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Sexuelle Gewalt in Heimen Behinderte Frauen werden zu Tausenden missbraucht

Mindestens sechs Prozent aller behinderten Frauen, die in deutschen Heimen betreut werden, wurden sexuell missbraucht. Die Betroffenen sind ihren Peinigern oft hilflos ausgeliefert, Experten sprechen von einem "Skandal".

Behinderte Frauen werden häufiger Opfer sexueller Gewalt als gesunde. Foto: dpa

Tausende geistig behinderte Frauen sollen in deutschen Heimen und Werkstätten missbraucht worden sein. Das geht aus einer Studie der Universität Bielefeld hervor, über die das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ am Dienstagabend berichtet hat. Die repräsentative Untersuchung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums trägt den Titel „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“.

Die Bielefelder Forschergruppe um Monika Schröttle kommt zu dem Ergebnis, dass sechs Prozent der Frauen mit geistiger Behinderung, die in Heimen oder anderen Einrichtungen leben, sexuelle Gewalt erfahren haben. „Auf jeden Fall mehrere tausend Frauen“, so Projektleiterin Schröttle, seien sexuell missbraucht worden. Das Gravierende sei, dass die Frauen in den Einrichtungen nicht einfach raus könnten und dass es viel schwerer sei, Zugang und Hilfe zu bekommen.

„Report Mainz“ zitiert Georg Ehrmann, den Vorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe: „Der tägliche Missbrauch von Jungen und Mädchen in deutschen Behinderteneinrichtungen ist ein großes Tabu und unter dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, machen die Verantwortlichen in der Politik, in den Verbänden und in den Kommunen die Augen zu und deswegen sprechen Betroffene auch von dem größten Skandal in der Jugendhilfe seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Täter auch unter Betreuern

Nach der Studie sind meistens Heimbewohner, aber auch Mitarbeiter die Täter. Kerstin Heidecke, Pressesprecherin des Bundesverbandes Lebenshilfe, sagte der Berliner Zeitung: „Uns ist in den vergangenen Jahren nur ein einziger Fall bekanntgeworden.“ Täter sei ein Fahrer gewesen, dem sofort gekündigt worden sei. „Man hat den Mann sofort entfernt.“ Die Lebenshilfe betreibt in Deutschland 3000 Einrichtungen und Dienste und kümmert sich um rund 170 000 geistigbehinderte Menschen.

Nach der Bielefelder Studie sind Frauen mit Behinderungen viel häufiger Opfer von Gewalt als nicht behinderte. Sie sind zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Mit 58 bis 75 Prozent erlebten auch im Erwachsenenalter fast doppelt so viele geistigbehinderte Frauen körperliche Gewalt wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt – mit 35 Prozent.

Auch Kinder betroffen

Die Bielefelder Forscher haben für ihre Untersuchung  1561 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt, die mit oder ohne Behindertenausweis in Haushalten oder Einrichtungen leben  und starke, dauerhafte Beeinträchtigungen haben.  Die Befragten seien allen  Formen von Gewalt häufiger ausgesetzt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Die am höchsten durch Gewalt belastete Gruppe seien Frauen mit psychischen Erkrankungen gewesen. Sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend komme  zwei bis dreimal häufiger vor als sonst. Besonders häufige Opfer seien gehörlose Frauen.

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