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Schmutzkampagnen in den USA Der Cyber-Krieg gegen die Gewerkschaft

In den USA lässt die Handelskammer private Sicherheitsfirmen mit Schmutzkampagnen gegen ihre Kritiker vorgehen. Der Schuss ging nach hinten los.

In mehreren Ländern treten Sympathisanten der "Anonymous"-Bewegung mit Guy-Fawkes-Masken in Erscheinung. Foto: AFP

Nichts weniger als eine Gottheit wollten sie sein und sind jetzt doch zum Gespött von Internet-Aktivisten geworden: Drei Sicherheitsunternehmen, die einen Schlachtplan gegen Wikileaks entwickelt hatten, sollten im Auftrag einer Anwaltskanzlei auch gegen Gewerkschafter und Kritiker der US-Handelskammer (US Chamber of Commerce) vorgehen. Doch der Plan im Interesse des Unternehmerverbandes flog auf, und nun stehen die Firmen HBGary Federal, Palantir und Berico Technologies am Pranger.

Als „Themis“, benannt nach der griechischen Göttin für Gerechtigkeit und Ordnung, trat das Trio in den Verhandlungen mit einer großen US-Anwaltskanzlei auf. Die E-Mail-Korrespondenz über das Vorgehen gegen kritische Netzwerke wie „US Chamber Watch“ oder „Change to Win“ wurde vor wenigen Tagen im Internet veröffentlicht. Was sich die drei IT-Firmen ausgedacht haben, ähnelt sehr dem Plan, den der Geschäftsführer von HBGary Federal, Aaron Barr, schon einmal gegen Wikileaks geschmiedet hatte.

Hauptziel von „Themis“ sollte die Verleumdung von kritischen Organisationen sein. Die Gegner sollten unglaubwürdig gemacht werden. Dafür gebe es mehrere Wege, heißt es in einem entsprechenden Strategiepapier von „Themis“. So könnten der Organisation US Chamber Watch gefälschte Dokumente zugespielt werden, um sie anschließend bloßzustellen. Oder es könnten Personen in die Organisationen geschmuggelt werden, die daraufhin gegeneinander Schmutzkampagnen beginnen. Das Strategiepapier ist vom 29. November 2010.

Methoden wie bei Terror-Ermittlungen

Eine frühere E-Mail vom 9. November zeigt, dass HBGary Informationen über Aktivisten gesammelt hat, die sich für die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama eingesetzt hatten und Gegner der Handelskammer waren. Die mächtige Lobbyorganisation kämpfte gegen die Reform. Unklar ist aber, ob die Kanzlei „Themis“ wirklich mit der Sabotage beauftragt hat.

Die Pläne sorgen vor allem für Empörung, weil die Methoden sonst von staatlichen Sicherheitsbehörden bei Terror-Ermittlungen verwendet werden. So sollten auch die Profile in sozialen Netzwerken und das Privatleben von führenden Köpfen zivilgesellschaftlicher Gruppen durchforstet und auf persönliche Schwächen hin analysiert werden, berichtet der Blog Think Progress, hinter dem das den Demokraten nahestehende Center for American Progress steht.

Aufgeflogen war der Plan, nachdem HBGary-Federal-Geschäftsführer Barr den Internet-Aktivisten von Anonymous den Kampf erklärt hatte. In der Financial Times brüstete er sich damit, führende Köpfe von Anonymous ausgemacht zu haben. Die Aktivisten drangen daraufhin in das Firmennetzwerk von HBGary ein und kopierten 70.000 Geschäfts-Mails, die sie in Tauschbörsen weitergaben. Bekannt wurde Anonymous, als die Aktivisten im Dezember 2010 im Streit über Wikileaks die Homepages von Mastercard und Paypal lahmlegten.

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