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„shithole countries“ Wut über Trumps unflätige Beleidigung

Botschafter sind entsetzt über Trumps unflätige Beleidigung. Afrikanische Länder protestieren, asiatische tun sich mit der Übersetzung von „shithole countries“ schwer.

Anti-Trump-Protest in Miami
Anti-Trump-Protest in Miami. Foto: afp

Selten hat die Äußerung eines Präsidenten ein derart verbreitetes und empörtes Echo ausgelöst, wie die rhetorische Frage Donald Trumps, warum so viele Bewohner lateinamerikanischer und afrikanischer „Drecksloch-Länder“ Aufnahme in den USA gefunden hätten. Sowohl Sprecher des Vatikans wie der UN-Menschenrechtskommission in Genf äußerten sich am Wochenende entsetzt über die Äußerungen des US-Präsidenten, die dieser während einer Begegnung mit republikanischen und demokratischen Senatoren in der vergangenen Woche in Washington von sich gegeben hatte.

Mehrere afrikanische Regierungen bestellten die US-Botschafter in ihren Hauptstädten ein, um sie zu einer Erklärung aufzufordern. In New York trafen sich am Samstag zahlreiche afrikanische UN-Botschafter zu einer Sondersitzung, um ihr „Entsetzen“ über die „abscheulich rassistischen und fremdenfeindlichen Ausführungen“ des US-Präsidenten auszudrücken – ihrer Empörung schloss sich auch ein Sprecher der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba an. Unterdessen gab der US-Botschafter in Panama seinen Rücktritt bekannt: Unter der derzeit in Washington amtierenden Regierung könne er seinen Dienst nicht fortsetzen, erklärte der Karriere-Diplomat John Feeley.

In aller Welt hatten Journalisten Schwierigkeiten, Trumps Ausführungen über die „shithole countries“ überhaupt in ihre Sprache zu übersetzen. Der „Jiji Press“ im höflichen Japan fiel nichts Gröberes als „Toiletten-Länder“ ein, die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap beließ es sogar bei „Bettel-Höhlen“. Auch Chinas People’s Daily übersetzte harmlos mit „schlechten Ländern“, und Taiwans Nachrichtenagentur CNA kam aus unbekannten Gründen auf die Formulierung: „Länder, in denen Vögel keine Eier legen“. Abgesehen von der Tatsache, dass Trump in seinen Ausfällen asiatische Staaten unerwähnt ließ, fielen die Reaktionen jenseits des Pazifiks wohl auch deshalb wesentlich milder aus. In Afrika, wo neben Französisch überwiegend Englisch gesprochen wird, traf die Beleidigung indessen tief. Neben Ghana und Südafrika berief auch der Musterstaat Botswana den US-Botschafter ein.

Ob mit dem „Drecksloch“ auch das südafrikanische Touristenparadies gemeint sei, wollte die Regierung in Gaborone wissen. Washingtons State Department sah sich genötigt, seinen Emissären eine Handreichung zuzuschicken: Die Botschafter sollten betonen, welche Ehre es für sie sei, in dem jeweiligen afrikanischen Land postiert zu sein, und welch „großen Respekt sie für die afrikanischen Völker und alle ihre Staaten“ hätten, heißt es darin. Die UN-Botschafter des Kontinents beließen es nicht nur bei ihrer Verurteilung der rassistischen Äußerungen Trumps: Sie fordern auch einen Widerruf und eine förmliche Entschuldigung des Präsidenten.

Manche Kommentatoren suchten indessen Zuflucht im Humor. Unter dem Titel „Grüße aus dem Drecksloch“ veröffentlichte die südafrikanische Nachrichtenagentur News24 Hochglanzfotos der Touristenperle Kapstadt, von majestätischen Löwen im Krügerpark sowie dem luxuriösen Johannesburger Geschäftszentrum Sandton.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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