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Schavan unter Plagiat-Verdacht VroniPlag-Gründer wirft Schavan Eigen-Plagiat vor

Bildungsministerin Annette Schavan soll nicht nur bei anderen, sondern unerlaubt auch bei sich selbst abgeschrieben haben - diesen Vorwurf erhebt VroniPlag-Gründer Martin Heidsfelder. Er stellt sich damit hinter den anonymen Betreiber eines Blogs, in dem der Plagiatsverdacht gegen Schavan erstmals öffentlich gemacht wurde.

30.05.2012 11:02
Als Guttenberg in der Kritik stand, sagte Annette Schavan, sie schäme sich. Hat sie dafür jetzt einen neuen Grund? Foto: dapd

Bundesbildungsministerin Annette Schavan muss sich gegen neue Plagiatsvorwürfe verteidigen. Der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, wirft ihr vor, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bislang bekannt. „Auf über 33 Prozent der Seiten finden sich Plagiate bei Frau Schavan“, sagte der Erlanger Plagiatsexperte der Augsburger Allgemeinen nach einer Überprüfung der 32 Jahre alten Doktorarbeit.

Heidingsfelder wirft Schavan vor, sie habe nicht nur auf 65 Seiten von anderen Autoren abgeschrieben und nicht korrekt zitiert, sondern unerlaubterweise auch alte eigene bereits veröffentlichte Texte übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Er kritisiert dies als „Eigenplagiate" auf 55 Seiten der Dissertation. Insgesamt seien damit auf 110 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten.

Neue Schavan-Plattform

Der VroniPlag-Gründer stellt sich damit ausdrücklich hinter den bislang anonymen Betreiber der Internetseiteschavanplag.wordpress. „Mein Vorwurf ist nicht anonym“, betonte Heidingsfelder und forderte die CDU-Politikerin zum Rücktritt auf: „Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein.“ Ob sie ihren Doktortitel behalten soll, ließ er offen.

Seine Erkenntnisse stellt Heidingsfelder inzwischen als eigene offene Plattform SchavanPlag Wiki ins Internet. Schavan hatte 1980 mit der 351 Seiten umfassenden Arbeit „Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ an der Universität Düsseldorf den Doktortitel erlangt. Die Universität Düsseldorf prüft derzeit Schavans Dissertation.

Heidingsfelder gilt als bekanntester deutscher Plagiatjäger. Er wirkte bereits bei der Aufdeckung ähnlicher Vorwürfe gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

Die Verantwortlichen von Vroni Plag hatten zunächst entschieden, die Vorwürfe gegen Schavan nicht zu veröffentlichen. Umfang und Schwere der Vorwürfe seien nicht mit den schweren Plagiaten von Politikern wie Guttenberg zu vergleichen, sagte auch Heidingsfelder (wir berichteten).

Seit er seinen Namen öffentlich machte, ist Heidingsfelder unter den Mitstreitern von "VroniPlag" umstritten und nicht mehr auf der Plattform aktiv. "Ich werde von meinen ehemaligen Mitstreitern ziemlich gemobbt", sagte er der Augsburger Allgemeinen.

Der zuständige Promotionsausschuss der Universität Düsseldorf prüft weiterhin die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan. Das Gremium der Philosophischen Fakultät aus Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern beschaffe sich dafür die Dissertation Schavans und weitere notwendige Literatur im Original, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität am Mittwoch. Wann ein Ergebnis vorliege, sei noch „völlig offen“. Zugleich betonte er: „Der Ausschuss führt seine Arbeit unabhängig von dem, was aktuell in den Medien diskutiert wird, weiter“. (afp/jon/dpa)

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