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Sexismus Zeuginnen gegen Brüderle

ARD-Reporterinnen erlebten ebenfalls schlüpfrige Begegnungen.

Patricia Schlesinger Foto: NDR/Marcus Krüger

Nach der Stern-Redakteurin Laura Himmelreich haben jetzt zwei erfahrene ARD-Journalistinnen über unangenehme Begegnungen mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle berichtet. Die frühere ARD-Hauptstadtkorrespondentin Gesine Enwaldt sagte im NDR-Magazin „Panorama“:

„Vormittags um elf hatte ich eine Begegnung mit Herrn Brüderle, die sich ähnlich abgespielt hat. Ich hatte damals den Auftrag, mich um die FDP zu kümmern für das Hauptstadtstudio und wollte da einfach Hintergrundinformationen einsammeln. Aber das Gespräch driftete relativ schnell ab in eine eher schlüpfrige, unangenehme Ebene, wo es von seiner Seite aus nur noch um Anmache ging. Das habe ich als extrem unangenehm empfunden und habe das dann einfach verdrängt.“

Auch Hanni Hüsch, früher Berlin- und USA-Korrespondentin der ARD, bestätigte den Eindruck, Brüderle habe sich Frauen gegenüber nicht immer angemessen verhalten. „Es ist immer mal wieder Thema unter uns Kolleginnen in Berlin gewesen. Das liegt ein paar Jahre zurück, aber der Rainer Brüderle hatte bei uns durchaus den Ruf, dass es für eine Frau nicht zwanghaft schicklich ist, mit dem in einem Zimmer allein zu sein und dass er schon ganz gern einmal verbal übergriffig sein konnte.“

Patricia Schlesinger, früher Panorama-Reporterin, berichtete: „Ich habe das mehrfach erlebt, auch mit einem Politiker aus der FDP. Das Interview war zu Ende, da habe ich eine Hand auf dem Knie mit dem Satz, wir sollten unbedingt mal einen Wein trinken gehen, am besten noch heute.“ Zur Frage, weshalb sie und ihre Kolleginnen nicht über die Übergriffe gesprochen hätten, sagte Enwaldt: „Das wäre ja die Demütigung Teil zwei geworden, wenn wir uns geoutet hätten bei unseren Vorgesetzten. Da hätte man sagen müssen, ich war gerade in einer Situation, wo ich nicht ernst genommen wurde und gedemütigt worden bin.“

Hanni Hüsch, jetzt Chefin der Abteilung Ausland und Aktuelles beim NDR, merkte an, dass es sexistische Übergriffe überall gebe. „Wir sind vielleicht nicht einmal frei in unserem eigenen Sender davon, dass Kolleginnen hier das Gefühl haben, ihnen wird in unangemessener Weise begegnet.“

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