Lade Inhalte...

Scheinvaterschaften Kinder von falschen Vätern

Vaterschaftsanerkennung wird zur Aufenthaltserschleichung missbraucht. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von einem großangelegten bundesweiten Betrug.

07.06.2017 06:59
Scheinvaterschaften
Scheinvaterschaften sind eine aktuelle Form des Betrugs in Deutschland. (Symbolbild) Foto: imago

Scheinehen kennt man, Scheinvaterschaften eher nicht. Geht es doch bei der Vaterschaftsanerkennung oft in erster Linie darum, lästige Unterhaltszahlungen zu vermeiden.  Nun sind aber gerade falsche Vaterschaften eine erfolgversprechende Methode für ausländische Frauen, um in Deutschland ein Aufenthaltsrecht zu erhalten. Die falschen Väter und etwaige Drahtzieher profitieren davon.

Offenbar ist diese Form des Betrugs ein aktueller Trend. Immer mehr Frauen aus Vietnam, Afrika und Osteuropa bezahlen Männer dafür, die Vaterschaft für ihr ungeborenes Kind anzuerkennen. Polizei und Staatsanwaltschaften sprechen von einem großangelegten bundesweiten Betrug. Allein in Berlin soll es 700 Fälle gegeben haben. Das zumindest hat der Sender RBB recherchiert. Martin Steltner von der Berliner Staatsanwaltschaft sagte dem RBB, dass die Anzahl solcher Scheinvaterschaften in Berlin in den letzten Monaten gestiegen sei. Es habe Personen gegeben, die über zehn Vaterschaften anerkannt hätten. Nach Senderinformationen sind auch NPD-Anhänger dabei.

Die Methode ist relativ einfach. Eine schwangere Frau aus einem Land mit einer eher geringen Anerkennungsquote bezahlt einen deutschen Mann dafür, dass er die Vaterschaft anerkennt. Damit erhält das Kind in ihrem Bauch nach der Geburt automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit. Auch sie  selbst darf in Deutschland bleiben, schließlich muss sie sich um das Kind kümmern. Bis zur Geburt gilt der Mutterschutz und auch das führt zu einem Bleiberecht. Die reine Anerkennung ist noch keine Täuschung, selbst wenn der Mann weiß, dass er nicht der Vater ist. Dahinter steht aber ein Geschäftsmodell. Um ein Bleiberecht zu erhalten zahlten die Frauen bis zu 5 000 Euro für eine Vaterschaftsanerkennung. Nach den Recherchen Senders enden viele von ihnen in der Prostitution. Sie machen sich abhängig von den deutschen Scheinvätern und deren Hintermännern.

Die Methode an sich ist nicht neu. Auch uns sind solche Fälle bekannt. Torsten H. zum Beispiel ist so ein Scheinvater. Der Mann wohnt in Prenzlauer Berg. Er  ist Hartz-IV-Empfänger. Eines Tages wurde er von einem Mann angesprochen, der ihm 7 000 Euro anbot. Dafür müsse er eine Urkunde unterschreiben, mit der er bestätigt, mit einer Vietnamesin verheiratet zu sein. Er erhielt dafür 3 000 Euro. Den Rest sollte es nach Beglaubigung der Ehe geben. Torsten H. unterschrieb. Später erhielt er weitere 4 000 Euro. Seine Gattin hat er nie gesehen. Ob das Foto von ihr, das ihm der Vermittler zeigte, echt war, weiß er nicht. Kurze Zeit später meldete sich der Mann wieder und  bat ihn, die Vaterschaft eines Kindes anzuerkennen, das seine falsche Ehefrau erwartete. Dafür bekam er  2 500 Euro. Den Kindesunterhalt leistet der Staat. Allerdings ermittelt mittlerweile die Polizei gegen ihn wegen Sozialleistungsbetrugs.

Bisher gab es für Behörden nur  wenige Möglichkeiten, gegen die Scheinväter und die Frauen vorzugehen. Das Bundesverfassungsgericht hebelte zuletzt 2013 eine Regelung aus, mit der Behörden Vaterschaften anfechten konnten. Die rückwirkende Aberkennung der Vaterschaft gilt als unverhältnismäßige Härte. Die Kinder sollen nicht staatenlos werden.

Jetzt wird sich etwas ändern. Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat ein Gesetz zur besseren Ausreisepflicht gebilligt. Es tritt  voraussichtlich in einigen Wochen in Kraft. „Das Geschäftsmodell der Aufenthaltserschleichung mittels Scheinvaterschaften ist ein bundesweites Phänomen. Wir gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Durch die gesetzliche Neuregelung dürfen die Ausländerbehörden bei Missbrauchsverdacht in Zukunft präventiv eingreifen und die missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung verhindern“, sagt  der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium des Innern Ole Schröder.

Ob Missbrauch vorliegt, werden also künftig die Ausländerbehörden überprüfen und auch entscheiden.  Wichtigstes Kriterium sei dabei, so das Bundesinnenministerium, ob es eine  familiäre Beziehung zwischen Kind und Vater gibt. Wird ein Missbrauch festgestellt, ist eine Beurkundung ausgeschlossen. Nach Schätzung des Bundesinnenministerium liegt die Zahl der Missbrauchsfälle im mittleren vierstelligen Bereich pro Jahr.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum