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Schuhe gegen Wulff Rechtspopulisten drängen in Anti-Wulff-Demo

Löchrige Turnschuhe, ausgelatschte Pantoffeln und selbst hochhackige Damenschuhe kamen zum Einsatz. Mit einer bisher in Deutschland absolut unüblichen Protestform haben am Sonnabend etwa 400 Menschen direkt vor dem Berliner Schloss Bellevue den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff verlangt.

07.01.2012 17:19
Martin Klesmann
Die Protest-Schuhe machten deutlich: hier kamen am Samstag gleich mehrere Generationen zusammen. Foto: REUTERS

Um ihren Unmut über die jüngsten Hauskredit-Affäre  des Bundespräsidenten zu zeigen, reckten die Demonstranten zahlreiche, zumeist eher ältere Schuhe in die Höhe. Diese Geste gilt in der arabischen Welt als besonders drastisches Mittel, um Wut und Verachtung auszudrücken.

Demonstranten schließen Rechtspopulisten aus

Zugleich hielten die Demonstranten zahlreiche Plakate wie „Ent-wulffen“, „Christian, kehr doch zurück ins schöne Osnabrück“ oder „Zorn statt Gier!“ hoch und skandierten lautstark „Wulff muss weg!“. Die Polizei hielt sich zunächst zurück und war vor allem bemüht, die Straße vor dem Schloss Bellevue für den Autoverkehr freizuhalten.

Die auch nach Polizeiangaben 400 Demonstranten sollten nicht auf den Gehweg direkt vor das Schloss gelangen, sondern auf der anderen Straßenseite bleiben. Für Unmut unter den Demonstranten sorgte, dass sich Aktivisten der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ mit einem großen Transparent unter die Demonstranten mischen wollten.

Ordner der Demonstrationsanmelder bildeten eine Kette, um die Rechtspopulisten von der Hauptgruppe der Demonstranten zu trennen.

Auf dem Dach des Schlosses Bellevue wehte derweil die Bundesfahne, ansonsten war im Schlossgebäude nichts vom Bundespräsidenten oder seiner Entourage zu sehen.

„Schutz der Demokratie“

Die Anti-Wulff-Demonstration war vom Verein „Creative Lobby of Future“ angemeldet worden, sie geht zurück auf die Facebook-Initiative „Wulff den Schuh zeigen“ des Internet-Aktivisten  und SPD-Mitglieds Martin Heidingsfelder  („VroniPlag“).

Anmelder der Demonstration war Jürgen Jänen. „Es geht mir hier darum, die Demokratie zu schützen, der Bundespräsident beschädigt die Demokratie durch sein unmoralisches Handeln“, sagte Jänen, ebenfalls SPD-Mitglied.

Unter den Demonstranten waren auffallend viele Rentner und einige Studenten, aber auch viele Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. „Ich bin ein politischer Mensch“, sagte etwas der EDV-Berater Björn Rathje. „Da sind mir Anstand, ethische Grundsätze und Würde wichtig, gerade bei einem Bundespräsidenten,“ so Rathje, der ein Paar löchrige, alte Turnschuhe mitgebracht hatte und sie in die Höhe hielt.

Zurück bleiben allerlei löchrige Schuhe

Nach gut einer Stunde löste die Polizei die Demonstration auf, offenbar auch nach Rücksprache mit den Veranstaltern, die nicht länger  die Rechtspopulisten von „Die Freiheit“ neben sich dulden wollten. Einige Demonstranten liefen sodann über die Straße und hielten direkt vor dem Schloss Bellevue ihre mitgebrachten Schuhe in die Höhe.

Die Polizei hinderte sie mit einer Personenkette den Rasen direkt vor dem Zaun von Schloss Bellevue zu betreten.

Als sich dann auf der anderen Straßenseite ein Demonstrant noch einmal ein Megafon griff und Durchsagen machte, wurde er von Polizisten abgedrängt und schließlich zu Boden gestoßen. Er blieb offenbar verletzt am Boden liegen, wurde von Polizisten umstellt.

Nach etwa 20 Minuten wurde der ältere Mann von einem Krankenwagen abtransportiert. Gegen 16 Uhr waren die meisten Demonstranten auf dem Weg nach Hause. Zurück bleiben allerlei löchrige Schuhe - an Straßenschilder geknotet, am knöchelhohen Zaun zum Tiergarten aufgespießt oder einfach vor Schloss Bellevue abgelegt.

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