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Selbstmordattentat Schweden im Terrorschock

Ein Selbstmordattentäter hat sich in der Innenstadt der schwedischen Hauptstadt in die Luft gesprengt - die Stadt war zu diesem Zeitpunkt voller Weihnachtseinkäufer. Außer dem Täter gab es aber keine Opfer. Die schwedische Polizei stuft die Tat als Terroranschlag ein.

Forensiker in Stockholm untersuchen den Leichnam des mutmaßlichen Selbstmordattentäters. Foto: Fredrick Persson / afp

Ein Selbstmordanschlag im Stockholmer Zentrum erschüttert Schweden. Nur weil die Bombe des Attentäters zu früh und nur teilweise explodierte, kam es nicht zu einem Massaker. So blieb der Täter das einzige Opfer. Die Sicherheitspolizei geht von einem Terrorakt aus. Zwei Passanten wurden leicht verletzt.

Es war einer der hektischsten Tage im vorweihnachtlichen Trubel auf Stockholms Einkaufsmeile Drottningegata, als kurz vor Geschäftsschluss ein an der Ecke zur Olof-Palme-Gata geparktes Auto nach einer Explosion heftig zu brennen begann. Wie technische Untersuchungen später zeigten, war der Audi mit Gasflaschen gefüllt. Zehn Minuten später, während die Löscharbeiten in Gang waren, kam es ein paar hundert Meter vom Tatort entfernt zu einer weiteren Explosion, ein Mann stürzte zu Boden. Augenzeugen, die ihm zu Hilfe eilen wollten, stellten fest, dass er tot war. „Er hatte eine riesige Wunde am Bauch, sonst war er unverletzt“, sagte einer der Helfer, „als hätte er etwas getragen, das explodierte.“

Die Polizei hält die näheren Tatumstände geheim, doch nach Medienangaben trug der Tote sechs Rohrbomben um den Leib, von denen nur eine detonierte. Neben ihm lag ein Rucksack, der mit Nägeln und Sprengstoff gefüllt war. Der mutmaßliche Hergang des Anschlags liest sich so: Der Mann, angeblich ein 28-jähriger Schwede irakischer Herkunft, stand wie jedes Wochenende mit einem Reklameschild für einen Fish and Chips-Laden in der Drottningegata. Dort dürfte er die Explosion in dem auf seinen Namen registrierten Auto ausgelöst und sich dann vom Tatort entfernt haben. Die Polizei geht davon aus, dass er die Selbstmordbombe in dichtem Gedränge auslösen wollte. Einer der Sprengkörper sei aber frühzeitig detoniert und habe ihn getötet. „Wäre die Bombe auf der Einkaufsstraße explodiert, hätte es ein Massaker gegeben“, sagte ein Augenzeuge.

Kurz vor den Anschlägen war bei der Sicherheitspolizei und mehreren Medien ein vom Täter unterschriebener Drohbrief „an das schwedische Volk“ eingegangen, in dem er ankündigte, dass jetzt „eure Kinder, Töchter und Schwestern sterben werden, wie unsere Brüder und Schwestern sterben“. Er verurteile die Teilnahme schwedischer Soldaten am Afghanistan-Krieg und den Künstler Lars Vilks, der den Propheten Mohammed als Hund gezeichnet hatte. „Solange ihr nicht aufhört, Krieg gegen den Islam zu führen, den Propheten zu verhöhnen und das Schwein Vilks zu unterstützen, werden unsere Taten für sich selbst sprechen.“ Jetzt sei es Zeit zuzuschlagen, appellierte er an „alle Mujahedin in Schweden und Europa“: „Fürchtet niemanden, nicht das Gefängnis, nicht den Tod“. Der Mail waren gleich lautende Tonträger in Schwedisch und Arabisch beigefügt.

Am Sonntag stufte die Sicherheitspolizei den Anschlag als „sehr ernte Terrorhandlung“ ein. Schon anfangs Oktober hatte sie vor erhöhtem Sicherheitsrisiko gewarnt. Kürzlich gab es in Göteborg angeblich Pläne für ein Attentat auf ein Einkaufszentrum. Die Polizei sieht vorerst keine Verbindung zu dem Stockholmer Anschlag und hat keine Informationen über mögliche Mittäter. Hingegen geht Schwedens führender Terrorexperte Magnus Ranstorp von einem Komplott aus: „Das Auto, die Rohrbomben, der Drohbrief, das alles erfordert zu viel Koordination, als dass es Werk eines Einzeltäters sein kann.“ Die Polizei verstärkte ihre Präsenz in Stockholm und die Bewachung von Vilks´ Haus in Südschweden.

Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt äußerte sich besorgt über den „unakzeptablen Anschlag auf unsere offene Gesellschaft“, warnte aber vor „verhasteten Schlüssen“, die Spannungen mit „unerwünschten Konsequenzen“ auslösen könnten. Außenminister Carl Bildt hatte schon früh in einer Twitter-Mitteilung von einem „beunruhigenden Versuch einer Terrorattacke“ gesprochen. Die Opposition griff Bildt scharf an: Wenn er etwas wusste, hätte die Regierung das schwedische Volk unterrichten müssen. Wenn er nur spekulierte, hätte er den Mund halten sollen, sagte der Sozialdemokrat Håkan Juholt.

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