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Silvester Polizist spricht von "Spießrutenlauf"

Die Kölner Polizei meldet, nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht inzwischen 16 Tatverdächtige ausfindig gemacht zu haben. Sie seien auf Bild- und Videoaufnahmen klar erkennbar.

07.01.2016 12:19
In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell belästigt und augeraubt worden. Foto: dpa

Eine Woche nach den schweren sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln hat die Polizei 16 mögliche Tatverdächtige identifiziert. Die jungen Männer könnten für Straftaten in der Silvesternacht am und im Kölner Hauptbahnhof verantwortlich sein und stammen "weitestgehend" aus dem nordafrikanischen Raum, wie die Polizei am Donnerstag in Köln mitteilte.

Zugleich stieg den Ermittlern zufolge die Zahl der Strafanzeigen von Opfern der Übergriffe und Raubstraftaten auf 121. In etwa drei Viertel dieser Fälle handelt es sich laut Polizei um Sexualstraftaten, teilweise in Verknüpfung mit Eigentumsdelikten. In allen anderen Fällen wird wegen Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikten ermittelt.

Die wegen der massenhaften Straftaten an Silvester gegründete Ermittlungsgruppe der Polizei wurde auf bis zu 80 Kripobeamte aufgestockt. Laut Polizei wird es nun Aufgabe der Beamten sein, den 16 identifizierten Männern "konkrete Straftaten nachzuweisen". Dazu würden unter anderem Videosequenzen analysiert und die Aussagen von Opfern und Zeugen ausgewertet.

Unterdessen berichteten "Bild"-Zeitung und "Spiegel" über ein internes Protokoll der Bundespolizei, das ein schockierendes Bild der Vorgänge am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht zeichnet. Ein leitender Beamter schrieb demnach unter anderem in dem Report von einem "im wahrsten Sinne 'Spießrutenlauf'" von Frauen "durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann".

Schon auf der Anfahrt zum Einsatzort sei die Polizei "von aufgeregten Bürgern mit weinenden und geschockten Kindern über die Zustände im und um den Bahnhof informiert" worden. "Aufgewühlte Passanten" hätten den Einsatzkräften unter anderem über Schlägereien, Diebstähle und sexuelle Übergriffe auf Frauen berichtet.

Im weiteren Einsatzverlauf hätten sich weinende und schockierte Frauen und Mädchen an die Beamten gewandt und sexuelle Übergriffe durch mehrere männliche Migrantengruppen geschildert. "Die Einsatzkräfte konnten nicht allen Ereignissen, Übergriffen, Straftaten usw. Herr werden, dafür waren es einfach zu viele zur gleichen Zeit."

Man habe nicht jedem Opfer helfen können, was die Polizisten frustriert habe. Zeitweise sei es nicht möglich gewesen, Strafanzeigen aufzunehmen. Beamte wurden demnach durch enge Menschenringe daran gehindert, zu Hilferufenden vorzudringen.

Den Maßnahmen der Beamten sei mit einer Respektlosigkeit begegnet worden, "wie ich sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe", schrieb der leitende Beamte demnach in seinem Bericht. Weil es viel zu wenig Einsatzkräfte gegeben habe, seien die Polizisten "ziemlich schnell an die Leistungsgrenze" gekommen. (afp)

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