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Sebastian Münzenmaier AfD-Politiker wegen Hooligan-Angriff verurteilt

Für seine Beteiligung an einem Überfall auf Fußball-Fans verurteilt das Amtsgericht Mainz den rheinland-pfälzischen AfD-Politiker Sebastian Münzenmaier zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.

18.10.2017 17:16
Sebastian Münzenmaier
AfD-Politiker Sebastian Münzenmaier. Foto: dpa

Wenige Tage vor dem Einzug in den Bundestag ist der rheinland-pfälzische AfD-Politiker Sebastian Münzenmaier zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Bewährungszeit setzte das Amtsgericht Mainz am Mittwoch auf drei Jahre an. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Münzenmaier sich der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Der 28-Jährige erklärte, das Urteil sei eine „Unverschämtheit“.

Münzenmaier hat nach Ansicht des Gerichts anderen Mitgliedern der Ultra- und Hooliganszene des 1. FC Kaiserslautern geholfen, vor fünf Jahren Fans des Fußballvereins Mainz 05 aufzulauern und sie zu verprügeln. Dabei soll er die Ortsunkundigen an einer Tankstelle abgeholt und zum Stadion gebracht haben. Dort sei die Attacke „mit Wissen und Wollen“ von Münzenmaier geschehen, sagte Richterin Anne Werner. Münzenmaier muss auch 10 000 Euro Strafe zahlen.

Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte sich für acht Monate Haft auf Bewährung ausgesprochen. Der Verteidiger forderte einen Freispruch. Münzenmaier schwieg vor Gericht. Bei Wahlkampfveranstaltungen sagte der 28-Jährige mehrfach, er sei „ein friedlicher Fußballfan“ und habe sich „nie an irgendwelchen gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt“. Nach dem Urteil sagte er, die Lesart des Gerichts sei „reine Spekulation“ und „ein Witz“.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wird es das, hat es keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Mandat des AfD-Politikers. Nur wer wegen eines Verbrechens verurteilt wird, verliert für fünf Jahre die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden. Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung hingegen ist ein Vergehen.

Der Überfall auf die Mainzer Fans in der Nacht zum 18. März 2012 war von langer Hand geplant, wie zahlreiche Zeugen vor Gericht erklärten. Die Kaiserslauterer Anhänger versteckten sich im Gebüsch, bis die Busse der Mainzer Fans am Bruchwegstadion ankamen. Dann marschierten die Angreifer - teils vermummt und mit bandagierten Fäusten - los, um auf die Mainzer einzuschlagen. Diese wehrten sich, die Beteiligten zogen sich Knochenbrüche und Platzwunden zu.

Ein vor Gericht als Zeuge gehörter Polizist ordnete den AfD-Politiker damals dem Umfeld der Ultra-Bewegung des FCK zu. Er sei ein fanatischer Fußballfan, aber kein Hooligan gewesen.

Münzenmaier ist bislang nicht vorbestraft. Auch seit dem Überfall seien keine Vorfälle mehr bekannt geworden, sagte Richterin Werner. Das Urteil wäre ihrer Aussage nach milder ausgefallen, wenn Münzenmaier vor Gericht ausgesagt hätte.

Zahlreiche Zeugen, die wegen der Attacke teils schon rechtskräftig verurteilt worden sind, wollten Münzenmaier nicht am Tatort gesehen haben. Sie gehörten der Ultra- oder Hooliganszene an - und in der Fanszene ist es üblich, sich nicht gegenseitig zu beschuldigen. „Auffällig war, dass die (Zeugen aus der Szene) unter erheblichen Erinnerungslücken litten oder leiden wollten“, sagte der Staatsanwalt. Er kündigte an, in mindestens einem Fall ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage einzuleiten.

Dem Gericht lagen aber Protokolle aus Whatsapp-Chats, SMS, E-Mails, Funkzellendaten und Fotos vor, die sowohl bei Münzenmaier als auch den Zeugen gefunden wurden. So telefonierte Münzenmaier am Tattag etwa mehrfach mit denjenigen der Gruppe, die den Mainzer Fans auflauerten. Diese Telefonate hatten sicherlich Bezug zu dem Geschehen, meinte Richterin Werner. Münzenmaier habe aber nicht nachgewiesen werden können, dass er an der Schlägerei beteiligt war. (dpa)

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