktion

Zunächst war Küntzel an der Reihe. Er sagte, der Erbe des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augstein überschreite mit seiner Israel-Kritik Grenzen. Und er beklagte eine massenhafte Solidarisierung sowohl in der deutschen Politik als auch in den deutschen Medien. Der Politologe forderte die Deutschen auf, sich bewusst zu machen, dass deutsche Israel-Kritik stets eine Funktion erfülle – nämlich subjektiv von der eigenen Schuld für den Holocaust zu entlasten. Wem diese Versuchung nicht klar sei, der könne nicht wirklich mitreden. Dann sprach der Rabbi. Er unterstrich, dass das Deutschland von heute nicht mehr das Deutschland von 1933 sei. Später kam er auf den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und dessen Muslimbrüder zu sprechen, die ganz zweifelsfrei antisemitisch dächten und handelten.

Erst langsam näherte er sich der Figur Augstein. Dabei prangerte Cooper vornehmlich eine Kolumne an, in der dieser ultra-orthodoxe Juden mit islamistischen Fundamentalisten verglich. „Das ist klassischer Judenhass“, so Cooper. Immerhin seien die orthodoxen Juden auch diejenigen gewesen, die dem Judenhass der Nazi-Zeit wegen ihrer äußerlichen Erkennbarkeit als erste zum Opfer fielen.

Augstein: "Das ist eine politische Auseinandersetzung"

Am Beginn der Auseinandersetzung sei er gefragt worden, ob Augstein denn tatsächlich ein Antisemit sei, erklärte Cooper. Da habe er geantwortet: „Fragen Sie ihn.“ Man habe sich an seinen antisemitischen Texten orientiert, aber nicht in sein Innerstes schauen können. Mittlerweile sei er sicher, dass der Antisemitismus-Vorwurf auch auf Augstein als Person zutreffe. Denn er habe es versäumt, sich zu entschuldigen.

Der Rabbi beklagte zudem, dass der Herausgeber der Wochenzeitung Freitag es ablehne, nach Israel zu reisen. Schlussendlich wollte ein Journalist noch wissen, ob Augstein auch auf der nächsten Liste stehen werde. Cooper gab zurück: „Die Liste für 2012 ist raus. Jetzt arbeiten wir an der Liste für 2013.“ Allerdings müsse man es sich verdienen, darauf zu kommen. Es gebe kein Abo.

Der so Attackierte hat unterdessen reagiert. Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg sagte Augstein: „Das hier ist eine politische Auseinandersetzung.“ Sie werde seitens des Wiesenthal-Zentrums mit unlauteren Mitteln geführt.

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